Dialoge bilden Brücken zwischen Konfliktparteien

"Friedliche Integration"

Sapana ist 31 Jahre alt und war sechs Jahre bei der maoistischen Befreiungsarmee aktiv. Dabei verlor sie ihren Fuß, ließ sich jedoch nicht unterkriegen. Mit einer Prothese bewältigt sie ihren Alltag, in ihrem neuen Dorf engagiert sie sich als Mediatorin.

Sie haben eine Ausbildung als Mediatorin gemacht. Warum haben Sie sich dazu entschlossen?

Ich bin der festen Überzeugung, dass unser Land nach dem zehnjährigen bewaffneten Aufstand nun Frieden braucht, damit es sich entwickeln kann. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, mich dafür einzusetzen. Als ich von den Gemeindemitgliedern ausgewählt wurde, die Ausbildung zu machen, habe ich mich sehr gefreut. Nach dem Training haben wir bereits eine Frauengruppe in unserer Gemeinde gegründet und registriert. Ich bin die Beraterin dieser Gruppe.

Warum ist der Dialog in Ihrer Gemeinde so wichtig ist?

Ich bin überzeugt, dass Dialoge eine Brücke bilden zwischen zwei Konfliktparteien. Wir brauchen eine Plattform, damit die Leute, die einen Konflikt miteinander haben, darüber reden können.

Was war denn der letzte Konflikt, mit dem Sie sich beschäftigt haben?

Das war ein Fall von häuslicher Gewalt. Der Mann hat viel Alkohol getrunken und seine Frau geschlagen. Weil der Mann ehemaliger Polizist ist, hat niemand etwas unternommen. Aus Depression hat die Frau versucht, sich das Leben zu nehmen. Die Polizei konnte das Problem nicht lösen. Ich habe alle Familienmitglieder zusammengebracht und in der Familie eine Lösung gesucht. Heute lebt das Paar friedlich zusammen.

Sie haben Ihren Schulabschluss während der Zeit im Lager nachgeholt. Warum?

Ich wollte schon immer einen Schulabschluss haben, doch Frauen aus meiner Gemeinde und meiner ethnischen Gruppe dürfen normalerweise nicht zur Schule gehen. Als mein Vater mich in der 6. Klasse aus der Schule nehmen wollte, habe ich mich den Maoisten angeschlossen. Dort konnte ich weiter lernen, sogar noch während des Krieges. Mit Unterstützung der GIZ habe ich dann im Lager meinen Schulabschluss gemacht. Als nächstes möchte ich noch einen Bachelor in Pädagogik machen.


Ihr Mann und Sie sind beide ehemalige Kämpfer. Wie haben Sie sich mit Ihrem Sohn in Ihr neues Dorf integriert?

Die Gemeindemitglieder haben uns gut aufgenommen. Das Dorf ist sehr arm. Vorher gab es keine Entwicklung oder Unterstützung, kein Trinkwasser oder Bildungsmöglichkeiten. Aber seitdem wir und andere Ex-Kämpfer uns dort niedergelassen haben, unterstützt die GIZ das Dorf. Dadurch haben sich die landwirtschaftlichen Erträge erhöht, einige Bewohner haben Fortbildungen besucht. Frauen, die vorher weder schreiben noch lesen konnten und kaum aus ihrem Haus rauskamen, lernen und diskutieren jetzt in der Gruppe. Die Gemeindemitglieder sehen uns deshalb als Anwalt der Veränderung.

Sie haben dort einen kleinen Laden eröffnet. Wie kamen Sie darauf?

Mein Mann und ich haben zusammen eine Million Nepali Rupees als finanzielle Abfindung von der Regierung bekommen. Mit diesem Geld haben wir uns ein Stück Land gekauft und ein kleines Haus gebaut. Um uns selber zu ernähren und unseren Sohn auf die Schule schicken zu können, brauchten wir ein Einkommen. Wir haben 700.000 Rupees in den Laden investiert, der mittlerweile gut läuft. Mein Mann engagiert sich hauptsächlich in dem Geschäft und kümmert sich um unser Kind. Ich selbst bin eher in der Sozialarbeit und als Mediatorin aktiv.

Die Fragen stellte Gabriele Rzepka. Sie ist freie Journalistin mit den Schwerpunkten Entwicklungspolitik und Technik.


Interviewpartnerin Sapana