Private Investoren wollen sich bei uns beteiligen

"Strom für den Senegal"

Nico Peterschmidt ist Geschäftsführer der Inensus GmbH in Goslar.

Kleine Dörfer in ländlichen Gebieten mit Energie zu versorgen, war für Nico Peterschmidt, schon immer eine Vision. Gemeinsam mit Holger Peters und Jakob Schmidt-Reindahl und zwölf Mitarbeitern macht er diese inzwischen wahr.

Gabriele Rzepka: 2010 ist Ihr erstes Minikraftwerk in einem kleinen Dorf im Westen des Senegals ans Netz gegangen. Funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Dorfkomitee so, wie Sie es sich erhofft hatten?

Nico Peterschmidt: Oh ja! Die Zahlungsmoral ist hervorragend und wir beobachten inzwischen sogar einen leichten Zuwachs des Energiebedarfs im Ort. Die von uns ausgebildeten Elektriker haben Probleme bei den Hausanschlüssen im Griff. Auch die Wartungen und monatlichen Kontrollen durch Inensus West Africa klappen einwandfrei.

Der niederländische Daey Ouwens Fund stellte Ihnen 2011 Mittel in Aussicht, um weitere 30 Dörfer im Senegal mit Strom zu versorgen. Konnten Sie dies inzwischen realisieren?

Wir haben zwei Jahre warten müssen, bis wir mit diesem Projekt beginnen konnten. Im Senegal mussten wir zunächst mit der Regierung an den politischen Rahmenbedingungen arbeiten, so dass wir den Projektantrag erst vor wenigen Monaten einreichen konnten. Der Daey Ouwens Fund deckt nur die öffentlichen Mittel des PPP ab, der größere Teil kommt aus der Privatwirtschaft. Von uns, unserem Joint Venture Partner sowie über eine Finanzierung der holländischen Entwicklungsbank FMO. Jetzt haben wir jedoch endlich mit den ersten fünf Dörfern losgelegt.

Ihr Geschäftsmodell zielt ja darauf ab, private Investoren dafür zu begeistern und die Finanzierung dadurch unabhängig von Gebermitteln zu machen. Haben Sie hier erste Erfolge zu verzeichnen?

Wir haben unser Modell inzwischen auch auf die Bedingungen anderer Länder wie Uganda, Tansania und den Philippinen angepasst. Da haben einige private Investoren sehr großes Interesse, sich an Projekten der Mikroenergiewirtschaft zu beteiligen. Es handelt sich dabei um Impact-Investors, also Unternehmen, die eine niedrigere Rendite in Kauf nehmen, sofern mit der Investition ein soziales Engagement verbunden ist. Hier gibt es einige Firmen, die sich auf die Energieversorgung spezialisiert haben und mit denen wir in Kontakt sind.


Wie ist es Ihnen denn gelungen, die notwendigen Kontakte zu den Regierungsverantwortlichen in Tansania aufzubauen, um dort als Energieversorger aufzutreten?

Diese Kontakte sind über die GIZ entstanden. Ich habe für die GIZ die Ausschreibungen eines Projekts für solare Back-up-Systeme von Radiostationen begleitet. Das hat das BMZ und die niedersächsische Landesregierung finanziert. Dabei habe ich die Verantwortlichen in der Regulierungsbehörde und der Agentur für ländliche Elektrifizierung in Tansania kennengelernt. Dieser Kontakt hat mir die Tür geöffnet.


„Wir beraten in vielen Ländern Unternehmen, wie sie eine Mikroenergiewirtschaft aufbauen können.“

Im Senegal treten Sie als Energieversorger auf. Übernehmen Sie diese Rolle bei allen Geschäftsbeziehungen?

Oh nein! Wir beraten in vielen Ländern Unternehmen, wie sie eine Mikroenergiewirtschaft aufbauen können. Auf den Philippinen arbeiten wir mit der Power Source Group zusammen, finanziert über die Asiatische Entwicklungsbank ADB. Die Firma hat dort bislang nur Dörfer mit mehr als 10.000 Einwohnern mit Energie versorgt. Nun will der Staat, dass auch die kleinen Ortschaften elektrischen Strom erhalten und die PowerSource Group möchte auch kleine Gemeinden als Kunden gewinnen. Die Mitarbeiter des Unternehmens sind auf uns zugekommen, weil sie gern unser System auf den Philippinen verwenden möchten. Gemeinsam passen wir es gerade auf die Gegebenheiten vor Ort an und führen es ein. 


Die Fragen stellte Gabriele Rzepka.
Sie ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Entwicklungspolitik und Technik.

Nico Peterschmidt