Maßgeschneiderte Geschäftsideen: 4. lab of tomorrow rund um „Nachhaltige Textilproduktion in Kambodscha“

Über die Herstellungsbedingungen von Textilien in Ländern wie Indien, Bangladesch und Kambodscha wird weltweit viel diskutiert. Doch anstatt nur darüber zu reden, machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des vierten „lab of tomorrow“ auf die Suche nach ganz konkreten Lösungen – als Startpunkt für Projekte, die bald daraus entstehen sollen.

Beim
Beim "lab of tomorrow" entstehen neue Ideen indem ganz unterschiedliche Experten zusammengebracht werden.

Schon zum vierten Mal findet das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) beauftragte und von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführte „lab of tomorrow“ statt. 33 ganz verschiedene Teilnehmer aus Kambodscha und Europa waren in Berlin dabei: Vom leitenden Beamten des kambodschanischen Arbeitsministeriums, über NGO- und IT-Vertreter, bis hin zur Betriebsleiterin einer kambodschanischen Textilproduktionsfirma mit rund 1.500 Angestellten.

Sie trafen vom 4. bis 6. Oktober in Berlin zusammen, um interdisziplinär Geschäftsmodelle als nachhaltige Lösungen für bessere Arbeitsinspektionen in Kambodscha zu entwickeln. Jede Challenge entsteht aus einem GIZ-Projekt und soll mit Hilfe europäischer Unternehmen gelöst werden.

Gemeinsam dem Problem an den Kragen gehen

Niedrige Löhne, schlechte Arbeitsbedingungen und keine soziale Absicherung sind nur einige der vielen Probleme der Branche. Die kambodschanische Regierung ist daher daran interessiert, durch Inspektionen die Einhaltung festgelegter Arbeitsbedingungen strenger zu kontrollieren, jedoch erschweren Korruption und Ressourcenengpässe die Arbeit der Firmenprüfer.

In fünf Teams erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mithilfe der Design-Thinking-Methode, vielen bunten Post-it’s und Lego-Steinen intensiv Ideen. Der erste Schritt der drei Tage war, zu definieren, für welche Zielgruppe sie eine Lösung entwickeln wollten. Sobald diese erste Hürde genommen war, ging alles ganz schnell: „Die Tage waren sehr unterschiedlich. Der erste Tag war eher ein generelles Fakten und Status-Quo-Austauschen und etwas deprimierend, angesichts der vielen Probleme rund um das Thema. Am nächsten Tag aber änderte sich das schnell und wir fanden über technische Ideen eine wirklich großartige und praktikable Lösung. Zum Schluss wurde alles immer konkreter und ich bin total begeistert und überzeugt von unserer Idee“, berichtete Enrico Rima von Lebenskleidung, einer Textilagentur für Bio-Stoffe.

In fünf Teams entwarfen und diskutierten die Teilnehmer gemeinsam ihre Ideen.
In fünf Teams entwarfen und diskutierten die Teilnehmer gemeinsam ihre Ideen.

Mit der Lösung auf Tuchfühlung gehen

Eine der entwickelten Geschäftsideen sieht eine App vor, durch die Arbeitnehmervertreter und Fabrikleiter unabhängig voneinander ihren Arbeitsort bewerten und Missstände benennen können. Diese Bewertungen werden dann elektronisch an einen Arbeitsinspektor des Ministeriums übermittelt. Auf diese Weise können sie sich über Differenzen aktueller und vergangener Bewertungen informieren und auch Kunden können diese einsehen. In einem Punkt waren sich die fünf Arbeitsgruppen alle einig: Es muss mehr Transparenz geschaffen werden. Daher überlegte sich ein anderes Team, mittels einer öffentlichen Datenbank Kennzahlen der Fabriken, wie Beginn und Ende des Stromverbrauchs, aktuelle Ratings und Reports allgemein zugänglich und leicht einsehbar zu machen.

Seng Sakda, Staatssekretär des kambodschanischen Arbeitsministeriums
Seng Sakda, Staatssekretär des kambodschanischen Arbeitsministeriums

Seng Sakda, Staatssekretär des kambodschanischen Arbeitsministerium zeigte sich von allen fünf Ideen sehr begeistert: „Die Dinge werden sich ändern. Es war toll zu sehen, wie verschiedene Stakeholder an der Lösung der Probleme interessiert sind und gemeinsam an den Ideen gearbeitet haben. Ich werde mich persönlich für die Umsetzung aller hier neu entwickelten Ideen in Zukunft einsetzen und die Teams bei Bedarf weiter unterstützen.“

Vom 29. November bis zum 1. Dezember treffen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Phnom Penh erneut zusammen. Vor Ort wird es darum gehen, ihre Ideen gemeinsam weiter zu entwickeln und zu testen. Gute Nachricht zum Schluss: Weitere große Textilmarken haben bereits ihr Interesse an den Ideen bekundet und wollen beim Workshop in Kambodscha mit dabei sein.