Pakistanische Frau bei der Arbeit in einem Betrieb Pakistanische Frau bei der Arbeit in einem Betrieb Pakistanische Frau bei der Arbeit in einem Betrieb

Wirtschaft und Beschäftigung

Berufsausbildung: Pakistan braucht Profis

Pakistan reformiert seine Berufsbildung, denn die Regierung hat erkannt: ohne qualifizierte Kräfte keine Entwicklung. Die EU, Deutschland und weitere europäische Länder fördern die Reformen.

Als Verkäufer erhielt Majeed Hamid aus Multan in der pakistanischen Provinz Punjab einen kargen Lohn von 3.000 Rupien im Monat. Doch dann absolvierte er eine Ausbildung zum Schweißer und fand daraufhin Arbeit in einer Fabrik. Heute bekommt er das Sechsfache seines früheren Lohns: knapp 180 Euro, ein gutes Einkommen in Pakistan. So viel verdient auch Fazana Ali aus Karatschi. Sie träumte schon als kleines Mädchen von einem technischen Beruf. Ihr Wunsch wurde durch ein Ausbildungsprogramm speziell für Frauen Wirklichkeit. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie jetzt mit der Reparatur von Mobiltelefonen.

Die Ausbildungsprogramme, die Fazana und Majeed zu einem besseren Einkommen verhalfen, wurden von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und pakistanischen Partnern entwickelt und umgesetzt. Sie sind Teil einer groß angelegten Berufsbildungsreform in Pakistan. Die GIZ unterstützt die Reformen im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Finanziert wird das Zukunftsprojekt von der Europäischen Union (EU), Deutschland, den Niederlanden und Norwegen.

Pakistanischer Automechaniker bei der Arbeit an der Hebebühne

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125.000 Männer und Frauen haben bereits profitiert

Das Ziel der Reformen ist ein besseres Leben durch bessere Ausbildung. Die pakistanische Regierung strebt mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit für das Land an und braucht dafür qualifizierte Kräfte. Davon gibt es heute noch zu wenige, denn es fehlt an Ausbildungsmöglichkeiten und auch die Qualität der Ausbildung lässt zu wünschen übrig. Dabei liegt ein riesiges Potenzial brach: Die Hälfte der fast 200 Millionen Einwohner Pakistans ist jünger als 22 Jahre. Doch viele junge Leute haben keine Ausbildung, sind arbeitslos oder unterbeschäftigt.

Das allerdings ändert sich gerade. Schon jetzt haben 125.000 Männer und Frauen von der besseren Ausbildung und den Trainingsprogrammen der GIZ profitiert.

Wichtigster Part der Berufsbildungsreform ist der nationale Qualifikationsrahmen, bei dessen Entstehung die GIZ beraten konnte. Er legt Ausbildungsstandards und landesweit anerkannte Prüfungskriterien für verschiedene Berufe fest. 130 Trainingsinstitute im ganzen Land haben bis Ende 2016 bereits 20.000 Absolventen danach ausgebildet.

Junge pakistanische Frauen arbeiten an Elektronik-Bauteilen

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Doch nicht nur die Teilnehmer offizieller Ausbildungsprojekte profitieren. Die einheitlichen Prüfungen bieten auch Arbeitern eine Chance, die nicht in offiziell erfassten Unternehmen, sondern im informellen Sektor beschäftigt sind. Die meisten pakistanischen Arbeitskräfte lernen ihren Beruf nicht durch eine geregelte Ausbildung, sondern indem sie ein erfahrener Kollege in die Tätigkeit einweist. Jetzt gibt es die Möglichkeit, eine solche informelle Ausbildung mit einer offiziellen Prüfung abzuschließen. Damit hat der Absolvent einen qualifizierten Ausbildungsnachweis in den Händen, der nicht nur in Pakistan, sondern auch im Ausland gilt.

Kompetenzen für alle

Die Ausbildungsinitiative nützt Beschäftigten aller Berufssparten, vom Landwirtschaftshelfer bis zum Computerexperten. Auch gesellschaftlich benachteiligte Gruppen werden einbezogen. So haben 1.500 Menschen mit Behinderungen durch ein Berufstraining in Lahore das Rüstzeug für ein selbstbestimmtes Leben erhalten. Stolz stellt Absolvent Hafiz Muhammad Salman fest: „Ich bin trotz meiner Behinderung nicht länger von meiner Familie abhängig, sondern habe Arbeit und verdiene mein eigenes Geld.“