Deutsches Habitat Forum zur nachhaltigen Stadtentwicklung: Chancen der Verstädterung nutzen

31.05.2016 – Die GIZ arbeitet in vielen Projekten daran, das Leben in der Stadt zukunftsfähig und umweltbewusst zu gestalten. In Berlin tauschen sich Experten auf Einladung der Bundesregierung zur Zukunft der Stadt aus.

Rund die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten – Tendenz steigend. Während dieser Trend insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern an Fahrt aufnimmt, kann der Aufbau von nachhaltiger Infrastruktur oftmals nicht mit dem massiven Bevölkerungszuwachs mithalten. Schwierige Lebensbedingungen und Umweltschäden sind häufig die Folge.

Hier setzt das Deutsche Habitat Forum an, welches das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit dem Land Berlin am 1. und 2. Juni in der Bundeshauptstadt ausrichtet. Bei der Konferenz diskutieren Vordenker und Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft aus aller Welt darüber, wie Städte zukunftsfähig und lebenswert gestaltet werden können. Das Forum gilt als Kernstück des deutschen Beitrages zum Habitat III-Prozess, der Weltkonferenz der Vereinten Nationen zu nachhaltiger Stadtentwicklung, die im Oktober 2016 in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito stattfindet.

Auch Christoph Beier, stellvertretender Vorstandssprecher der GIZ, nimmt am Deutschen Habitat Forum in Berlin teil. In der Arbeit des Unternehmens spielt nachhaltige Stadtentwicklung eine zunehmend wichtige Rolle. „Urbanisierung als solche ist natürlich kein neues Phänomen. Neu sind jedoch die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Verstädterung sowie die Auswirkungen auf globaler Ebene“, erklärt Beier. „Daher dürfen Städte auch nicht mehr nur lokal gedacht werden – sie sind vielmehr maßgeblich im Hinblick auf globale öffentliche Güter und Entwicklungen, wie etwa den Klimawandel, wirtschaftlichen Wohlstand, soziale Integration, Demokratisierung oder politische Stabilität.“

Die GIZ sucht daher im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit ihren Partnern nach Lösungen, die Mensch und Umwelt gleichermaßen berücksichtigen und die Chancen der Verstädterung nutzen. Sie unterstützt mit zahlreichen Projekten bei der nachhaltigen Entwicklung urbaner Räume, insbesondere in den Bereichen Wasserversorgungsmanagement und Sanitärversorgung, Energie und Klima und Verkehr, aber auch im Bereich der sozialen Infrastruktur.

So unterstützt die GIZ im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMUB) ausgewählte Städte in Indien, Chile und Südafrika dabei, mit den Herausforderungen des Klimawandels umzugehen. Gemeinsam werden Strategien entwickelt, wie sich die Städte zum einen besser vor den negativen Auswirkungen des Klimawandels – beispielsweise zunehmenden Hochwassergefahren – schützen können, und zum anderen weniger Emissionen ausstoßen. Hierbei wird unter anderem auf innerstädtische Begrünung gesetzt. Dies verbessert nicht nur die Luftqualität, sondern sorgt auch dafür, dass Regenwasser im Boden versickert und dadurch weniger Überschwemmungen entstehen. Die Partnerstädte tauschen ihre Erfahrungen untereinander aus und geben diese auch auf internationalen Veranstaltungen und Debatten bekannt.

In einem weiteren Projekt in Ägypten haben Experten im Auftrag des BMZ gemeinsam mit den Menschen vor Ort ein Stadtteilsanierungsprojekt im Großraum Kairo umgesetzt. Zwei Drittel der derzeit rund 20 Millionen Menschen leben dort in informellen und dicht bebauten Stadtgebieten, die vielfach ungeplant entstehen und nicht ausreichend versorgt sind. Bisher landete in diesen Gebieten ein Großteil des Mülls in Flüssen, Straßen und öffentlichen Plätzen, was zu erheblichen Umwelt- und Gesundheitsrisiken führte. Unter finanzieller Beteiligung der Bill und Melinda Gates Stiftung wurden in zwei Armutsgebieten im Gourvernorat Qalubeya integrierte Abfallwirtschaftssysteme eingeführt. Rund 600.000 Einwohner profitieren heute von einer gut funktionierenden Müllabfuhr und somit sauberen Wohnvierteln und besseren Hygienebedingungen. In einer neu gebauten Recyclinganlage werden außerdem Wertstoffe gewonnen und ein Beitrag zur Ressourceneffizienz und dem Klimaschutz geleistet. Informelle Müllsammler haben hier außerdem eine weitere Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.


        
    
© GIZ
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