Vorgestellt

In unserer Reihe "Vorgestellt", die auch in unserem Magazin akzente erscheint, stellen wir Ihnen Berufsbilder von unseren Mitarbeitern vor.

David Nguyen-Thanh, Finanzexperte

„Öffentliche Finanzen von Entwicklungs- und Schwellenländern – das hört sich erstmal nicht so spannend an“, sagt David Nguyen-Thanh. „Doch wenn man sich bewusst macht, dass ohne Steuereinnahmen kein Staat zu machen ist und dass das „Wie“ der Besteuerung seit der Antike eine zentrale Frage des gesellschaftlichen Diskurses ist, versteht man vielleicht, warum mein Team und ich das Thema gerade in der Entwicklungszusammenarbeit so faszinierend finden.“ Nguyen-Thanh und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirken als interne Berater maßgeblich an der Konzeption, Neuausrichtung und Wirkungsmessung von Projekten mit, die sich mit Steuer- und Haushaltsreform, Finanzkontrolle, Verwaltungsreform, Antikorruptionsmaßnahmen und guter Regierungsführung im Rohstoffsektor befassen. Sie verfolgen die internationale Diskussion und tragen zum Wissensmanagement und zur Entwicklung von Ideen bei. Volkswirt und Finanzwissenschaftler Nguyen-Thanh studierte in München und den USA und promovierte in Heidelberg zu einem steuerpolitischen Thema. Von 2007 bis 2010 war er für die GIZ in Ghana und beriet die ghanaische Regierung bei der großen Steuerverwaltungsreform und zu finanzpolitischen Fragen. 

Johanna Knoess, Politikberaterin

„Soziale Sicherungssysteme müssen vor allem arme Bevölkerungsgruppen vor Krankheit, Erwerbslosigkeit und Altersrisiken schützen“, sagt Johanna Knoess. Seit April 2013 leitet die Politologin bei der GIZ ein weltweit operierendes Beratungsprogramm und entwickelt im Auftrag des BMZ mit Kollegen innovative Ansätze für langfristig tragfähige und breitenwirksame Systeme der sozialen Sicherung. Johanna Knoess ist eine echte Kosmopolitin: Mit äthiopischen Wurzeln in Deutschland aufgewachsen, war sie für die GIZ in Indonesien, als Beraterin der dortigen Regierung bei der Umsetzung von Sozialreformen. „Wir mussten zwischen fünf Ministerien vermitteln und die Arbeit auch mit anderen internationalen Gebern abstimmen.“ Dabei lernte sie ihren Lebenspartner kennen. „Er ist Amerikaner und arbeitet für die Weltbank. Jetzt leben wir in Deutschland, können uns aber weitere Auslandsstationen gut vorstellen“, sagt Johanna Knoess, die gerade ihr zweites Kind erwartet. Neben ihrer langjährigen Tätigkeit für die GIZ hat sie Erfahrungen bei Organisationen wie der Weltbank, der Internationalen Arbeitsorganisation und dem Verband Südostasiatischer Nationen, ASEAN, gesammelt. 

Yann Le Beux berät Existenzgründer

„Mein Arbeitgeber ist eines der führenden Gründerzentren für das IT-Gewerbe in Afrika“, sagt Yann Le Beux. Vor zwei Jahren wurde der 28-jährige Ingenieur vom Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) an die senegalesische Non-Profit-Organisation CTIC vermittelt, ein Zentrum für Informations- und Kommunikationstechnologien. „Senegal, Kenia und Ghana sind die aktivsten Länder Afrikas, was IT-Entwicklungen betrifft“, sagt der Franzose. CTIC wird von öffentlichen Stellen und privaten Unternehmen getragen und begleitet junge IT-Firmen. Bis 2011 hatte Le Beux in Großbritannien und den USA Unternehmensgründungen betreut, Arbeitgeber war jeweils die französische Botschaft. 2012 erzielten elf von CTIC beratene Unternehmen ein Ertragswachstum von 85 Prozent. Die Arbeitstage von Le Beux im Senegal sind vielseitig: Er trifft sich mit Partnern, Kunden und Pressevertretern, organisiert Workshops mit Universitäten oder Veranstaltungen für die IT-Community. Und er stimmt seine Arbeit ab mit einem vom Bundesentwicklungsministerium finanzierten Projekt zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen des Mikrofinanzsektors. „Dakar ist spannend und ein toller Ort zum Leben“, sagt er. „Und Afrika verändert sich unglaublich schnell.“ 

Angela Ostlender, Entwicklungshelferin

„Eine funktionierende Zivilgesellschaft lebt davon, dass die Menschen ihre Mitspracherechte wertschätzen und tatsächlich wahrnehmen“, sagt Angela Ostlender. In Hanoi arbeitet die 48-Jährige seit November 2012 als Entwicklungshelferin der GIZ. Wegen des Wirtschaftsbooms stehe in Vietnam vieles unter einem hohen Veränderungsdruck. „Wir wollen dazu beitragen, dass sich die Bürger einbringen und staatliche Stellen ihre Anliegen ernst nehmen.“ Ostlender und ihr Team beraten einheimische Organisationen, die an der Stärkung der vietnamesischen Zivilgesellschaft mitarbeiten wollen. Förderanträge müssen vorbereitet, Aktivitäten geplant, deren Umsetzung überwacht und der Erfolg kontrolliert werden. Die berufserfahrene Deutsche bringt ihr Wissen gerne ein. Bevor Ostlender zur GIZ kam, arbeitete sie 20 Jahre für eine politische Stiftung in Brüssel. Für den Einsatz als Entwicklungshelfer in in Vietnam ließ sie sich zwei Jahre beurlauben. „Ich habe mich lange danach gesehnt, in einem anderen Land Basisarbeit zu leisten.“ Nun ist sie mittendrin und brummt in Hanoi mit ihrem Motorroller durch den Stadtverkehr. „Erst war das eine Überwindung, inzwischen macht es mir großen Spaß. Die wichtigste Regel lautet: niemals anhalten!“ 

Samson Tolessa, Energiespezialist

Welche Gesundheitsschäden offene Feuer in Küchen hervorrufen, hat Samson Tolessa als Kind im ländlichen Äthiopien selbst erlebt. Dies zu ändern, ist eines seiner größten Anliegen. „Es gibt raucharme Öfen, die auch nur halb so viel Holz verbrauchen“, sagt der Ingenieur, der für die GIZ derzeit im Energieministeriumin Uganda zum Thema Biomasse arbeitet. „Wir bauen Marktstrukturen für Produktion und Vertrieb der Öfen auf und können mit dem Ministerium hoffentlich ein Gesetz entwickeln, das ihren Einsatz beispielsweise in Schulen verpflichtend macht.“ Nach einem Zweitstudium zu erneuerbaren Energien in Oldenburg war Tolessa zwölf Jahre für die GIZ in Äthiopien tätig und schätzt seitdem die Professionalität, das Fachwissen und die Praxisnähe des Unternehmens. Die Internationalität ist dem Leiter eines Fachteams des Energieprogramms, das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beauftragt wurde, wichtig. Die Zusammenarbeit mit deutschen und ugandischen Kollegen und Kolleginnen macht ihm Spaß. Auch seiner Familie gefällt Uganda,wo „alles so grün ist“. Tolessa trägt dazu bei, dass dies so bleibt. 

Claudia Mayer, Umweltexpertin

„Biodiversität ist die Gesamtheit des Lebens auf der Erde. Sie bildet die Grundlage für menschliches Dasein und Wirtschaften“, sagt Claudia Mayer, 42. An ihrem Arbeitsplatz bei der GIZ in Eschborn, aber auch auf dem internationalen Verhandlungsparkett, versucht die Wirtschaftsgeografin Menschen für den kulturellen und ökonomischen Wert biologischer Vielfalt zu sensibilisieren. Die nachhaltige Nutzung von Ressourcen beschäftigte Claudia Mayer bereits während ihrer akademischen Laufbahn. In Costa Rica und Kolumbien, Südafrika und Nicaragua forschte sie zu Sozial- und Ökostandards in der Kaffee- und Bananenproduktion. „Ich bekam Lust an der internationalen Kooperation“, erzählt sie. Nach ihrer Promotion musste Claudia Mayer sich entscheiden: Wissenschaft oder internationale Zusammenarbeit? Sie bewarb sich bei der GIZ. Sieben Jahre lang arbeitete sie in Ecuador und Brasilien für Projekte zum Erhalt und zur nachhaltigen Nutzung des Tropenwaldes Amazoniens. „Durch den Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen – Verhandlungspartnern, Indigenen, Kleinbauern und Kollegen vor Ort – muss man oft die Perspektive wechseln. Die gemeinsam erarbeiteten Lösungsstrategien und meine Erfahrungen kann ich anderswo wieder einbringen.“ Ihre Arbeit empfindet Mayer als sinnstiftend: „Wir unterstützen unsere Partner dabei, ihren Beitrag zum Erhalt der Biodiversität zu leisten.“

Andreas Nieters, Klimaexperte

Klimafreundliche Technologien voranzubringen, sei ein Thema, das viele Fachdisziplinen berühre, sagt Andreas Nieters. Seit Anfang 2012 leitet der diplomierte Stadt- und Freiraumplaner für die GIZ ein neues Projekt in Costa Rica. Hier unterstützt die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit die vorbildliche Klimastrategie des Schwellenlandes, das bis 2021 klimaneutral werden will. „Wir setzen an unterschiedlichen Stellen an“, sagt Nieters,„etwa beim Personen- und Güterverkehr, der sich noch auf fossile Brennstoffe stützt.“ Klimafreundliche Technologien kämen bisher kaum zum Einsatz, dabei habe Costa Rica einen überdurchschnittlich hohen Anteil an grüner Energie. Nieters’ Arbeit ist abwechslungsreich. „Wir beraten das Verkehrsministerium,schulen technisches Personal und unterstützen bei der Einführung internationaler Standards zu Messung und Bilanzierung von schädlichen Klimagasen.“ Seine GIZ-Laufbahn begann er 2000 in Brasilien als Berater für städtisch-industriellen Umweltschutz,erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Der gebürtige Emsländer träumt davon, zukünftig auch in Costa Rica sein Fahrrad mit in den Zug nehmen zu können und so seine persönliche Klimabilanz zu verbessern. Ansonsten fühlt er sich wohl in Zentralamerika. „Costa Rica ist ein lebensfreundlicher Standort für mich und meine Familie!“