3. lab of tomorrow „Zugang zu Medikamenten und Diagnostik in ländichen Regionen Kenias“: Realitätscheck vor Ort

Das 3. lab of tomorrow befasste sich mit intelligenten Logistiklösungen für die Gesundheitsversorgung in Kenia.

Welche unternehmerischen Lösungen braucht Kenias Gesundheitsversorgung wirklich? Vom 1. bis 3. November trafen sich Teilnehmer des dritten „lab of tomorrow“ in Nairobi wieder und stellten ihre Geschäftsideen unter realen Bedingungen auf die Probe.


Beim Iteration-Lab werden ausgewählte Geschäftsideen nochmals auf die tatsächliche Nachfrage im Land hin überprüft.
Beim Iteration-Lab werden ausgewählte Geschäftsideen nochmals auf die tatsächliche Nachfrage im Land hin überprüft. Fotos: GIZ/Tristan Vostry

Am Dienstagmorgen ist der Stau in Kenias Hauptstadt noch zäher als sonst. Leicht verspätet treffen die Teilnehmer des Iteration Workshops in der Nairobi Garage ein – einem hippen Coworking-Space im Stadtteil Westlands, in dem ein Bürogebäude neben dem anderen steht. Zachariah Eric Oloo, Geschäftsführer eines kenianischen Finanzierungsunternehmens im Gesundheitssektor und Dr. Ann-Katrin Gonschior von Boehringer Ingelheim begrüßen sich herzlich. Seit des dreitägigen lab of tomorrow-Workshops in Darmstadt letztes Frühjahr, haben die beiden virtuell weiter zusammengearbeitet. Nun stecken die Arbeitsgruppen Food4Health, Dronex, Med on Demand, Healthy Appy, DAWA IT und Value Chain 4.0 endlich wieder die Köpfe zusammen. Diesmal nicht tausende Kilometer von dem eigentlichen Problem entfernt, sondern direkt an dessen Wurzel: Der verlässliche Transport von Medikamenten, Impfstoffen und Blutkonserven in abgelegene Gesundheitseinrichtungen ist in Kenia nicht gegeben. Häufig kommt es zu Fehlmengen bei Apotheken und Krankenhäusern. Darunter leiden insbesondere Kinder und Schwangere. Intelligente Logistiklösungen werden dringend benötigt. 


In moderierten Arbeitsgruppen wird die Design Thinking-Methode weiter angewendet.
In moderierten Arbeitsgruppen wird die Design Thinking-Methode weiter angewendet.

Drohnen, Apps und Bonuspunkte

Von fliegenden Drohnen-Apotheken für Notfalllieferungen über elektronische Marktplätze bis hin zu Bonuspunkt-Programmen zur Finanzierung von Gesundheitsleistungen haben sich die lab-Teilnehmer innovative Geschäftsmodelle einfallen lassen, die zur Lösung des Problems beitragen sollen. Mit dabei sind die Pharmaunternehmen Merck und Boehringer Ingelheim, Deloitte Deutschland, die südafrikanische Broadreach Healthcare Corporation, das deutsche Startup Wingcopter und die kenianischen Unternehmen Chamganka Health Innovations sowie MicroClinic Technologies.

Unterstützt durch das neue Format „lab of tomorrow“ haben sie die Ideen während und nach einem Kick-off-Workshop in Deutschland gemeinschaftlich weiterentwickelt und immer wieder auf deren Anwendbarkeit und auf die Bedürfnisse der Nutzer hin überprüft. Ob die Projektideen auch die Nutzer vor Ort, potentielle Partner aus dem öffentlichen und privaten Sektor und mögliche Investoren in Kenia überzeugen, soll bei den so genannten „iterations“ erprobt werden. Auf dem Programm stehen die Überarbeitung ihrer Geschäftsideen, Diskussionen zu ihren Ideen mit Vertretern des öffentlichen und Privatsektors, Geschäftsanbahnungsgespräche, Werksbesuche sowie Konsumenten-Tests anhand erster Prototypen.


Gesundheitsministerin Dr. Elizabeth Ogaja vom Verwaltungsbezirk Kisumi interessiert sich für mobile technologische Lösungen. Lab-Teilnehmer Stephen Mwandawiro stellt ihr die App ISikCure vor.
Gesundheitsministerin Dr. Elizabeth Ogaja vom Verwaltungsbezirk Kisumi interessiert sich für mobile technologische Lösungen. Lab-Teilnehmer Stephen Mwandawiro stellt ihr die App ISikCure vor.

Neue Kontakte, wertvolles Feedback

Die drei Tage sind intensiv: Immer wieder stellen die Unternehmerinnen und Unternehmer ihre unterschiedlichen Geschäftsideen vor. Mit Erfolg: „Wir hatten Gespräche mit lokalen Nahrungsmittelherstellern und haben ihnen unsere Bonuspunkte-Idee vermittelt. Sie waren sehr an einer Zusammenarbeit interessiert!“, berichtet Gonschior von Boeringer Ingelheim. Tom Plümmer, Mitbegründer des Startups Wingcopter, konnte mit Ministerien und interessierten Pharmaunternehmen über das Drohnen-Projekt sprechen: „Die Rückmeldungen aus Kenia bestätigen, dass die Nachfrage nach optimierten Drohnen in Afrika groß ist. Ich bin mir sicher, dass Dronex mit der Unterstützung des labs ein erfolgreiches Projekt wird!“, so Plümmer. Für den kenianischen Geschäftsführer und Arzt Moka Lantum war die Teilnahme am lab entscheidend: „Im Austausch mit großen und kleinen Unternehmen und Entwicklungsorganisationen kommt eine viel umfassendere Lösung heraus, als wenn meine Firma MCT die App ISikCure ganz allein entwickelt hätte.“ Schritt für Schritt nähern sich die Teilnehmer dem Endprodukt und dessen Markt an.


Zachariah Eric Oloo und Ann-Katrin Gonschior arbeiten an einem Geschäftsmodell zusammen, bei dem über Bonuspunkte auf Lebensmittel Gesundheitsleistungen finanziert werden können.
Zachariah Eric Oloo und Ann-Katrin Gonschior arbeiten an einem Geschäftsmodell zusammen, bei dem über Bonuspunkte auf Lebensmittel Gesundheitsleistungen finanziert werden können.

Mehr als nur ein Workshop

Bei den weiteren Schritten rund um Finanzierung oder Risikominimierung für den Aufbau der Projekte wurden die Teams von der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) begleitet und unterstützt. „Das lab of tomorrow ist mehr als ein in Deutschland stattfindender Design-Thinking Workshop“, erklärt Christoffer Brick von der GIZ. „Es ist ein umfassender Prozess zur Geschäftsmodellinnovation auf der Grundlage der SDGs: von der Problemanalyse über die Ideenfindung bis hin zum Test der Ideen im Entwicklungs- oder Schwellenland. Mit diesem erfolgreichen, ersten Iterationsworkshop eines lab of tomorrow im Partnerland Kenia haben wir den ersten Zyklus eines lab of tomorrow-Prozesses geschlossen. Die Erfahrungen dieses Prozesses werden wir nutzen, das Format kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

Fortsetzung folgt...

  • ITEM ImageGallery 2888
    Die Gruppe Food4Health stellt in Kenia ein Bonuspunkte-Programm vor. Beim Kauf von Lebensmitteln könnten Kenianer künftig Wert-Punkte für Gesundheitsleistungen sammeln.
  • ITEM ImageGallery 2886
    Mit welchen Schwierigkeiten haben Apotheken in Kenia zu kämpfen und welche Lösungen könnten helfen? Teilnehmer führten Interviews mit Pharmazeuten.
  • ITEM ImageGallery 2887
    Ideen visualisieren und auf die Nutzersicht hin überprüfen – im Workshop kommen die Teilnehmer noch mal viele kleine Schritte voran.