HIV-/AIDS-Beratung und Institutionenförderung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: HIV-/AIDS-Beratung und Institutionenförderung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ukraine
Politischer Träger: Gesundheitsministerium der Ukraine
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2015

Ausgangssituation

Das Ausmaß der HIV/AIDS-Epidemie ist eine ernsthafte Herausforderung für die ukrainische Regierung. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist rund ein Prozent der sexuell aktiven ukrainischen Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert, eine zehnmal höhere Prävalenz als in Deutschland. Die Zahl der Infizierten nimmt jährlich weiter zu. Betroffen sind vor allem junge Menschen, die sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr oder gemeinsame Nutzung von Spritzen beim Drogenkonsum infizieren. Potenziell ist aber jeder Mensch gefährdet. Nationale Organisationen und Regionalverwaltungen benötigen dringend Unterstützung, um die Epidemie effizient bekämpfen und systematisch Maßnahmen durchführen zu können. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die GIZ mit der Präventionskampagne „Gib AIDS keine Chance“ die Verbesserung der HIV-Prävention.

Ziel

Durch die Kampagne „Gib AIDS keine Chance“ ist das Wissen über HIV/AIDS vertieft und die Einstellung gegenüber HIV/AIDS-Betroffenen verbessert. Dies gilt für die Allgemeinbevölkerung, insbesondere Jugendliche sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Häfen und Dienstleistungsbetrieben.

Vorgehensweise

Das Projekt erreicht die Menschen durch präventive Maßnahmen. Es informiert über Gefahren, um Einstellungen gegenüber HIV und AIDS so zu verändern, dass Risikoverhalten vermieden wird. Dazu gehört auch der Abbau von Stigmatisierung infizierter und erkrankter Menschen.

Das Vorhaben fördert die Zusammenarbeit von regionalen und nationalen Strukturen bei der Bekämpfung der Epidemie. Alle Maßnahmen werden im Rahmen der „Gib AIDS keine Chance“-Kampagne durchgeführt. Testregion ist die Halbinsel Krim.

Über Massenmedien oder fokussierte (persönliche) Prävention werden verschiedene Zielgruppen erreicht:

Allgemeinbevölkerung. Das Projekt setzt nach dem Vorbild der deutschen „Gib Aids keine Chance“-Kampagne öffentlich wirksame Maßnahmen in der Ukraine um. In Medien, Großveranstaltungen und den Botschaften prominenter Künstler und Sportler wird das Thema AIDS enttabuisiert.

Jugendliche. Lehrer und Schüler werden durch modernes Lehrmaterial in der Anwendung innovativer Präventionsmaßnahmen geschult. In Schulen, Sommerlagern oder bei Jugendtreffen werden Jugendliche für das Thema HIV/AIDS sensibilisiert. Sie werden angeregt, sich intensiv und persönlich mit der Thematik auseinanderzusetzen, ihr Verhalten kritisch zu reflektieren, Risiken zu erkennen und sich zu schützen. Im Projekt wurden Lehrpläne für berufliche und weiterführende Schulen mit Themen wie gesunde Lebensweise und HIV-Prävention entwickelt. Ausbilder und Lehrer werden fortgebildet, um die Lehrpläne effektiv anzuwenden.
Durch „Fair Play“ – Jugendentwicklung durch Fußball“, eine Komponente des Projekts, wird Jugendlichen in Verbindung mit Fußball gesunder Lebensstil und sozial verantwortliches Handeln vermittelt. Sie lernen dabei auch, wie sie sich und andere vor HIV schützen können.

Beschäftigte. Das Vorhaben berät Führungskräfte und Angestellte in Betrieben, die von der Epidemie besonders betroffen sind. So sind Hafenarbeiter oder Bahnangestellte wegen ihrer Arbeitsmobilität überdurchschnittlich stark gefährdet. Programme zur HIV/AIDS-Bekämpfung am Arbeitsplatz werden gemeinsam mit dem Ministerium für Soziales und Arbeit, mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften entwickelt. Die Programme informieren über arbeitsbedingte Fragen und eine gesunde Lebensweise rund um das Thema HIV und AIDS.

Change Agents. Das Projekt beteiligt sogenannte Change Agents. Das sind Personen oder Personengruppen, die maßgeblichen Einfluss auf die Meinung und Einstellung der Allgemeinbevölkerung oder einer bestimmten Zielgruppe haben und zu einem positiven Einstellungswandel gegenüber infizierten Menschen beitragen können. Zu ihnen gehören Ärzte und medizinisches Personal, Prominente, Journalisten sowie Gruppen, die die Interessen von Homosexuellen vertreten, und viele andere.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

In zahlreichen Medien und bei Großveranstaltungen wurden im Rahmen der „Gib Aids keine Chance“-Kampagne Millionen Ukrainer erreicht. Prominente wie der Kapitän der ukrainischen Fußballnationalmannschaft Anatolij Tymoschtschuk, Sänger oder bekannte TV-Moderatoren engagieren sich und traten bei öffentlichen Veranstaltungen als Anti-AIDS-Botschafter auf. Zunehmend wird ein Klima öffentlicher Akzeptanz geschaffen für das in der ukrainischen Gesellschaft noch stark tabuisierte Thema.

Neue Lehrmaterialien für Jugendliche wurden in den Schulunterricht integriert. Insbesondere das „Fair Play“-Manual wurde sehr gut angenommen und soll in der Ausbildung angehender Sportlehrer eingesetzt werden.

Betriebe haben Strategien zum Umgang mit der Epidemie entwickelt, über 100.000 Arbeiter profitieren von der Maßnahme. In Zusammenarbeit mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wurde eine AIDS-Policy für ukrainische Betriebe entwickelt und in Seminaren bekannt gemacht. Für die Hochrisikogruppen sind Initiativen Betroffener ins Leben gerufen worden. Ein Austausch mit der Deutschen AIDS-Hilfe sichert die Qualität der entwickelten Präventionsmaßnahmen.

Viele vom Projekt entwickelte Maßnahmen sind heute Teil der Präventionspläne staatlicher Behörden in Bezirken (Oblast) wie national.

Weiterführende Informationen


Ansprechpartner


Martin Kade
E-Mail: martin.kade@giz.de