Ländliche Wirtschaftsentwicklung und Biodiversität
Programmkurzbeschreibung
Bezeichnung: Ländliche Wirtschaftsentwicklung und Biodiversität
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Côte d’Ivoire
Politischer Träger: Landwirtschaftsministerium
Gesamtlaufzeit: 2007 bis 2013
Ausgangssituation
Die seit 2002 andauernde soziopolitische Krise in der Côte d’Ivoire hat erhebliche Auswirkungen auf die nationale und lokale Wirtschaft. Die Teilung des Landes, die Behinderung der Versorgungs- und Vermarktungswege sowie im Norden die Einstellung von staatlichen und internationalen Entwicklungsaktivitäten haben zu einer beträchtlichen Störung der landwirtschaftlichen Produktion geführt. Im Süden des Landes hat die Krise ebenfalls wirtschaftliche Beeinträchtigungen verursacht. Lokale Wirtschaftskreisläufe stagnieren und das Potenzial bleibt weit gehend ungenutzt. Die Folgen sind geringe landwirtschaftliche Produktivität die, zusammen mit dem Mangel an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten, zunehmend zur Verarmung der Bevölkerung führen.
Während die Nahrungsmittelproduktion in vielen Gebieten auf Subsistenzniveau zurückgefallen ist, haben die Wertschöpfungsketten mehrjähriger Produkte wie Kakao, Palmöl, Hevea (Kautschuk) und Cashew die Krise relativ gut überstanden. Sie sind jedoch ebenfalls von Störungen bei der Betriebsmittelversorgung für die Intensivierung und Erweiterung der Produktion betroffen. Ein relativ starker agro-industrieller Privatsektor hat großes Interesse, den Nachschub an Rohstoffen außerhalb der industriellen Plantagen zu sichern, und von Seiten der Pflanzer besteht ebenfalls ein starkes Interesse an der Sicherung langfristiger Einkommen.
Die Biodiversität hat unter der Krise stark gelitten und die meisten Schutzgebiete und Staatswälder in der Côte d’Ivoire sind durch illegale Nutzung stark degradiert. Seit Mitte der 90er Jahre ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit beim Schutz des Taï-Nationalparks aktiv, der weiterhin einer langfristigen Finanzierung der Managementaufgaben bedarf.
Alle drei Bereiche wurden in der Vergangenheit durch separate Projekte gefördert. Seit Mitte 2010 sind sie zu einem Programm unter dem Titel „Ländliche Wirtschaftsentwicklung und Biodiversität“ zusammengeführt.
Ziel
Die ländliche Bevölkerung nutzt das wirtschaftliche Potential der lokalen Ressourcen unter weitgehender Bewahrung der Biodiversität.
Vorgehensweise
Das Programm baut auf Erfolgen vorhergehender Projekte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit im Landwirtschafts- und Naturschutzsektor auf. Es ist sowohl im Nordwesten wie auch im Südwesten des Landes tätig und hat in seiner ersten Phase gezeigt, dass auch während einer Krise Entwicklungsmaßnahmen möglich sind, wenn das Umfeld angemessen berücksichtigt wird. Einerseits müssen vorhandene Potenziale genutzt werden, um schnell einkommensrelevante Ergebnisse zu erzielen. Für einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung müssen andererseits strukturbildende Wirkungen erreicht werden. An den Naturschutz sind in Krisenzeiten besondere Anforderungen gestellt, da bei zunehmender Schwäche staatlicher Strukturen die Tendenz zur illegalen Nutzung der Ressourcen durch die Bevölkerung ebenfalls zunimmt.
Als Reaktion auf die Ausgangssituation und auf der Grundlage der Erfahrungen der ersten Phase ist das Programm in zwei Komponenten aufgeteilt:
- Ländliche Wirtschaftsentwicklung: Förderung von einkommensschaffenden Kleinvorhaben („Mikroprojekte“) durch Inwertsetzung lokaler Ressourcen und Förderung der landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten für die Produkte Kakao, Kautschuk und Palmöl, in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft
- Erhalt des Taï-Nationalparks
Wirkung – Was bisher erreicht wurde
- Komponente ländliche Wirtschaftsentwicklung
Mikroprojekte: Das Programm hat Ende bis Ende 2010 über 600 einkommensschaffende Kleinvorhaben finanziert. Dabei geht es insbesondere um Landwirtschaft, aber auch das überregional bekannte Kunsthandwerk im Norden des Landes konnte durch die Projektaktivitäten die Tätigkeit wieder aufnehmen. Ob es um Zwiebelproduktion im Norden geht, um Reisproduktion, Kleintierhaltung (Geflügel- und Eierproduktion, Schweinezucht, Fischteiche) oder Kunsthandwerk, das Prinzip ist bei allen Projekten dasselbe: Das Vorhaben subventioniert den ersten Produktionszyklus mit Betriebsmitteln (Saatgut, Dünger, Kleinmaterial etc.), begleitet die Produzentengruppen durch technische Beratung und bei der Kapitalbildung. Der zweite Produktionszyklus muss bereits vollständig von den Gruppen selbst finanziert werden, das Programm führt lediglich die technische und wirtschaftliche Beratung fort. Dabei werden ausschließlich Gruppen gefördert, mit Schwerpunkt auf Frauen und Jugendlichen (in der Côte d’Ivoire bis 35 Jahre), die der armen Bevölkerung ohne Zugangsmöglichkeiten zu Krediten zuzurechnen sind und auch bei ihrer Organisationsentwicklung unterstützt werden. Mit diesem erfolgreichen Ansatz konnte das Vorhaben lokale Wirtschaftskreisläufe wieder in Gang setzen. - Förderung von Wertschöpfungsketten: Hier handelt es sich um die landwirtschaftlichen Exportprodukte Hevea (Kautschuk) und Palmöl im regenreichen Süden des Landes. Bei beiden Produkten besteht ein starkes Interesse seitens des Privatsektors, langfristig die Rohstoffversorgung zu sichern, da die eigenen industriellen Plantagen dafür nicht mehr ausreichen. Gleichzeitig besteht eine große Nachfrage der ländlichen Familien nach diesen Produkten, mit denen auf Betriebsebene langfristig die besten wirtschaftlichen Ergebnisse erzielt werden. Hevea hat noch den besonderen Vorteil, dass die Pflanzungen jeden Monat Einkommen bringen und der Bauer nicht ein ganzes Jahr auf den Verkaufserlös warten muss. Das Vorhaben stellt dabei die Verbindung zwischen den Privatunternehmen und den Bauernorganisationen her. Technisch geht es dabei um die Produktion von hochwertigem Pflanzgut, das für den langfristigen Ertrag entscheidend ist. Das Vorhaben hat dafür 90 kommerzielle Baumschulen mit hohem Qualitätsstandard eingerichtet, die von lokalen Kleinunternehmern geführt werden. Hevea muss dabei veredelt werden und so entstand im Rahmen des Vorhabens auch ein neuer Berufszweig der „Veredlerinnen“ die dafür eine spezielle technische Ausbildung erhalten. Schließlich bildet diese Komponente auch Jungbauern in Pflanztechniken aus, damit diese ihre Dienste dann den Bauern als Endabnehmer der Pflanzen anbieten können. Diese Programmkomponente ist im Südwesten und Südosten des Landes tätig und wird durch die Europäische Union finanziert.
- Komponente Biodiversität: Seit Mitte der 1990er Jahre führt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in einem Gemeinschaftsvorhaben von GIZ (damals noch als GTZ) und KfW das Vorhaben „Erhalt des Taï-Nationalparks“ durch. Dieser Park im Südwesten des Landes gehört mit über 5.000 Quadratkilometern zu den größten Nationalparks in Westafrika und gilt als das intakteste zusammenhängende tropische, immergrüne Naturwaldgebiet in der Region. Viele seltene und teilweise endemische Tier- und Pflanzenarten, wie Schimpansen, Zwergflusspferde und Waldbüffel, oder das fleischfressende Hakenblatt, gibt es nur noch im Taï-Park. Er hat den Status eines Weltnaturerbes und eines „Biosphärenreservats“, in dem die Naturschutzinteressen mit den Entwicklungsinteressen der Anrainerbevölkerung vereinbart werden müssen. Ziel dieser Komponente ist daher, dass die Anrainerbevölkerung, nationale Strukturen und die internationale Gemeinschaft gemeinsam den Erhalt des Taï-Parks sichern.
Im Südwesten der Côte d’Ivoire, unweit der liberianischen Grenze gelegen, sind die natürlichen Ressourcen des Parks einem vielfältigen Druck durch die Anrainerbevölkerung, ausgesetzt. Wilderei von Primaten, Affenarten, Kleinantilopen stellt die Parkverwaltung vor ein größeres Überwachungsproblem, in geringerem Maße auch die Goldsuche und die Entnahme von spezifischen Holzarten. Rodungen im Park durch Kaffee- und Kakaopflanzer haben dagegen seit 2000 nicht mehr stattgefunden.
Das Projekt arbeitet gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank eng mit der ivorischen Parkbehörde zusammen (OIPR: Office Ivoirien des Parcs et Réserves). Es unterstützt sie bei der Wahrnehmung ihrer Kernaufgaben: Organisation der Überwachung, Unterhalt der Infrastruktur, Förderung des Ökotourismus, ökonomische Entwicklung der Anrainerzone und Biomonitoring, um Daten zum Zustand des Ökosystems zu erheben. Diese letztere Aufgabe wird maßgeblich von der Wild Chimpanzee Foundation unterstützt (WCF), die in dem Park seit 30 Jahren Forschungsaktivitäten durchführt und ein wichtiger Partner ist. Die Bevölkerung wird, wo immer möglich, an den Maßnahmen beteiligt. Eine formelle Zusammenarbeit findet mit den dörflichen Vereinen für Entwicklung und Parkschutz statt, die sich in den Anrainerdörfern auf Initiative des Vorhabens gebildet haben.
Der Druck auf die Parkressourcen konnte durch die Projektmaßnahmen erheblich verringert werden. Die Existenz des Parks und seine Schutzwürdigkeit werden von der lokalen Bevölkerung inzwischen anerkannt und begrüßt. Die Auswertung von Satellitenbildern zeigt, dass die Vegetation seit 2000 intakt geblieben ist und die Bevölkerung lediglich an der Ostgrenze einzelne Waldflächen gerodet hat.
Verschärft durch die Krise, bleibt die Wilderei weiterhin ein Problem. Dem soll mit verstärkten Kontrollen sowie einkommensschaffenden Maßnahmen, vor allem für Jugendliche, begegnet werden. Diese werden im Rahmen der Komponente 1 (ländliche Wirtschaftsentwicklung) mit inzwischen ca. 80 Kleinvorhaben in der Anrainerzone durchgeführt.
Durch den Fortbestand der Krise ist vorerst nicht mit der Nutzung des touristischen Potenzials zu rechnen, sodass das Parkmanagement noch langfristig auf externe Subventionen angewiesen sein wird. Das Projekt hat die Parkverwaltung dabei unterstützt, einen Management- und Geschäftsplan zu erstellen, dessen nachhaltige Finanzierung die wesentliche Anforderung in den kommenden Jahren sein wird. Ein erster Schritt hierzu war die Unterstützung der Stiftung für die ivorischen Nationalparks (FPRCI), die im Rahmen der Entschuldungsmaßnahmen mit der Côte d’Ivoire aus KfW-Mitteln eine erste Kapitalausstattung erhalten soll.
Foto: Frauen bei der Zwiebelernte. © GIZ
Downloads
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Plan d'amenagement et de gestion du Parc National de Taï
Flächennutzungs- und Betriebsplan 2006 – 2015
fr-ci-Plan-amenagement-gestion-PN-Tai-2006-2015.pdf, 3.05 MB (französisch) -
Plan d’Affaires 2008 - 2012 du Parc National de Taï
fr-ci-plan-affaires-PN-Tai-2008-2012.pdf, 3.34 MB (französisch)
Weiterführende Informationen
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Parc National de Taï
www.parc-national-de-tai.ci