Versöhnung und Dialog sind für Mali entscheidend

Die Leiterin des GIZ-Büros in Mali, Friederike von Stieglitz, berichtet über die Situation in Mali und die Bemühungen der GIZ, die Lage der Bevölkerung zu verbessern. Das Interview führte dpa-Korrespondentin Carola Frentzen. Das Gespräch veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung der dpa.

Wie sehen Sie die Zukunft Malis? Gibt es Hoffnung, dass bald wieder Frieden einkehrt?  

Zuversicht für die Zukunft Malis gibt uns unsere langjährige Erfahrung. Mali hat eine vergleichsweise belastbare Gesellschaft, die auch im gesamten Jahr der Krise lebensfähig geblieben ist. Dies gilt besonders für die Kommunen: Bürgermeister und Gemeinderäte, die in den vergangenen Monaten aus dem Norden fliehen mussten, kehren nun in ihre Gemeinden zurück und nehmen ihre Arbeit wieder auf.

Wie stark ist der Konflikt in der Hauptstadt Bamako zu spüren?  

Trotz ihres großen Ausmaßes ist die Krise außerhalb des Nordens vergleichsweise "unsichtbar" geblieben. Obwohl sich bereits vor dem Krieg über 200 000 Menschen in die südlichen Regionen des Landes geflüchtet hatten, gab es keine Flüchtlingslager. Sie wurden von Verwandten und Freunden aufgenommen und mitversorgt. Jetzt kommt es darauf an, dass sie in ihre Heimatorte zurückkehren und dort wieder leben und arbeiten können. Dialog und Versöhnung müssen dabei von Anfang an mitgedacht werden.

Wie leistet die GIZ im Auftrag der Bundesregierung Hilfe? Was machen Ihre Mitarbeiter derzeit genau?  

Wir sind mit unseren einheimischen Mitarbeitern in 600 der rund 700 Gemeinden Malis aktiv, allerdings derzeit nicht in den drei Krisenregionen im Norden, Gao, Kidal und Timbuktu. Bei unserer Arbeit konzentrieren wir uns auf die Sicherung der Ernährung und die Wasserversorgung. Zudem unterstützen wir Gemeinden beim Schulunterricht, der Gesundheitsversorgung und beim Unterhalt von Straßen und Märkten. In der Kornkammer Malis, dem Nigerbinnendelta, helfen wir der Bevölkerung dabei, mit Kleinbewässerung Landwirtschaft zu betreiben. Das erlaubt gute Ernten, die 600 000 Menschen selbst in Jahren mit geringem Regenfall ernähren. Und: Eine eigene ökonomische Basis ist ein schlechter Nährboden für radikale Positionen.

Was können Sie uns aus den Kampfgebieten berichten? Wie ist die humanitäre Situation, wie die Versorgungslage?

Über unsere Kontakte in die Regionen haben wir Informationen, die über die Berichterstattung in den Medien hinausgehen. Es scheint vielleicht überraschend, aber trotz der Krise war das vergangene Jahr ein gutes Erntejahr. Es fehlt also nicht an lokal produzierten Nahrungsmitteln, sondern eines der großen Probleme ist die fehlende Kaufkraft - und die Tatsache, dass gegenwärtig in Teilen des Nordens keine Märkte stattfinden. Die Bauern bleiben auf ihrer Ernte sitzen. Damit fehlt ihnen das Geld, um die nächste Anbausaison zu finanzieren, während den bedürftigen Familien das Geld fehlt, sich mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Wir sind dabei, Lösungen für diese Probleme zu suchen.