Perspektiven schaffen

Neue Unternehmen in Tunesien

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die GIZ in Tunesien Gründer und Jungunternehmer. Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des BMZ zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika, Nahost. So soll für die Menschen in ihrer Heimat eine berufliche Perspektive geschaffen werden. Eine davon ist Aicha Touijer. Sie hat den Schritt in die Selbständigkeit gewagt: die Modedesignerin träumte schon lange von einem eigenen Modeatelier. Ein von der GIZ unterstützter Gründerwettbewerb ermöglichte ihr die Verwirklichung ihres Traumes. Heute hat sie vier Angestellte und plant bereits die Erweiterung ihrer kleinen Firma.

Was hat sich für Sie verändert, seit Sie an dem Wettbewerb der Unternehmensmesse Startup Tunisia teilgenommen haben?

Aicha Touijer: Als ich an dem Wettbewerb in Medenine teilnahm, hatte ich nur eine Projektidee. Der Wettbewerb gab mir die Gelegenheit mein Projekt schrittweise zu planen und auch zu realisieren. Startup Tunisia hat mir den Weg zur Erfüllung eines Traums bereitet.

Wie sind Sie vorgegangen und welche Rolle spielte dabei die Unterstützung der GIZ?

Die Unterstützung der GIZ war sehr wertvoll, da sie mir einen Berater zur Seite stellte, um mit mir die Schritte zur Umsetzung meines Projekts zu planen. Ich brauchte eine Werkstatt, was sehr teuer ist. Also beschloss ich mit meinem Ehemann, einen Teil des Hauses als Nähwerkstatt auszubauen und so Mietkosten zu sparen. Der Berater unterstützte mich dabei, Kontakte zu Lieferanten zu knüpfen, und Kunden zu finden, die traditionelle Kleidung im modernen Stil kaufen wollen. Durch die neue Stickereimaschine, die ich von der GIZ erhalten habe, bin ich unabhängiger und nehme selbst Aufträge anderer Nähereien an, um Stickereien anzubringen. Ich verdiene mehr Geld und fühle mich wohler und selbstbewusster in meinem Beruf.

Wie hat sich ihr Geschäft entwickelt? Haben Sie Angestellte?

Zurzeit beschäftige ich 2 Mitarbeiterinnen in meiner Werkstatt und 3 Mitarbeiterinnen, die von zu Hause aus arbeiten. So konnte ich meine Produktbandbreite erweitern. Ich akquiriere nun selbst neue Kunden und bewerbe meine Kollektion auf meiner Facebook-Seite. Vor dem Erwerb der Maschine erhielt ich 200 Aufträge pro Jahr. Heute hat sich diese Zahl verfünffacht. Als ausgebildete Modedesignerin entwerfe ich selbst Modelle und Schnittmuster. Meine Mitarbeiterinnen in der Werkstatt setzen Sie um und nähen die Modelle mit der Maschine. Die 3 anderen Frauen arbeiten per Hand an Details wie Pailletten für Hochzeitskleider.

Sie machen ihre Arbeit sehr gut und ich bin ihnen sehr dankbar. Daher versuche ich, sie zu ermutigen, sich selbst selbstständig zu machen und ihr eigenes Geschäft aufzubauen. Eine meiner Mitarbeiterinnen hat dies bereits getan.

In meiner Region gibt es Frauen, die gerne arbeiten würden, aber die keine geeignete Ausbildung haben. Ich habe selbst die Initiative ergriffen und eine Gruppe junger Frauen ausgebildet. Diese haben jetzt ihre eigene Werkstatt eröffnet.

Was bedeutet Ihnen Ihr Geschäft?

Das Projekt ist mein Leben. So kann ich meine Träume verwirklichen. Ich bin 41 Jahre alt und fühle mich zuversichtlich und effizient. Ich bin fest überzeugt, dass Erfolg nichts mit der Anzahl an erworbenen Abschlüssen zu tun hat. Eine offene Einstellung, Ehrgeiz und eine Idee sind völlig ausreichend. Wenn dann noch die Hartnäckigkeit dazu kommt, etwas bis zum Ende durchzuziehen zu wollen, dann kann man seine Träume verwirklichen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Als selbstbewusste und erfolgreiche Unternehmerin ziele ich heute auch auf andere Märkte ab. Ich möchte gute Stoffe aus anderen Ländern beziehen, denn guter Stoff macht gute Kleidung. 

Die Fragen stellte Nesrine Mazghouni.

Stand: Juni 2017