Neue Auslandshandelskammer auf den Philippinen

Erfolgreiche „Pionierarbeit“ durch das CIM-AHK-Programm

Nadine Fund, Integrierte Fachkraft an der Deutsch-Philippinischen Industrie- und Handelskammer (bis Februar 2015), Foto: GIZ Copyright GIZ

Ein Experte für Entwicklungszusammenarbeit an einer Auslandshandelskammer? Was auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint, hat sich seit Jahren bewährt – zum Beispiel auf den Philippinen: Über vier Jahre baute Nadine Fund dort als Integrierte Fachkraft die Deutsch-Philippinische Kammer für Handel und Industrie auf – zuletzt als Geschäftsführerin. Dank ihres Einsatzes wurde die Kammer nun offiziell als deutsche Auslandshandelskammer (AHK) anerkannt.

Frau Fund, was ändert sich durch die Aufnahme in das offizielle Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern?
Mit der Anerkennung erhält die Kammer das offizielle Mandat, die wirtschaftlichen Interessen beider Länder und ihrer Unternehmen zu vertreten. Sie wird Teil des weltweiten AHK-Netzwerks des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) und damit ein Teil der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Der DIHK koordiniert die über 130 Büros in 90 Ländern und bestimmt auch deren Geschäftsführer. Künftig kann die AHK dann zum Beispiel auch deutsche Bundesländer, Messen und Exportmarketingagenturen vertreten und die Bedürfnisse der Wirtschaft vor Ort nach Deutschland zurückspiegeln.

Welche Herausforderungen mussten Sie dabei meistern?
Meine Vorgängerin und ich haben zum großen Teil Pionierarbeit geleistet. Als ich 2011 in Manila ankam, hatte die damals erst drei Jahre bestehende GPCCI (German-Philippine Chamber of Commerce and Industry Inc.) drei Mitarbeiter und noch keine Kapazitäten, um beispielsweise deutsche Unternehmen beim Markteinstieg zu beraten. Wir mussten uns etablieren, also eine kritische Masse an Mitgliedern sammeln und dafür sorgen, dass die Kammer gegenüber Politik und Wirtschaft sichtbar wird. Es war auch herausfordernd, die philippinische Stimme in die Arbeit einzubringen. Durch unser Engagement und mit viel Überzeugungskraft haben wir es geschafft, gemeinsam zu reifen und nach außen aufzutreten. Die Anerkennung der Kammer ist im wahrsten Sinne des Wortes auch eine Anerkennung für die Arbeit unseres gesamten Teams.

Was bewirkt die Zusammenarbeit von GIZ und DIHK?
Wirtschaftsentwicklung ist ohne Privatwirtschaft nicht möglich. Die AHKs sind die zentrale Schnittstelle, an der die Interessen deutscher und lokaler Unternehmen zusammenkommen. Durch die gute Zusammenarbeit mit dem GIZ-Büro vor Ort konnten wir viele Dinge gemeinsam umsetzen und Synergien nutzen – so haben wir beispielsweise mit der „German Solar Training Week“ dazu beigetragen, dass „Renewables made in Germany“ hier sehr gefragt sind. Gleichzeitig haben wir die Philippinen als ökonomisch aufstrebendes Land und ihre Privatwirtschaft für die deutsche Wirtschaft sichtbarer gemacht: als Geschäftspartner, als Importeure und als Händler. Wir denken die Kooperation immer in beide Richtungen – genau dies ist ja auch im Sinne einer bilateralen Kammer.

Sie wurden im Rahmen des CIM-AHK-Programmes vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) nach Manila vermittelt. Sind derzeit noch andere Fachkräfte mit einer ähnlichen Mission im Einsatz?
Nach Erfolgen in Ghana, Algerien und Aserbaidschan ist „unsere“ Kammer die vierte, die mit der Unterstützung des CIM-AHK-Programms offiziell anerkannt wurde. Auch in Bangladesch, Laos, Mosambik und der Mongolei bauen derzeit Fachkräfte bestehende Kammer- und Verbandsstrukturen aus. Die CIM-AHK-Kollegen, die an offiziellen AHKs im Einsatz sind, arbeiten zu anderen Themen wie Beruflicher Bildung oder Erneuerbaren Energien. Dabei tauschen wir uns regelmäßig miteinander aus: im CIM-Netzwerk, mit der GIZ vor Ort, aber auch darüber hinaus. Ich selbst habe beispielsweise sehr von den Erfahrungen der Auslandshandelskammern in Vietnam und Singapur profitiert.

Ihr Einsatz endete Anfang des Jahres. Wie geht es vor Ort weiter?
Die philippinische Wirtschaft wächst sehr schnell und beim Deutschlandbesuch des Staatspräsidenten Aquino im September 2014 haben beide Länder ihr Interesse an einer verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit betont. Ich hoffe, dass die AHK dabei eine zentrale Rolle einnimmt und mit dem AHK-Netzwerk, sowie der GIZ und weiteren Partnern Lösungen für aktuelle Herausforderungen einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung erarbeitet.

Was nehmen Sie persönlich aus der Arbeit mit?
Mir bereitet es Freude, mit den Filipinos zusammenzuarbeiten. Hier geht es bei der Arbeit oft fröhlich und entspannter zu, ohne dabei die Ergebnisse aus den Augen zu verlieren. Spannenderweise ergänzen sich die unterschiedlichen kulturellen Herangehensweisen sehr gut: die Deutschen mit ihrer Durchdachtheit und Struktur; die Filipinos mit ihrer Gelassenheit und Freude am Ausprobieren. Wenn man sieht, wie beides zusammenkommt und die Arbeit dann solche Früchte trägt, ist das sehr erfüllend.

Das CIM-AHK-Programm

Im Rahmen des CIM-AHK-Programmes vermittelt das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) seit 2009 Fachkräfte mit entwicklungspolitischem Know-how an Wirtschaftsverbände, Wirtschaftsdelegationen und deutsche Auslandshandelskammern (AHK) in Schwellen- und Entwicklungsländern. Ein Schwerpunkt des Programms ist der Aufbau von bilateralen Kammerstrukturen. Aktuell arbeiten vier der weltweit 25 Fachkräfte in diesem Bereich.

Kontakt

Elke Peiler
elke.peiler@giz.de