Steuerproblem Sambias in nur drei Tagen gelöst?

Das Ziel des lab of tomorrow fest im Blick hatte Berlin Msiska, Leiter der sambischen Finanzbehörde: Eine bessere Besteuerung kleiner und mittlerer Unternehmen in seiner Heimat. Copyright GIZ/Paul Hahn

Erwachsene spielen mit Bauklötzen, basteln Telefone aus Notizblöcken, spielen Szenen einer Busfahrt nach – und finden damit beim ersten lab of tomorrow fünf Lösungen für Sambias Steuerproblem.

In fünf Kleingruppen erarbeiteten die teilnehmenden Mittelständler und Großunternehmer ihre Protoypen. Copyright GIZ/Paul Hahn
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„Das hier ist ein Experiment“, betont Thomas Rolf. „Wir wollen das Problem eines Partnerlandes der Bundesregierung zusammen mit Unternehmen lösen – durch neue Geschäftsideen. Vielleicht müssen wir dazu in den kommenden Tagen gedankliche Mauern einreißen.“ Der Veranstaltungsort für dieses Experiment ist mehr als passend: An der East Side Gallery in Berlin, dem längsten noch erhaltenen Teil der Berliner Mauer, eröffnet der stellvertretende Leiter des Sektorvorhabens „Zusammenarbeit mit der Wirtschaft/Unternehmerische Verantwortung für Entwicklung“ Anfang Dezember das erste lab of tomorrow. Für die Kreativität der rund 30 Teilnehmer, darunter vor allem Mittelständler aber auch Großunternehmen wie SAP, ist in den nächsten drei Tagen gesorgt: in Kisten verteilt liegen Stifte und zahlreiche Bastelutensilien.

Beraten wurden sie dabei von den sambischen Experten: Was ist in Sambia davon machbar – und was muss nochmal angepasst werden? Copyright GIZ/Paul Hahn
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Das lab of tomorrow ist ein neuer Ansatz der GIZ, um Unternehmen für entwicklungspolitische Probleme zu mobilisieren. „Shared Value“ ist der Gedanke, der dahinter steht, und meint alle Ansätze, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens erhöhen und zugleich die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen der Gemeinschaft verbessern, in der es tätig ist. Das lab ist eine der innovativen Kooperationen mit der Wirtschaft, zu denen das Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch die „Strategische Partnerschaft digitales Afrika“ aufgerufen hatte. Die größte Stärke des labs ist die Methodik. Die „Design-Thinking-Methode“, die auch von Unternehmen wie Google, Apple, oder IBM zur Entwicklung neuer, innovativer Produkte genutzt wird.

Auch der sambische Botschafter in Deutschland, Bwalya S.K. Chiti und BMZ-Referentin Gunda Amat Amoros ließen es sich nicht nehmen, sich die Lösungen des lab of tomorrow am letzten Tag präsentieren zu lassen. Copyright GIZ/Paul Hahn
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Fehler willkommen

Die Herausforderung des ersten labs in Berlin lautet: Wie schafft man es, die Besteuerung kleiner und mittlerer Unternehmen in Sambia zu verbessern? Beim Design-Thinking ist die entwickelte Lösung komplett auf den Nutzer ausgerichtet. Und da neben deutschen Unternehmern verschiedener Branchen und GIZ-Mitarbeitern auch fünf hochrangige Steuerexperten aus Sambia zu den Teilnehmenden gehören, entstehen die Lösungen in ständigem Abgleich mit den Gegebenheiten von vor Ort. Die Erwartungen der sambischen Experten sind hoch. Berlin Msiska, Leiter der sambischen Steuerbehörde, formuliert zu Beginn: „Was hier herauskommt, muss ein Ansatz sein, den wir in unserem Land testen können.“ Er und seine Kollegen schauen den fünf Teams nach jedem Entwicklungsschritt kritisch über die Schultern und hinterfragen deren Prototypen: Kann man die Motivation zum Steuerzahlen durch Anreize wie Bonusprogramme erhöhen? Sind die Grundlagen im Land gegeben, um über den Kauf einer SIM-Karte die Steuerzahler zu registrieren? Die anfänglichen Denkfehler bringen alle voran: Immer wieder wird verworfen, überarbeitet und geschärft – bis am Ende fünf vielversprechende Konzepte auf dem Tisch lagen.

In historischer Atmosphäre, an der East Side Gallery in Berlin, fand der dreitätige Workshop statt. Copyright GIZ/Paul Hahn
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Experiment gelungen!

Begeisterung löst die Reaktion Msiskas nach der Schlusspräsentation aus: „Großartige Ideen! Die Ergebnisse des Workshops sind beeindruckend. Wir werden die Prototypen in Sambia testen – und ich ahne schon jetzt, dass wir unser Problem der Besteuerung kleiner und mittlerer Unternehmen dadurch in den Griff bekommen können.”

Auch durch Bauklötze entstanden kreative Lösungen beim lab of tomorrow. Copyright GIZ/Paul Hahn
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Und wie geht es nun weiter? Acht Unternehmen sagen sofort zu, die Tests ab Februar in Sambia weiter mit zu begleiten. Sie werden sich am Ende in einem Konsortium zusammenschließen. Auch die Möglichkeit, die nun entstehenden Projekte über einen Multi Donor Trust Fund zu finanzieren, steht. Das heißt, dass für die Unternehmen hieraus ein wirkliches Geschäft wird. „Das Experiment ist gelungen,” sagt Thomas Rolf nach dem ersten Workshop, „und wir freuen uns, dass das lab of tomorrow die Kraft hat, Unternehmer zu gewinnen und zugleich wirkungsvolle Lösungen für unsere Partnerländer zu schaffen.“

Eindrücke des 1. lab of tomorrow im Film


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