12.01.2017

Mali: „Wir können viele Erfolge verzeichnen“

Jürgen Koch, Landesdirektor der GIZ in Mali, spricht über die Herausforderungen der Arbeit vor Ort. Trotz der angespannten Sicherheitslage werden viele Projekte erfolgreich umgesetzt.

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Herr Koch, was macht die Arbeit in Mali so herausfordernd?

Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt; seit 2012 ist vor allem der dünn besiedelte Norden des Landes gekennzeichnet durch einen andauernden bewaffneten Konflikt mit terroristisch-islamistischen Gruppen. Das 2015 zwischen der malischen Regierung und separatistischen Tuareg-Rebellen unterzeichnete Friedensabkommen wurde bisher kaum umgesetzt. Aufgrund dieser labilen Sicherheitslage herrschen schwierige wirtschaftliche und soziale Verhältnisse. Bei allen Projekten, vor allem aber in den friedensfördernden Vorhaben, müssen wir besonders sensibel vorgehen und die Bevölkerung gut einbinden.


Was sind die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?

Momentan führen wir im Auftrag der Bundesregierung 8 Programme durch. Rund 30 deutsche und internationale und 240 malische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich in der Kleinbewässerungs-Landwirtschaft, Wasserversorgung und Dezentralisierung. Letzteres heißt: es werden tausende von Gemeinden in die Lage versetzt, ihre eigenen Finanzen zu verwalten, um der Bevölkerung Zugang zu Schulen, Abfallversorgung, Strom- und Wasseranschlüssen zu verschaffen. Außerdem unterstützen wir den Stabilisierungs- und Friedensprozess im Land und beraten unsere Partner bei Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel.


Stichwort Stabilisierung: aktuell ist im Land der Ausnahmezustand ausgerufen. Inwiefern ist Ihre Arbeit dadurch beeinträchtigt?

Wir sind trotz allem landesweit aktiv. Alle Fahrten, die uns ins Land führen, werden gründlich durch unser Sicherheitsteam vorbereitet. Im Norden des Landes arbeiten nur unsere nationalen Mitarbeiter. Wir tauschen uns mit unseren Kollegen aber regelmäßig telefonisch oder bei Gesprächen in der Hauptstadt Bamako aus und treiben so die Projektarbeit voran. Dabei werden zum Beispiel konkrete Arbeitsschritte wie die Lieferung von Saatgut und Landmaschinen, aber auch Weiterbildungskurse für Bauern besprochen.


Können unter diesen Umständen denn die Projektziele erreicht werden?

Aber ja, wir können viele Erfolge verzeichnen. Wir haben zum Beispiel knapp 1.300 frauengeführte Klein- und Mittelbetriebe gefördert, um die Wirtschaft auf lokaler Ebene in Gang zu bringen. Drei Viertel der Betriebe erhöhten ihren Umsatz um rund 20 Prozent, die 40 besten Performerinnen um über 120 Prozent. Zusammen mit dem malischen Landwirtschaftsministerium unterstützen wir außerdem den Kleinbewässerungssektor. Inzwischen werden in einer der „Kornkammern Malis“, dem Binnendelta des Niger, über 90 Prozent der errichteten Bewässerungsanlagen von kleinbäuerlichen Familienbetrieben intensiv genutzt. Damit konnten sie den Reisertrag gegenüber den traditionellen Anbaumethoden verdreifachen. In der Region Bélédougou konnten die Reiserträge der Kleinbauern sogar vervierfacht werden. Außerdem wurden mehr als 17.000 Bauern in verschiedensten Themen geschult – zum Beispiel in innovativen Anbaumethoden des Reis- und Gemüseanbaus und zur Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Das ist deshalb so wichtig, weil bessere Ernten höheres Einkommen für die malischen Bauern bedeuten und damit zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes beitragen.