Migration gestalten

Tunesien: Ein Neubeginn für Rückkehrer

Walid aus Tunesien ist 37 Jahre alt. Auf der Suche nach einem besseren Einkommen ist er nach Deutschland gegangen, kehrte aber nach etwa 18 Monaten resigniert zurück in die Heimat.

„In Tunis habe ich erst als Busfahrer und dann als Taxifahrer gearbeitet. Wie so viele andere habe ich gehofft, in Europa mehr Geld zu verdienen, und bin deshalb im Juli 2015 mithilfe eines Touristenvisums nach Deutschland gegangen. In Deutschland habe ich dann einen Asylantrag gestellt und meine wahre Identität verschleiert, um bessere Chancen auf einen positiven Bescheid zu haben. Ich hatte große Schwierigkeiten, in Deutschland eine Arbeit zu finden. Einen Platz in einem Deutschkurs habe ich auch nicht bekommen, da damals alle Schulen komplett überfüllt waren. Schließlich konnte ich ein Praktikum in einem Hotel in Hamburg machen und wäre dann auch für ein Jahr übernommen worden. Leider habe ich aber keine Arbeitsgenehmigung bekommen, da mein Deutsch nicht gut genug war.

Meine Situation in Deutschland war instabil und das war sehr belastend für mich. Außerdem musste ich meine Familie in Tunesien – meine Frau und meine kleine Tochter – versorgen. Das hat mich schließlich dazu bewogen, im Februar 2017 zurückzukehren. Noch in Deutschland habe ich vom Deutsch-Tunesischen Zentrum in Tunis erfahren und mich dort nach meiner Rückkehr zu meinen beruflichen Perspektiven beraten lassen. Mein Ziel ist es, in naher Zukunft ein eigenes kleines Café in Tunis zu eröffnen.

Seit Juni 2017 war ich dafür mehrmals zur Beratung im Zentrum. Die Berater haben mich in individuellen Gesprächen über meine Möglichkeiten informiert und mich schließlich an den Espace Entreprendre der tunesischen Arbeitsagentur vermittelt, der Existenzgründer bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Geschäftsidee unterstützt. Momentan arbeite ich wieder als Taxifahrer, um mir ein Startkapital für mein Café zusammenzusparen. Wenn mein Projekt erfolgreich ist, zeige ich gerne meinen Landsleuten in Europa, die ähnliche Schwierigkeiten erleben wie ich, dass sich die Rückkehr lohnen kann.“
 
Für Menschen wie Walid hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Tunis im März 2017 ein Beratungszentrum eröffnet: das Deutsch-Tunesische Zentrum für Jobs, Migration und Reintegration. Besucher erhalten kostenlos Informationen und Beratung zu beruflichen Perspektiven im Land.
 
Das Zentrum arbeitet eng mit der tunesischen Arbeitsagentur zusammen und ergänzt deren bestehendes Beratungsangebot. Neben Informationen zu Angeboten auf dem tunesischen Arbeitsmarkt erhalten die Menschen hier auch Beratung rund um die Qualifizierungsangebote der GIZ und über legale Migrationsmöglichkeiten. Bis Ende 2017 wurden rund 1.500 Personen beraten und über Jobmessen und Infoveranstaltungen etwa in Universitäten zu diesen Themen informiert.
 
März 2018