„Die Menschen wollen in ihrer Region bleiben“ - Perspektiven für Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak

18.04.2016 – Diskussion Welt im Wandel: Wie Flüchtlinge in Nachbarländern unterstützt werden können.

Wie kann man den Millionen Flüchtlingen helfen, die in der Türkei, dem Libanon, Jordanien und dem Nordirak Zuflucht vor den Bürgerkriegen in Syrien und im Irak gesucht haben? Darüber diskutierten am 12. April Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, die Vorstandssprecherin der GIZ, Tanja Gönner, und Salah Ahmad von der Jiyan Foundation, die Überlebende von Folter und Gewalt im Irak unterstützt. Die Diskussionsrunde war Teil der Reihe „Welt im Wandel“, die gemeinsam vom Verlag „Der Tagesspiegel“ und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH organisiert und von der Tagesspiegel-Redakteurin Ulrike Scheffer moderiert wird.

Salah Ahmad kam selbst vor 32 Jahren als Flüchtling nach Deutschland. Als ausgebildeter Kinder- und Jugendpsychotherapeut reist er immer wieder in den Nordirak, um dort Hilfe zu leisten. Auf die Frage nach den Auslösern der Flüchtlingswelle Richtung Europa berichtete er von der Lage vor Ort: "Die Rationen wurden gekürzt, in den Zelten stand das Wasser zehn Zentimeter hoch. Die Menschen waren hoffnungslos." Deshalb hätten sich so viele auf den Weg nach Europa gemacht.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bestätigte diese Einschätzung: „Wenn die Solidarität so klein ist, dass die Menschen vor Ort nicht überleben können, sind sie gezwungen, zu uns zu kommen“, so Müller. Rund 90 Prozent der Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak sind noch in der Region. Müller betonte in diesem Zusammenhang, dass es wesentlich sinnvoller sei, die Menschen vor Ort zu versorgen: „Es kostet uns hier in Deutschland das 20- bis 50-fache, die Menschen unterzubringen und zu integrieren.“

Dabei „wollen die Menschen in ihrer Region bleiben, die ihre Sprache spricht und die ihrer Kultur entspricht", so Tanja Gönner, die Vorstandssprecherin der GIZ. Deshalb sei es so wichtig, Perspektiven für die Menschen vor Ort zu schaffen. Im Auftrag der Bundesregierung sorgt die GIZ beispielsweise dafür, dass die Kinder der Flüchtlinge in die Schule gehen können. In der Türkei werden deshalb Schulen gebaut und erweitert, in denen zusätzlich zu den türkischen nachmittags auch syrische Kinder unterrichtet werden.

Weil die Menschen da eine Perspektive sehen, wo sie eine Arbeit finden, werden zudem Tausende Jobs in der Region geschaffen. Mit Mitteln aus dem Bundesentwicklungsministerium werden Flüchtlinge für Aufgaben bezahlt, die für die Gemeinschaft von Nutzen sind. Sie stellen Zelte auf, graben Abwasserkanäle, schottern Wege oder kümmern sich um die Müllentsorgung. Mit Ausbildungen in Handwerksberufen wird außerdem dafür gesorgt, dass viele Flüchtlinge ihren Lebensunterhalt jetzt, aber auch in Zukunft sichern können. Denn auch für den Tag, an dem die Menschen heimkehren können, gilt es Perspektiven zu schaffen.

Deutschland will seinen Beitrag zur Lösung der Situation in und um Syrien jedenfalls deutlich erhöhen. Kanzlerin Angela Merkel hatte bei der letzten Geberkonferenz in London angekündigt, dass bis 2018 insgesamt 2,3 Milliarden Euro bereitgestellt werden.