Wenn Sport die Chancen erhöht

"1:0 für Entwicklung"

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wird wieder Millionen von Menschen in ihren Bann ziehen. Welche Rolle kann Fußball aber abseits von hochbezahlten Stars, Titeln, Ruhm und Ehre spielen?

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Nehmen an den Trainings nur Jungen teil oder sind auch Mädchen dabei?

Wir wollen die Anzahl unserer weiblichen Teilnehmer kontinuierlich steigern und so erreichen, dass die Hälfte der Teilnehmer weiblich sind – ein ambitioniertes Ziel. Generell brechen viele junge Menschen in Brasilien schon im Alter von 13 oder 14 Jahren die Schule ab. Besonders häufig sind dies Mädchen, die oft früh schwanger werden. Tatsächlich ist es so, dass 97 Prozent der Teilnehmerinnen unserer brasilianischen Partnerorganisation Bola pra Frente („Pass nach vorne“) die Schule abschließen. Ein toller Erfolg! Gender-Arbeit hat aber zwei Seiten: Es geht einerseits darum, so viele Mädchen wie möglich zum Fußballspielen zu gewinnen. Andererseits geht es auch um die Jungen, die schon früh lernen können, dass man den Mädchen nicht nur im Fußball Respekt entgegen bringt.

Welchen Stellenwert messen Sie Sportgroßereignissen wie der WM 2014 in Brasilien für die Entwicklungszusammenarbeit bei?

Die WM löst in Brasilien eine große Begeisterungswelle aus. Rio de Janeiro ist eine sportbegeisterte Stadt, das wird durch die beiden anstehenden Mega-Events, neben der WM die Olympischen Sommerspiele 2016, weiter verstärkt. Wenn man hier abends an den Strand geht, sieht man überall Menschen, die Sport treiben. Das wird sich durch die Großereignisse weiter verstärken und auch das Interesse an unserer Arbeit erhöhen.

Ist ein Schwellenland wie Brasilien, das den Fußball lebt, auf die Hilfe von ausländischen Fachkräften
angewiesen?

Ich finde den internationalen Austausch sehr wichtig und als Entwicklungshelfer kann ich dazu beitragen. Denn, was Nachhaltigkeit ausmacht, ist Wissenstransfer: Sich mit Fachkollegen aus aller Welt auszutauschen, hat für mich großen Wert. Wir können viel voneinander lernen, schon allein deshalb, weil wir in so unterschiedlichen Regionen aufgewachsen sind.