Lehrer für Afghanistans Zukunft

04.02.2016 – Moderne Unterrichtsmethoden vermitteln neben Wissen auch die Fähigkeit zu Problemlösung und kritischem Denken. Die GIZ arbeitet mit dem afghanischen Bildungsministerium daran, die Schulbildung grundlegend zu reformieren.

Die Zahl der afghanischen Kinder, die zur Schule gehen, wächst: In den vergangenen zehn Jahren ist sie von knapp vier auf mehr als achteinhalb Millionen gestiegen, 39 Prozent davon sind Mädchen. Damit steigt auch die Nachfrage nach qualifizierten Lehrern und Lehrerinnen. Während in Deutschland im Schnitt 16 Grundschüler von einem Lehrer unterrichtet werden, sind es in Afghanistan 45. Und das ist nicht der einzige Unterschied.

„In Afghanistan bedeutet Lernen immer noch Frontalunterricht und Auswendiglernen“, sagt Elke Krause-Hannak von der GIZ. Seit 2014 berät sie im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das afghanische Bildungsministerium zur Lehrerausbildung. „Auch die heutigen Lehramtskandidaten sind noch in dieser Tradition unterrichtet worden. Sie erleben jetzt, dass man Unterricht und Lernprozesse ganz anders gestalten kann.“

„Lehrer sind immer Vorbilder“
Derzeit schult die GIZ Dozenten und Ausbilder an fünf Pädagogischen Hochschulen in Nordafghanistan, wobei gezielt auf die Förderung von Frauen gesetzt wird. In einem ersten Schritt werden theoretische Grundlagen und Kenntnisse in moderner Pädagogik und Didaktik vermittelt, beispielsweise wie Lernen funktioniert oder wie man Kinder zu kritischem Denken befähigen kann. In der anschließenden Phase üben die Ausbilder, einen entsprechenden Unterricht vorzubereiten und praktisch zu gestalten. Ihr neues Know-how geben sie gleich an ihre Studierenden weiter, die doppelt profitieren: von den neuen Lehrmethoden und von den Lehrenden, die als Vorbilder eine neue Art des Unterrichtens praktisch vorführen.

„Lehrer sind immer Vorbilder, das nutzen wir“, sagt Krause-Hannak. So wird in den Kursen über moderne Didaktik und Methodik hinaus auch Friedenspädagogik vermittelt. „Bisher wurde Disziplin in afghanischen Klassenzimmern oft gleichgesetzt mit Lautstärke oder gar Schlägen.“ In der Friedenserziehung aber werde mit den angehenden Lehrern aufgearbeitet, was kooperatives Lernen heißt, wie man einen respektvollen Umgang miteinander pflegen und eine friedliche Atmosphäre im Klassenzimmer fördern kann.

Erfahrungsaustausch auf nationaler Ebene
Wie sich das konkret umsetzen lässt, erfahren die Lehramtsstudenten im letzten Ausbildungsjahr in einem neunwöchigen Praktikum, einem Novum in der afghanischen Lehrerausbildung. Diese Praxisphase hat die GIZ gemeinsam mit den Partnerhochschulen entwickelt. Inzwischen kommen aus anderen Landesteilen Anfragen von Lehrerausbildungsstätten, die entsprechende Praktika auch für ihre Studierenden anbieten wollen. „Mittlerweile können unsere Partnerhochschulen die entsprechende Unterstützung leisten“, berichtet Elke Krause-Hannak.

Seit 2005 hat die GIZ im Auftrag des BMZ rund 100.000 angehende Lehrer für Grund- und weiterführende Schulen aus- und fortgebildet. Von den 45.000 Studierenden, die landesweit ihr Lehramtsstudium in diesen Jahren abgeschlossen haben, waren mehr als die Hälfte Frauen.

 

Kontakt

Elke Krause-Hannak
elke.kause-hannak@giz.de