Friedliche Integration

2006 beendete das Friedensabkommen zwischen den Maoisten und den sieben Regierungsparteien in Nepal den zehnjährigen Bürgerkrieg. Die 19.600 Mitglieder der maoistischen Befreiungsarmee wurden auf 28 Lager über das Land verteilt, ihre Zukunft war unsicher.

Die Regierung Nepals hatte die Lager mit einfachen Häusern ausgestattet, die sich nicht für einen längeren Aufenthalt eigneten. Im Auftrag des BMZ sorgte die GIZ zunächst für die notwendigen Trinkwasserversorgungssysteme, funktionierende Gesundheitsdienste und bildete die Lagerbewohner darin aus, die Infrastruktur selbst instand zu halten. Um eine Zukunftsperspektive nach der Zeit im Lager zu haben, konnten die Bewohner eine Ausbildung machen. Insgesamt absolvierten 16.000 Lagerbewohner eine Ausbildung zum Klempner, Elektriker, Maurer, Schreiner, Schneider oder Computer- und Mobiltelefonspezialisten. Die anderen Menschen verteilten sich mit ihren Familien auf ländliche Gemeinden im ganzen Land. Hier herrschte auch ohne die neuen Dorfmitglieder bereits große Armut. So begegneten sich die Alteingesessenen und die „Neuen“ mit unterschiedlichen Vorstellungen und Erfahrungen, was teilweise zu Unsicherheit im Verhalten führte.

Friedliche Eingliederung gelingt nur, wenn sowohl die Neuankömmlinge als auch die Dorfbewohner eine gemeinsame Perspektive für die Zukunft haben. Die Gemeinde gemeinsam entwickeln, Arbeitsmöglichkeiten schaffen und miteinander sprechen – das sind die Schlüssel zu einem harmonischen Miteinander.


Die GIZ unterstützt daher rund 5000 ehemalige Kämpferinnen und Kämpfer mit deren Familien sowie etwa 35.000 Dorfbewohner in 40 ausgewählten Gemeinden, die besonders viele Exkämpfer aufgenommen haben, dabei, ihr Zusammenleben friedlich zu gestalten.

Männer und Frauen haben die Chance, Berufe zu erlernen, in denen sie einen Arbeitsplatz finden oder sich selbstständig machen können. Seitdem haben mehr als 5.000 alte und neue Gemeindemitglieder eine Ausbildung erhalten, die ihnen ein gutes Einkommen beschert. Ganesh Chaudhari ist 24 alt und war arbeitslos. Heute ist er Klempner: „Ich bekomme zahlreiche Aufträge für Installationen in großem Bauvorhaben. Damit bin ich voll ausgelastet und bringe anderen mein Handwerk bei.“

Ein Bürgerkrieg hinterlässt Spuren im gesamten Volk. Um die Vergangenheit aufzuarbeiten und Konflikte schon im Keim zu erkennen, hat die GIZ in einem Pilotptojekt Mediatoren ausgebildet. Je zwei Männer und zwei Frauen aus alten und neuen Gemeindemitgliedern sowie eine anerkannte Persönlichkeit des Dorfes bilden ein Team. In gemeinsamen Veranstaltungen und Gesprächen gelingt es den Dorfbewohnern, über ihre schmerzlichen Erfahrungen des Krieges zu sprechen und aktuelle Konflikte offen zu diskutieren.

Für die Menschen ist dies ein wichtiger Schritt hin zu Frieden, Stabilität und die langfristige Entwicklung ihres Landes.