Dialog fördern, Vertrauen aufbauen

Aus der Praxis: Um das Bewusstsein über die innerlibanesischen Konflikte zu stärken, entwarf der ZFD mit einer libanesischen Partnerorganisation ein Brettspiel

Beim Spaziergehen an der Uferpromenade von Beirut trifft man sie alle: Christen, Sunniten und Schiiten. Insgesamt gibt es 18 anerkannte Religionsgemeinschaften in dem kleinen Staat am Mittelmeer. Stolz betonen viele Libanesinnen und Libanesen, dass man erfolgreich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Konfessionen zusammenlebe. Doch dieses Zusammenleben entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein Nebeneinanderleben. Wer Stellen und Aufträge zu vergeben hat oder Unterstützung um Wasser und Wohnung sucht, der tut das innerhalb der eigenen Glaubensgemeinschaft. Taxifahrer bedienen Wohngebiete, deren Bewohnerinnen und Bewohner mehrheitlich ihrer Konfession angehören; schon das Durchfahren der anderen Gebiete kostet Überwindung. Die Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit mit mehr als 15 Jahren Bürgerkrieg haben sich wie ein Schleier des gegenseitigen Misstrauens über Beirut, Libanon und seine zahlreichen konfessionellen Gruppierungen gelegt.

Misstrauen, Vorurteile und Ängste werden verstärkt durch zunehmend gewaltsame Ausschreitungen: Dies bildet den Ausgangspunkt für die Arbeit des Zivilen Friedensdienstes in Libanon. Dem entgegenzuwirken, Dialoge und Vertrauen zwischen den fragmentierten Gemeinschaften aufzubauen, wird in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren angestrebt. Verschiedene Ansätze der Dialogarbeit wirken dabei ineinander. Gezielt werden religiöse Würdenträger, Künstler und Künstlerinnen, aber auch politische Nachwuchskräfte einbezogen.

In Zusammenarbeit mit ALEF, der Association Libanaise pour L’Education et la Formation, entwickelte eine ZFD-Fachkraft in Brettspiel mit dem auffordernden Titel „Let’s talk“. Bevor das Spiel in einer Gemeinschaft eingesetzt werden kann, finden intensive Gespräche statt – und eine Konfliktanalyse, die als Grundlage für das Szenario dient. Über die Abstraktion, den Konflikt in einer Art Rollenspiel zu betrachten, wird den Teilnehmenden ein Perspektivwechsel ermöglicht. Dadurch gelingt es, die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation zu vermitteln, ohne die betroffenen Gemeinschaften als Konfliktakteure darzustellen. Wichtig ist vor allem die Besprechung am Ende des Spieldurchlaufs mit einer/m professionellen Moderator/-in mit Kenntnissen der Friedens- und Konfliktarbeit.

Das Spiel wird vor allem bei Jugendlichen und in Gemeinschaften mit Mitgliedern unterschiedlichen Hintergrunds und Alters eingesetzt. ALEF arbeitete dabei mit einer Schule, einer Universität und Gemeinden in der Bekaa-Ebene, an der Grenze zu Syrien, sowie im „Mount Lebanon“ und brachte das Spiel sogar über die Landesgrenzen hinweg nach Malta.

Die angespannte Lage in Libanon wird verschärft durch den syrischen Bürgerkrieg und dessen Auswirkungen insbesondere auf die ohnehin schon belastete Wasser- und Stromversorgung. Nicht nur infrastrukturell muss Libanon einen massiven Zustrom von Flüchtlingen bewältigen. Auch die interkonfessionellen Konflikte werden als Echo der syrischen Kämpfe verstärkt. In dieser Situation ist es umso wichtiger, die bestehenden Fragmentierungen zu adressieren und gewaltfreie Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung zu vermitteln.



Kontakt

Volker Mönikes
volker.moenikes@giz.de