@ Windhuk

Ein nachhaltiges Verkehrskonzept für Namibias Hauptstadt

18.10.2016 – In Windhuk wird der öffentliche Nahverkehr ausgebaut, um Umweltbelastungen und soziale und wirtschaftliche Probleme zu verringern.

In der namibischen Hauptstadt Windhuk leben rund 325.000 Menschen. Jährlich wächst die Bevölkerung um etwas mehr als vier Prozent, vor allem in den sogenannten informellen Siedlungen am Stadtrand. Die größte Stadt des Landes hat mit einer hohen Umweltbelastung sowie sozialen und wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, die ihren Grund auch im maroden städtischen Verkehrs- und Transportsystem haben: Bis vor kurzem bestand der öffentliche Nahverkehr aus einigen wenigen unzuverlässigen Buslinien, Fahrradfahren oder Gehen war an den allermeisten Stellen lebensgefährlich. Um pünktlich zur Arbeit zu kommen, mussten viele Menschen auf privat operierende, teure Taxis ausweichen.

Seit Anfang 2016 fahren in Windhuk 26 moderne Nahverkehrsbusse auf einem neuen Streckennetz, zum ersten Mal gibt es einen Fahrplan – der erste Schritt auf dem Weg zu einem nachhaltigen Stadtverkehr. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH hat im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gemeinsam mit der Stadt Windhuk und dem namibischen Verkehrsministerium einen Masterplan dafür erarbeitet. Dazu gehört auch der Aus- bzw. Neubau von Rad- und Fußwegen: Die Stadtbewohner profitieren bereits von neuen Fußwegen mit einer Gesamtlänge von 18 Kilometern; Fahrradfahrer können 8 Kilometer neue Radwege nutzen.

„Die nur auf das Auto ausgerichtete Verkehrsplanung, die Fahrradfahrer, Fußgänger und den öffentlichen Nahverkehr nicht ausreichend berücksichtigt, ist ein zentrales Problem für nachhaltige Entwicklung in Windhuk und anderen Städten Namibias“, erklärt GIZ-Projektleiter Heinrich Semar. Der Masterplan schaut daher auf alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen. Dieser Ansatz wurde vom Internationalen Verband für öffentliches Verkehrswesen (UITP) ausgezeichnet, zudem wurde das Projekt bei den Vereinten Nationen als richtungsweisendes Konzept für Afrika vorgestellt.

Das Vorhaben hat in Namibia auch ein Umdenken in der Politik bewirkt und integrierte Verkehrskonzepte ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Im „Weißbuch des Verkehrswesens“ ist der moderne Politikrahmen für den nachhaltigen Stadtverkehr in Namibia nun festgeschrieben – ein großer Erfolg für das Projekt.

Weitere Informationen: Habitat-Konferenz
Das Thema nachhaltige Verkehrskonzepte spielt auch auf der dritten Weltkonferenz zur nachhaltigen Stadtentwicklung, „Habitat III“, eine große Rolle, die vom 17. bis zum 20. Oktober in Quito in Ecuador stattfindet. Auch die GIZ ist vor Ort und stellt verschiedene Projekte zu nachhaltiger Stadtentwicklung vor.