Nachhaltige Auenwaldregenerierung und -entwicklung in der Autonomen Region Gorno-Badakhshan (GBAO)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nachhaltige Auenwaldregenerierung und -entwicklung in GBAO
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative IKI)
Land: Tadschikistan
Politischer Träger: Distriktforstbehörde Gorno-Badakhshan
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2011

Ausgangssituation

Tadschikistan ist ein Hochgebirgsland. Nur sieben Prozent (1.000.000 Hektar) der Landfläche sind land- oder forstwirtschaftlich nutzbar. Von ihnen sind etwa 400.000 Hektar als Wald ausgewiesen und werden von der staatlichen Forstbehörde verwaltet. Zu den vielfältigen Waldressourcen Tadschikistans, einschließlich seltener und vom Aussterben bedrohter Arten, gehören in der Autonomen Region Gorno-Badakhshan (GBAO) größtenteils Auwälder. Sie liegen entlang der Gebirgsflüsse, bestehen hauptsächlich aus Weiden, Pappeln, Sanddorn und Birken und umfassen rund 85.000 Hektar.

Nach der Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan wurde die externe Versorgung des Landes mit Steinkohle eingestellt. Der Bürgerkrieg von 1992 bis 1997 mit seinen Folgen – unter anderem der Zerstörung der Infrastruktur und dem verstärktem Zustrom von Flüchtlingen in die Provinz – erhöhte den Druck auf die natürlichen Ressourcen weiter. Zusammen mit einem unangepassten oder nicht mehr funktionierenden Managementsystem der staatlichen Forstbehörde führte dies zu einer desaströsen Degradierung fast der gesamten Waldflächen in der Region und zu negativen Folgen für das Mikroklima mit Schlammlawinen, Winderosion, Sandstürmen und Ufererosion.

Ziel

Staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure in der Autonomen Region Gorno-Badakhshan (GBAO) werden in die Lage versetzt, die Auwälder der Hochgebirgsregion zu rehabilitieren, zu entwickeln und sie, entsprechend den sozioökonomischen Rahmenbedingungen unter Einbeziehung der lokalen Bevölkerung, nachhaltig zu nutzen. Der in GBAO eingeführte Ansatz, Waldflächen durch nachhaltige Nutzung zu rehabilitieren, soll als Beispiel für andere Provinzen Tadschikistans dienen.

Vorgehensweise

Das Vorhaben finanziert sich aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Auftraggeber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Gemeinsame Waldbewirtschaftung (Joint Forestry Management). Der Ansatz der gemeinsamen Waldbewirtschaftung ist ein innovatives, an die gegenwärtigen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen angepasstes, dezentrales Managementinstrument für die großflächige Rehabilitierung und Entwicklung der staatlichen Wälder in Tadschikistan. Lokale Waldnutzer erhalten mit langfristigen Pachtverträgen legale Nutzungsrechte an Waldflächen und übernehmen im Gegenzug Schutz- und Entwicklungspflichten. Den Gewinn aus der Nutzung des Waldes teilen sich die staatliche Forstbehörde und die lokalen Pächter, wodurch beide ein Interesse an einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes haben.

Mittels dieses Ansatzes sollen 4.000 Hektar stark degradierter Auwälder in GBAO regeneriert werden. Das Projekt vermittelt den Abschluss von Pachtverträgen zwischen der staatlichen Forstbehörde und lokalen Waldnutzern und unterstützt das Waldmanagement durch vertraglich festgelegte investive Maßnahmen zur Rehabilitierung von Bewässerungssystemen und Schutzzäunungen, sowie zur Bereitstellung von Pflanzgut. Das Potenzial des Ansatzes konnte im Laufe einer vierjährigen Pilotphase auf einer 100 Hektar großen Pilotfläche bereits wirkungsvoll gezeigt werden; aus teilweise illegalen Waldnutzern wurden legale Waldpächter mit klar festgelegten langfristigen Nutzungsrechten.

Nationaler Waldkodex und Nationales Waldentwicklungsprogramm. Die Reform des nationalen Waldkodexes und der entsprechenden Durchführungsbestimmungen wird durch das Projekt begleitet und teilweise mitgestaltet. Aufbauend auf den bisherigen Projekterfahrungen in GBAO, geschieht dies in erster Linie durch runde Tische auf nationaler Ebene, sowie durch Informations- und Diskussionsworkshops für Vertreter der Forstbehörden aus allen Provinzen.

Unterstützung der Forstverwaltung. Die Forstverwaltung der Autonomen Region Gorno-Badakhshan (GBAO) wird beim notwendigen Umbau zu einer sich wirtschaftlich selbst tragenden Beratungs- und Kontrollinstitution für Waldentwicklung und -nutzung unterstützt. Gefördert wird die Entwicklung der Leistungsfähigkeit der Institution sowie der Kompetenzen und des Know-how aller Mitarbeiter auf Provinz- und Kreisebene (Capacity Development). Die Reform der Forstverwaltung in GBAO soll als Vorbild für andere Provinzforstverwaltungen in Tadschikistan dienen.

Nachhaltiges, partizipatives Waldmanagement in der zentralasiatischen Region. Trotz unterschiedlicher Entwicklungen haben alle in der Initiative zentralasiatischer Staaten für Landmanagement (Central Asian Countries Initiative for Land Management – CACILM) organisierten Länder ähnliche Probleme mit dem sowjetisch geprägten Waldmanagementsystem. Über das CACILM-Netzwerk sollen Impulse für die Waldregenerierung in den zentralasiatischen Ländern gegeben und erfolgreiche Beispiele und Erfahrungen in einer Region auch andernorts nutzbar gemacht werden.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

2009 wurden 1.400 Hektar Land an 392 Pächter n den Kreisen Roshtkala und Ishkashim verpachtet. Entsprechende Management- und Jahresarbeitspläne wurden erarbeitet und stellen die Basis für die Rehabilitierung und zukünftige nachhaltige Nutzung der Forstressourcen dar.

Im Frühjahr 2010 wird ein Fotomonitoringsystem zur Beobachtung der Veränderungen und zur Anpassung der Projektaktivitäten eingeführt.

2009 wurden rund 11 Kilometer Bewässerungskanäle rehabilitiert und den Pächtern und Dorfgemeinschaften zur Nutzung und Wartung übergeben. Pächter wurden bei der Zäunung ihrer Pachtflächen unterstützt.

Die Erstellung eines GIS und von Feldkarten erleichtert den lokalen Förstern und Pächtern ein nachhaltiges Management.

Ein Businessplan für die Integration der gemeinsamen Waldbewirtschaftung in die Forstverwaltung wurde erstellt. Erste Schritte zur Implementierung wurden unternommen.

Ein Entwurf für das novellierte tadschikische Forstgesetz liegt den Fachministerien zur Abstimmung vor.


Ansprechpartner


Herr André Fabian
E-Mail: andre.fabian@giz.de