Naturschutz und Wüstenbekämpfung
Projektkurzbeschreibung
Bezeichnung: Naturschutz und Wüstenbekämpfung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Marokko
Politischer Träger: Hochkommissariat für Wasser, Wald und Desertifikationsbekämpfung, Marokko
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2011
Ausgangssituation
Das Königreich Marokko will seine für den Mittelmeerraum einzigartige biologische Vielfalt erhalten und sie für eine umweltverträgliche wirtschaftliche Entwicklung nutzen. Betroffen von den Folgen zunehmender Wüstenneubildung, unternimmt Marokko deshalb erhebliche Anstrengungen.
Mit der Einrichtung von zehn Nationalparks hat das marokkanische Hochkommissariat für Wasser, Wald und Desertifikationsbekämpfung den Grundstein für aktiven Naturschutz gelegt. Leitlinie bei der Bewirtschaftung der Schutzgebiete ist das Bemühen aller Akteure, einen Ausgleich zwischen berechtigte Interessen der traditionellen Nutzer und den Erfordernissen des Naturschutzes zu erreichen. Auch das Nationale Aktionsprogramm zur Bekämpfung der Wüstenneubildung stellt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Armutsbekämpfung, ländlicher Entwicklung und der Erhaltung natürlicher Ressourcen her.
Ziel
Das Management von Naturschutzgebieten und die Bekämpfung der Wüstenneubildung in Marokko sind nachhaltig verbessert.
Vorgehensweise
Struktureller Eckpfeiler des Programms ist die Partnerschaft zwischen Staat und Zivilgesellschaft, in enger Verbindung mit der Entwicklung dezentralisierter Abstimmungs- und Entscheidungsstrukturen. Sie sollen die Verwaltungen und Gebietskörperschaften dabei unterstützen, bei der Umsetzung der Konzepte und Programme eng zusammen zu arbeiten.
Autonome Parkdirektionen binden Nutzer von Schutzgebieten, Kommunen, Nichtregierungsorganisationen und den privaten Sektor direkt in Entscheidungs- und Managementprozesse ein. Dies fördert dezentrale Strukturen, Nutzungskonflikte können besser beigelegt werden. Durch attraktive Ökotourismusangebote steigt die Zahl der zahlenden Besucher in den Schutzgebieten, zusätzliche Einkommensquellen für die lokale Bevölkerung werden erschlossen.
Innovative Bewirtschaftungsverfahren erhalten und rehabilitieren die natürlichen Ressourcen in den Schutzgebieten und in dem von Desertifikation bedrohten ländlichen Raum. Sie tragen ebenfalls zur Einkommenssteigerung der ländlichen Bevölkerung bei. Funktionsfähige nationale und regionale Koordinierungsmechanismen gewährleisten, dass Finanzierungsquellen erschlossen und für Maßnahmen der Desertifikationsbekämpfung genutzt werden können.
Das Projekt unterstützt die Neuausrichtung institutioneller und gesetzlicher Rahmenbedingungen auf nationaler Ebene. Es fördert die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Fachministerien sowie fächerübergreifende Themen wie Wirkungsmonitoring, Finanzierung nachhaltiger Ressourcennutzung sowie nationale Strategien zu Ökotourismus, Umwelterziehung und partizipativem Ressourcenmanagement. In den Nationalparks Tazekka, Toubkal und Souss-Massa, im Schutzgebiet Tamri und in der von Desertifikation bedrohten Region Agadir unterstützt das Projekt die regionalen Forstbehörden, örtliche Vereinigungen der Zivilgesellschaft, wissenschaftliche Institutionen und die Privatwirtschaft. Die Akteure planen Maßnahmen in den genannten Bereichen und setzen sie um. Die gewonnenen Erfahrungen werden zur Weiterentwicklung der nationalen Strategien herangezogen. Das Thema „Anpassung an den Klimawandel“ wird abschließend vom Projekt eingebunden.
Wirkung – Was bisher erreicht wurde
Voraussichtlich werden noch 2010 zwei fortschrittliche Gesetze zum Schutzgebietsmanagement und zum Handel mit bedrohten Arten in Kraft treten, an deren Ausarbeitung das Projekt maßgeblich mitgewirkt hat.
Bisher konnten 70 lokale Maßnahmen zur Desertifikationsbekämpfung durchgeführt und hierfür Fremdfinanzierungen in Höhe von 70 Prozent des Gesamtbudgets mobilisiert werden. Der Ansatz, Landnutzungskonzepte partizipativ zu planen, wird inzwischen in anderen Regionen Marokkos nachgefragt und ist Grundlage für kommunale Finanzierungsprogramme und das Engagement anderer Geber. Die Erfahrungen wurden in einer praxisorientierten Handreichung für die lokale Bevölkerung aufbereitet.
Aufgrund intensiver Beratung des Hochkommissariats fließen die benachbarten Themen Klimawandel, Erhalt von Biodiversität und nachhaltige Landwirtschaft verstärkt in die Aktualisierung des nationalen Aktionsplans zur Desertifikationsbekämpfung ein. So werden Grundlagen für eine bessere Koordination der verschiedenen Umweltbelange geschaffen.
Die Inwertsetzung von Produkten aus Landwirtschaft und Fischerei, wie Aroma- und Medizinalpflanzen, Muscheln, Honig und Arganöl, erzielte den gewünschten Effekt. 650 Personen stellten sich auf nachhaltige Bewirtschaftung der Naturressourcen um und erzielten eine Einkommensverbesserung. Damit hat sich ihre Anzahl seit Projektbeginn verdoppelt.
Das vom Projekt erarbeitete Handbuch zur Umwelterziehung schafft erstmals einen einheitlichen Orientierungsrahmen für Nationalparkverwaltungen. Durch verschiedene Umwelterziehungsmaßnahmen konnte die Besucherzahl in den betreuten Parks um ein Fünftel erhöht werden. Viele Schulkinder wurden für den Umweltschutz sensibilisiert.
Das Ökotourismusangebot „Safari durch den Nationalpark Souss-Massa“ wurde optimiert und sichert dem Nationalpark zukünftig verbesserte Einnahmen.
Die Fördermaßnahmen zum Schutz bedrohter Tierarten führten zu einer positiven Populationsentwicklung der drei Schlüsselarten Waldrapp, Mähnenschaf und Berberhirsch in den Nationalparks.
Neu gegründete Koordinierungsgremien auf nationaler und regionaler Ebene entwickeln Konzepte und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Positive Wirkungen sind auf allen Ebenen sichtbar. Durch Schulungen muss nun die Fortführung der angestoßenen Prozesse gesichert werden.
Weiterführende Informationen
-
Haut Commissariat aux Eaux et Forêts et à la Lutte Contre la Désertification – Royaume du Maroc
www.eauxetforets.gov.ma -
ZDF-Mediathek: Arganbäume - Schutzwall vor der Wüste
Eine Reportage des ZDF
www.zdf.de/...