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Deutsch-thailändisches Weiterbildungsprogramm: Neues Know-how für erneuerbare Energien

Es ist eine ungewöhnliche Form der Weiterbildung für acht Ingenieur*innen eines thailändischen Energieversorgers: Sie verbringen ein halbes Jahr in Deutschland und in deutschen Unternehmen, um sich zum Aufbau erneuerbarer Energien und intelligenter Stromnetze fit zu machen. Projektleiter Pedro Pacheco von der Akademie für Internationale Zusammenarbeit der GIZ erklärt die Hintergründe des außergewöhnlichen Programms.

Herr Pacheco, wenn sich thailändische Stromversorger weiterbilden wollen kommen sie üblicherweise nicht darauf dies in Deutschland zu tun – und dies gleich über ein halbes Jahr. Wie kam es dazu?

Das war natürlich kein Zufall. Der Stromversorger Provicial Electricity Authority, kurz PEA, arbeitet schon seit längerem mit der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) zusammen, die auch einen Standort in Bangkok hat. Die persönlichen Kontakte und die guten Erfahrungen bei vorherigen Trainings haben letztlich dazu geführt, dass PEA die Akademie beauftragt hat, das Qualifizierungsprogramm für acht Ingenieur*innen in Deutschland durchzuführen. Und natürlich, dass wir es sehr genau auf die Bedürfnisse der PEA zugeschnitten haben.

Pedro Pacheco Sanchez

Wie ist das Besondere an dem Weiterbildungsprogramm?

Es ist die Mischung des Gesamtpakets: Zum einen erhalten die Teilnehmer*innen umfassendes Grundlagen-Know-how aus den Bereichen Management, Führung und interkulturelles Projektmanagement von der AIZ. Fachwissen wurde dann bei der TÜV-Akademie Berlin vermittelt zu Themen wie Energieversorgung, Energieeffizienz im Gebäude- und Industriesektor, intelligente Stromnetze und deren Vernetzung. Und dann ging es in die Praxis: Vier Monate haben die Ingenieur*innen Betriebspraktika in deutschen Unternehmen absolviert, um so mit Energieexperten zusammenzuarbeiten, sich auszutauschen, Netzwerke zu bilden, ihr Fachwissen in die deutsche Praxis einzubringen und den deutschen Energiemarkt näher kennen zu lernen. 

Eine halbjährige Fortbildung ist eine große Investition. Wie stellen Sie sicher, dass sich das aus Sicht des thailändischen Auftraggebers lohnt?

Das Programm ist so aufgebaut, dass das Gelernte nicht nur in den acht Köpfen der Teilnehmer*innen steckt. Sie nehmen auch mit, wie sie das erlangte Know-how in ihr Unternehmen in Thailand tragen können, um es dort vielen zur Verfügung zu stellen und auch in anderen Zusammenhängen anwenden zu können, um es so zu multiplizieren und Veränderungen anzustoßen. Und sie bringen noch mehr mit als neues Wissen: Teil ihres Aufenthalts hier war auch der Austausch mit weiteren Energie-Expert*innen. Auf diese Vernetzung können sie auch nach ihrer Rückkehr zurückgreifen. In den deutschen Betrieben haben die Teilnehmer*innen außerdem konkrete Projektideen entwickelt und vorbereitet, die sie nach ihrer Rückkehr in Thailand umsetzen möchten. In einem Fall ist das zum Beispiel die Planung und Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des thailändischen Unternehmens.

Und was haben die beteiligten deutschen Unternehmen von dem Programm?

Zum einen ist Lernen nie eine Einbahnstraße. Auch wenn es vor allem die thailändischen Ingenieur*innen sind, die Neues erfahren und erleben, so profitieren auch die deutschen Unternehmen von der viermonatigen Zusammenarbeit. Ideen und Erfahrungen aus Thailand sind auch für sie interessant. Außerdem haben sich Möglichkeiten für künftige Zusammenarbeit zwischen ihnen und dem thailändischen Energieversoger PEA angebahnt.

Weitere Informationen sowie ein Video mit Programm-Teilnehmer Chakrit Chaiyawuttaparuk erhalten Sie hier