Landwirtschaftliche Entwicklung
Programmkurzbeschreibung
Bezeichnung: Landwirtschaftliche Entwicklung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Burkina Faso
Politischer Träger: Ministère de l’Agriculture, de l’Hydraulique et des Ressources Halieutiques
Gesamtlaufzeit: 2004 bis 2016
Ausgangssituation
Die Landwirtschaft und ihre nachgelagerten Wirtschaftszweige haben das größte Entwicklungspotenzial für die Wirtschaft Burkina Fasos. Ihr Wachstum kommt der armen Bevölkerung zugute, die zu achtzig Prozent von der Landwirtschaft lebt. Das Land hat kaum Alternativen zu diesem Zweig der Volkswirtschaft, da es weder nennenswerte Rohstoffe, außer Gold, noch bedeutende Industrien gibt. Auch ein Dienstleistungssektor kann kurzfristig nicht aufgebaut werden. Baumwolle ist momentan die einzige bedeutende Cash Crop (Feldfrucht für Verkauf und Export), die ein Einkommen über die Selbstversorgung hinaus ermöglicht. Der Baumwollsektor hat sich seit 1994 bedeutend entwickelt, ist jedoch seit der Anbausaison 2004/2005 in einer nie da gewesenen finanziellen Krise. Seit 2007 verfolgt die burkinische Regierung deshalb eine Politik der Diversifizierung der landwirtschaftlichen Produktion und der Stärkung des Verarbeitungssektors von landwirtschaftlichen Produkten.
Ein Bevölkerungswachstum von über drei Prozent – gekoppelt mit extrem extensiver Nutzung der natürlichen Ressourcen für die Landwirtschaft (Subsistenzlandwirtschaft) und sich verändernden klimatischen Bedingungen – gefährdet die Ernährungsbasis der burkinischen Bevölkerung. Um diese mittelfristig zu sichern, müssen alle Potenziale genutzt werden, um die Landwirtschaft zu intensivieren; vor allem da kaum weitere landwirtschaftlich nutzbare Flächen zur Verfügung stehen. Damit die Kleinbauern eine solche Intensivierung finanzieren können, muss die Marktintegration der Produzentinnen und Produzenten sowie der Klein- und Mittelunternehmen im marktorientierten Nachernte- und Verarbeitungssektor gestärkt werden.
Ziel
Die ländliche Bevölkerung in Burkina Faso verfügt über höhere Einkommen, ihre Ernährungsbasis ist nachhaltig gesichert.
Vorgehensweise
Das Programm arbeitet nach dem Wertschöpfungskettenansatz. Er basiert auf der Annahme, dass durch die Analyse der Engpässe und deren Behebung, auf allen Stufen der Produktionskette und des Werdeganges eines landwirtschaftlichen Produktes, eine Erhöhung der Wertschöpfung insgesamt erzielt werden kann – und damit die Voraussetzungen für eine Einkommenserhöhung für die Akteure aller Stufen einer Wertschöpfungskette geschaffen werden.
So werden beispielsweise Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe bei der Verbesserung ihrer Betriebsabläufe, bei der Verbesserung der Qualität bis zur Einrichtung von internationalen Qualitätsstandards sowie bei Vermarktungsstrategien beraten, um dadurch die Absatzchancen für Primärprodukte zu sichern und zu erhöhen. Private Unternehmen werden in die Entwicklungsmaßnahmen einbezogen, sodass kleine landwirtschaftliche Betriebe Zugang zu neuen Märkten erhalten. So entstehen Arbeitsplätze, wird Know-how geschaffen und Einkommen für die Menschen der Region erwirtschaftet.
Im Auftrag des Vorhabens berät die GFA Consulting Group ausgewählte ländliche Kommunen dabei, in bestimmten Wassereinzugsgebieten die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und wasserkonservierende Maßnahmen durchzuführen. Kontursteinwälle werden errichtet und gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung bepflanzt. Darüber hinaus werden die betroffenen Produzentinnen und Produzenten über angepasste Anbautechniken informiert und im unternehmerischen Denken für die Professionalisierung ihrer Betriebe beraten, eine Voraussetzung für den Zugang zu neuen Märkten.
Beraten werden landwirtschaftliche Produzentinnen und Produzenten in den beiden Regionen Osten und Südwesten und der Provinz Sissili sowie Verarbeitungs- und Vermarktungsbetriebe der Wertschöpfungsketten Sesamsaat, Cashewnüsse und Attiéké (Maniok-Couscous, ein Gericht für den nationalen Markt). Um die Rahmenbedingungen für die landwirtschaftliche Produktion, Verarbeitung und Vermarktung effizienter zu gestalten, unterstützt das Programm den Dialog zwischen den Ministerien für Landwirtschaft, Viehwirtschaft, Umwelt und Handel auf zentraler und regionaler Ebene, zwischen Regional- und Gemeindeverwaltungen sowie zwischen Branchen- und Berufsverbänden, privaten Dienstleistungsunternehmen und Export- und Vermarktungsfirmen.
Wirkung – Was bisher erreicht wurde
Die politischen und institutionellen Rahmenbedingungen für die Agrarentwicklung wurden durch zahlreiche Beiträge verbessert.
Rahmen und Zeitplan für die Erarbeitung eines nationalen Sektorprogramms Landwirtschaft sind unter Beteiligung aller Akteure erstellt. Die Finanzierung der Fertigstellung des Sektorprogramms ist durch die Errichtung eines Korbes gesichert. Die Regierung hat mit Beteiligung der Privatakteure Gesetze für die Branchenverbände (Interprofession) erarbeitet. Das Agrarministerium hat einen Aktionsplan zur Förderung von Wertschöpfungsketten verabschiedet und für seine Umsetzung eine Abteilung für ländliche Wirtschaftsentwicklung eingerichtet. Mithilfe der noch informellen Branchenverbände wurden nationale Aktionspläne für die Wertschöpfungsketten Sesamsaat und Maniok/Attiéké erarbeitet. Diese Interessensvertretungen fordern mehr und mehr politisches Mitspracherecht, was bei der Erarbeitung des nationalen Sektorprogramms unentbehrlich ist, aber auch zu investitionsfreundlicheren Rahmenbedingungen führt.
Im Rahmen von PPP-Maßnahmen (Public Private Partnership – Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft) wurde durch den Aufbau von zwei Fabriken die Verarbeitungskapazität für Sesamsaat und Cashewnüsse erheblich gesteigert.
Klein- und Kleinstbetriebe für die Verarbeitung von lokalem Maniok sind entstanden. Die Produktionsziffern für Maniok und Attiéké haben sich im Zeitraum 2007-2009 annähernd verdoppelt. Die Sesamsaatexporte haben sich mehr als verdreifacht (von 16.000 Tonnen auf 49.000 Tonnen), der Cashewexport lag 2009 bei 9.000 Tonnen, davon 1.600 Tonnen weiße geschälte Cashewkerne, eine Verdoppelung gegenüber 2008. Die Anzahl der Verarbeitungsbetriebe stieg von 3 (2008) auf 13 (2009), 2 davon sind für die Verarbeitung von Bio-Cashewnüssen zertifiziert, darunter ein Betrieb in der Projektregion. Die Menge des lokal produzierten Attiéké lag 2009 bei 4.000 Tonnen, was einer Erhöhung von mehr als 80 Prozent gegenüber 2007 entspricht.
In einem neuen Trainingssystem zur Förderung unternehmerischer Kompetenzen in der Landwirtschaft wurden 27 Trainer ausgebildet und 1.350 Teilnehmer geschult. Weitere 2.000 Anfragen liegen vor.
Für Erosionsschutzmaßnahmen in Wassereinzugsgebieten wurden mehr als 5.000 Personen, die Hälfte von ihnen Frauen, in Techniken des Erosionsschutzes und im Management der Gebiete geschult. Seit 2004 wurde eine Fläche von fast 1.000 Hektar geschützt.
Insgesamt ist bisher einerseits die Ernährungssicherung der Bevölkerung verbessert worden (Reduzierung der nahrungsmittelknappen Periode um 30 Prozent). Andererseits wurden dauerhaft erhöhte Einkommen für 10.000 Landwirte und die Schaffung von über 500 sicheren Arbeitsplätzen für Frauen in den verarbeitenden Betrieben landwirtschaftlicher Produkte erreicht.
Weiterführende Informationen
-
Secrétariat Permanent de Coordination des Politiques Sectorielles Agricoles
www.spcpsa.gov.bf -
Burkina Faso Ministère de l’Agriculture, de l’Hydraulique et des Ressources Halieutiques
http://www.agriculture.gov.bf -
African Cashew Alliance
www.africancashewalliance.com -
Programme de Développement de l'Agriculture
www.pda.bf