Mehr Lebensmittel – weniger Verschwendung

Teilnehmerinnen diskutieren im 2. lab of tomorrow

Im zweiten lab of tomorrow suchten die Teilnehmer wieder mit ungewöhnlichen Methoden Lösungen für eine „Challenge“ eines Schwellen- oder Entwicklungslandes – diesmal für die Lebensmittelverschwendung in Kenia.

Besprechung im Team

Samstagabend in der Obst- und Gemüseabteilung im Supermarkt. Die schön geformten Mangos, Avocados und Gurken sind vergriffen. Nur zu kleine Äpfel, gedellte Tomaten oder Bananen mit braunen Flecken können noch erworben werden oder bleiben eben zurück. Mangelware, die zwar für uns minimal aussieht, aber in vielen Ländern ein großes Ausmaß annimmt. So auch in Kenia. Dort werden die Lebensmittel oft bereits vor dem Export als „Fehlerware“ zurück an den Landwirt geschickt – oder landen gleich im Müll. Laut einer Feldstudie der Umweltorganisation „Feedback Global“ von 2015 sind in Kenia davon die Hälfte der produzierten Obst- und Gemüsesorten betroffen. Fatal dabei ist, dass die Landwirte oder Zwischenhändler auf der überschüssigen Ware sitzen bleiben, was einige von ihnen in den Ruin treibt.

„Was uns fehlt, sind zum einen die Technik, aber auch Investoren und vor allem das Know-how, um das überschüssige Obst und Gemüse aufzubereiten“, berichtet die kenianische Inhaberin des landwirtschaftlichen Erzeuger- und Exportunternehmens Miyonga Fresh Greens Yvonne Otieno. Aus diesem Grund ist sie zusammen mit sechs weiteren Unternehmern aus Kenia zum zweiten lab of tomorrow, das die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung durchführt, nach Berlin gereist. Während beim ersten lab Lösungen für das sambische Steuerproblem gesucht wurden, ging es dieses Mal – in enger Kooperation mit der AHK Kenia – um die Lebensmittelverschwendung des ostafrikanischen Landes.

Blick durch die Glastür auf die Spree

Problem verstehen und digitale Lösungen entwickeln

Mit ungewöhnlichen Methoden suchen die Teilnehmer des lab of tomorrow nach Lösungen für eine „Challenge“ eines Schwellen- oder Entwicklungslandes. Zu Beginn der drei Workshoptage vom 8.-10. März sind einige Unternehmer noch skeptisch und ungeduldig. Am liebsten würde jeder gleich zu Beginn seine Lösungsansätze präsentieren. Doch bei der Design-Thinking-Methode, die beim lab of tomorrow verwendet wird, geht es darum, zuerst das Problem aus Sicht der Betroffenen zu verstehen und innovative Perspektiven aufzuzeigen, bevor Lösungen definiert werden. Dann gilt es, Ideen zu entwickeln, den Umständen vor Ort anzupassen, sie gegebenenfalls wieder zu hinterfragen und in Rücksprache mit den kenianischen Experten zu optimieren.

Gruppenpräsentation erster Lösungsansätze

Zwei Geschäftsideen für Kenias „Lebensmittel-Challenge“

„Ganz realistisch betrachtet kann nicht komplett verhindert werden, dass Lebensmittelabfälle entstehen. Aber es können praktische Lösungsansätze entwickelt werden, die den Rückgang signifikanter Prozentsätze ermöglichen“, sagt Experte Norbert Reichl von der Food-Processing Initiative nach dem ersten Workshoptag. Er scheint die Teilnehmer damit ermutigen zu wollen, an den beiden folgenden Tagen weiterzudenken.

Mit Erfolg. Nach dreitägiger Arbeit stehen zwei Geschäftsideen. Aus ihnen sollen nun Projekte werden. Eine Idee dreht sich um die Verarbeitung der Lebensmittel, die zweite vor allem um die Vermittlung des nötigen Know-hows: In verschiedenen Regionen Kenias sollen Informationszentren, sogenannte HUBs entstehen. Die Landwirte sollen sich dort durch spezielle Bildungsmaßnahmen, Trainings und bereitgestellte Computer weiterbilden können. Hier stehen ihnen wichtige Informationen rund um die Ernte, den Anbau, die Verarbeitung und den Verkauf zur Verfügung.

Drei Tage lab of tomorrow gehen zu Ende. Sofern die teilnehmenden Unternehmen sich dazu entscheiden, die Idee weiter zu verfolgen, treffen sie im April erneut zusammen, um die nächsten Schritte einzuleiten.

Abschlusspräsentation von Yvonne Otieno und Adriana Balazy

Christoffer Brick, Mitorganisator der GIZ ist begeistert: „Die Idee des labs funktioniert weiterhin; das bestätigt uns das zweite lab. Die Unternehmer haben trotz erster Skepsis tolle Ideen entwickelt. Am Ende müssen wir uns natürlich an den entstehenden Projekten messen lassen, aber an sich ist das Konzept ansprechend“. Auch die Teilnehmer sind zufrieden: „Ich bin beeindruckt, wie gut das lab of tomorrow organisiert ist und verschiedene Experten zusammenbringt, um an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten. Es ist toll zu sehen, dass wir uns alle für das Verschwendungsproblem verantwortlich fühlen und gleich energisch Lösungen erarbeitet haben“, sagt Vita Jarolimkova, Gründerin des Start-ups FoodPowder (FoPo).

Die Workshop-Reihe geht weiter. Bereits vom 17 - 19. Mai 2016 kommen in Darmstadt Unternehmer zusammen, um über die Möglichkeiten des einfacheren Zugangs zu Medikamenten auch in ländlichen Gebieten Kenias zu tüfteln.

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