"Rohstoffreichtum - auch die Bevölkerung soll profitieren"

Bodenschätze bewirtschaften: nachhaltig, sozial gerecht und transparent

Kohle, Erdöl, Kupfer oder Diamanten: Viele Entwicklungsländer sind reich an Bodenschätzen. Mit den Erträgen aus Förderung und Export könnte die Armut in vielen Ländern wirksam bekämpft werden. Doch das Gegenteil ist oft der Fall. Denn gerade die Armen profitieren vom Rohstoffreichtum am wenigsten. Nicht selten verschärft sich ihre Situation sogar durch regionale gewalttätige Verteilungskämpfe, zwischen deren Fronten sie geraten. Korruption, mangelnde Transparenz und fehlende Regeln, wie mit den Einnahmen aus dem Rohstoffabbau umgegangen wird, vereiteln vielerorts die große Chance zur Entwicklung, die in den Bodenschätzen eines Landes liegt.

„Rohstoffgovernance“ lautet daher das Thema, unter dem sich die GIZ weltweit für die nachhaltige Nutzung von Rohstoffvorkommen engagiert. Dahinter steht das Ziel, die Vergabe von Abbaukonzessionen transparent zu gestalten, die Einnahmen zum Wohl der Gesamtbevölkerung zu verwenden und die Eingriffe in die Umwelt möglichst gering zu halten. Bei diesem Aushandlungsprozess zwischen Staat, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft unterstützt die GIZ die Regierungen der Partnerländer.

Mit dem Vorhaben „Regionale Rohstoffgovernance in fragilen Staaten Westafrikas“ etwa berät die GIZ im Auftrag des BMZ die Regierungen in Sierra Leone und Liberia, wie sie ihre natürlichen Ressourcen für die Entwicklung ihrer Länder nutzen können. Während es in Liberia unter anderem darum geht, ein modernes Bergbaugesetz zu erarbeiten, wurde für das nationale Bergbauministerium in Sierra Leone ein Lizenzmanagementsystem entwickelt. Es regelt die Vergabe von Bergbaukonzessionen in einem transparenten Verfahren und erschwert so Korruption. Seit Januar 2012 sind diese Daten der Öffentlichkeit über das Internetportal http://sierraleone.revenuesystems.org zugänglich. Verstärkt gefördert wird auch der Dialog zwischen Firmen und Bergbaugemeinden. Die Gemeinden werden nun zum Beispiel einbezogen, wenn es darum geht, neue Förder­gebiete zu erschließen. Außerdem geht ein Teil der Einnahmen direkt an sie. So ist es bereits gelungen, lokalen und regionalen Konflikten vorzubeugen.

In der Mongolei, einem der rohstoffreichsten Länder der Welt, engagiert sich die GIZ im Auftrag des BMZ in der Integrierten Mineralischen Rohstoffinitiative (IMRI). IMRI unterstützt das Land dabei, die Voraussetzungen für ein rohstoffbasiertes, nachhaltiges und breitenwirksames Wirtschaftswachstum zu schaffen, das zu mehr Beschäftigung und Einkommen für die Bevölkerung beiträgt. Unter anderem heißt das: entwicklungsfördernde Rahmenbedingungen für ausländische Direktinvestitionen, mehr qualifizierte Facharbeitskräfte für den Rohstoff-Arbeitsmarkt und fähige Beschäftigte in staatlichen Institutionen, um Gesetze und Verträge im Rohstoffsektor kompetent gestalten und kontrollieren zu können. Bei IMRI kooperiert eine Vielzahl von deutschen und mongolischen Partnern aus Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft, Ministerien und anderen staatlichen Institutionen. Ergänzt werden die Aktivitäten von IMRI durch ein Vorhaben, das die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie durchführt. Es hat zum Ziel, rechtliche Rahmenbedingungen für die nachhaltige Entwicklung des mongolischen Rohstoffsektors zu schaffen, die globalen Standards entsprechen.

In den zentralasiatischen Ländern Kirgisistan, Kasachstan und Tadschikistan kooperiert die GIZ im Zuge des BMZ-Rohstoffprogramms (Mineral Resources for Development) mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie dem Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Das Programm hat zum Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung der Region dauerhaft anzukurbeln, beispiels­weise indem deutschen und anderen ausländischen Investoren der Zugang zum zentralasiatischen Rohstoffsektor zur nachhaltigen Bewirtschaftung erleichtert wird. Um dies zu erreichen, fördert das Programm den internationalen Dialog von Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Regierungen. Auch werden nationale staatliche und nichtstaatliche Entscheidungsträger in den beteiligten Ländern gestärkt, Arbeitskräfte marktgerecht aus- und weitergebildet und die Qualität der Dienstleistungen staatlicher Behörden und Agenturen im Rohstoffsektor verbessert.

In Lateinamerika wiederum intensiviert die GIZ ihre Kooperation mit Chile. Im Auftrag des BMZ soll mit dem chilenischen Bergbauministerium die Zusammenarbeit in der Forschung wie auch in der beruflichen und akademischen Ausbildung verstärkt werden. Die Gründung des Deutsch-Chilenischen Zentrums für bergbaubezogene Lehre und Forschung ist ein erster Schritt dorthin.

Dieser Artikel erschien zuerst im GIZ-Unternehmensbericht 2012.