Afghanistan: Lehrerfortbildung heißt Grundlagen vermitteln

Lehrer in der Berufsschule für KFZ-Mechaniker in Kabul, Afghanistan

Eine Entwicklungshelferin unterrichtet Lehrer in Afghanistan

Christiane Althoff bildet in Afghanistan Lehrer fort. „Schnelle Erfolge kann man in einem Land wie Afghanistan nicht erzielen, gerade in einem Sektor wie der Bildung nicht. Was 30 Jahre Krieg ausgelöst haben, kann ich nicht in einem Jahr ausgleichen“, meint die Oberstudienrätin. Langsam und mühsam gehe die Arbeit voran, die Probleme seien komplex. „Aber sie geht voran, das macht Mut.“

Seit Oktober 2009 ist die gebürtige Osterwickerin als Entwicklungshelferin der GIZ in der Lehrerfortbildung in Afghanistan tätig. Auf ihrem Stundenplan stehen Methodenlehre, Mathematik und Englisch. Die rund 1000 Lehrerinnen und Lehrer, für die sie zuständig ist, wirken an den 16 Schulen, die am Grundbildungs-Programm der deutschen Entwicklungszusammenarbeit „Basic Education for Afghanistan“ in Mazar-e Sharif teilnehmen. Durch das Programm wird der Bau von Schulen unterstützt und die materielle Ausstattung verbessert. Gleichzeitig wird das Lehrpersonal gefördert. Träger des Programms sind in Kooperation mit dem afghanischen Bildungsministerium die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Entwicklungsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

„Das Niveau des Unterrichts ist erschreckend niedrig“, hat Christiane Althoff schon in den ersten Monaten festgestellt. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Einer ist der fehlende Zugang zu Wissen. „Die Lehrer haben nur das Schulbuch ihrer Klasse, keine zusätzlichen eigenen Bücher. Auch öffentliche Büchereien, in denen man Dinge nachschlagen kann, gibt es nicht“, so Althoff. Internetanschlüsse sind kaum verbreitet, eine unzureichende Stromversorgung erschwert die Nutzung elektronischer Medien.

„Hier hat sich Unterricht in den über 30 Kriegsjahren überhaupt nicht entwickelt“, erklärt sie den Umstand, dass fast ausschließlich Frontalunterricht praktiziert wird. „Die Lehrerinnen und Lehrer von heute können nur das kopieren, was sie selbst in ihrem Unterricht erlebt haben. Einfluss von außen, Fachliteratur oder Unterrichtsforschung hat es hier einfach nicht gegeben.“

In ihren Seminaren gibt sie neue Impulse für einen besseren und effektiveren Unterricht. „Es geht um ganz grundsätzliche Dinge“, sagt die 35-Jährige. „Wie baue ich eine Unterrichtsstunde auf? Welche Sozialformen gibt es eigentlich? Wie kann ich Kinder zum Denken anstatt zum Auswendiglernen anregen?“

Die Fortbildungen werden von den Lehrern gerne und engagiert besucht, doch Erfolge stellen sich nur sehr langsam ein. „Man braucht viel Geduld, ein Unterrichtssystem ändert man nicht in wenigen Wochen. Aber ich versuche dann immer an ein Sprichwort der Afghanen zu denken: „,Auch das Meer besteht nur aus Tropfen'."

Obwohl sich Christiane Althoff privat inzwischen gut eingewöhnt hat, bleiben ungewohnte Einschränkungen. Denn trotz einer recht stabilen Sicherheitslage in Mazar-e Sharif ist ein gewisser Schutz für die internationalen Entwicklungshelfer vorgeschrieben. Die größte Entbehrung ist für sie die eingeschränkte Bewegungsfreiheit in einem Land, in dem sich die Frauen meist nur unter der Burka auf der Straße zeigen dürfen. „Ich kann nicht einfach mal die Laufschuhe anziehen und joggen oder ein Fahrrad nehmen, um einkaufen zu fahren. Was freie Bewegung wert ist, weiß ich erst jetzt, wo ich sie nicht habe." Ein Spaziergang im Wald und ein Bummel in einer Fußgängerzone ist immer das Erste, was sie in ihrem Urlaub unternimmt.

Christiane Althoff ist dennoch überzeugt, dass die vielen Erfahrungen, die sie in dem Land am Hindukusch sammelt, ihr gesamtes Leben bereichern werden: „Ich bin mir gar nicht so sicher, wer hier mehr lernt: die afghanischen Lehrerinnen und Lehrer oder ich." Vielleicht kann sie ja doch den einen oder anderen Tropfen zur Entwicklung des Landes beitragen…

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