Sicherheit, Wiederaufbau, Frieden

Afrika: Den Tätern auf der Spur

Bessere Ausrüstung und Weiterbildungen sind erste Schritte auf dem Weg zu einem professionellen Polizeiapparat.

Kriminalität und Gewalt gehören in vielen Ländern zum Alltag – auch in Afrika. Die Polizei ist auf solche Situationen nicht immer ausreichend vorbereitet. Die GIZ unterstützt die Polizei in verschiedenen afrikanischen Ländern dabei, diesen Herausforderungen entgegenzutreten.

Die Sicherheitslage in zahlreichen afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist nicht stabil, viele bewaffnete Konflikte aus der Vergangenheit wirken nach. Auch heute noch ist die Schwelle zur Gewalt schnell überschritten. Die Polizei ist oft unterbesetzt, nicht gut ausgebildet und korruptionsanfällig. Es fehlt an Material und Ausstattung. Hinzu kommt, dass Angehörige der Polizei oft aus ehemals verfeindeten Gruppierungen stammen.

Maßgeschneiderte Unterstützung

Im Auftrag des Auswärtigen Amtes arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH mit Polizeiinstitutionen in derzeit acht afrikanischen Staaten sowie mit der Afrikanischen Union, der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Ostafrikanischen Eingreiftruppe zusammen. Ein Schwerpunkt des Programms liegt darauf, die Polizeikräfte durch eine bessere Ausbildung zu professionalisieren. In Schulungen werden internationale Standards zur Strafermittlung und Kriminaltechnik, zu Grenzsicherheit, zu Menschenrechten und zum Umgang mit Opfern sexueller Gewalt vermittelt. Rund 9.000 Polizisten wurden seit 2009 weitergebildet. Honorine Munyole, die Leiterin der Polizeistation in Südkivu, Kongo, hat davon profitiert: „Inzwischen können wir mehr Vergewaltiger überführen, weil wir heute wissen, wie wir Spuren des Täters sichern können. So können wir den Vergewaltigungsopfern dank der Sensibilisierung der Polizisten schnell helfen.“

Polizistin telefoniert mit einem Mobiltelefon

Die GIZ unterstützt ihre Partner auch bei der Organisationsentwicklung, zum Beispiel im Niger mit Konzepten für ein verbessertes Personalmanagement. Durch einen strukturierten Karriereplan und klare Aufstiegschancen, bei guter Leistung als Ordnungshüter, der die Bevölkerung unterstützt, erhöht sich die Motivation der nigrischen Polizistinnen und Polizisten.

Auch in Sachen Ausrüstung und Infrastruktur der Polizei hilft die GIZ ihren Partnern. Seit Projektbeginn wurden in neun Ländern 40 neue Polizeistationen errichtet. 60 Polizeistationen in Côte d‘Ivoire bekamen erkennungsdienstliches Material, um beispielsweise DNA-Proben und Fingerabdrücke zu nehmen.

Polizist im Aktenarchiv zwischen Regalreihen

„Gerechte Strafe“

Doch wie wirken sich diese Zahlen und Fakten auf den Alltag der Menschen aus? Fidèle, Vater der 13-jährigen Nicole, wohnt in Südkivu, Demokratische Republik Kongo. Er erzählt: „Meine Tochter wurde auf dem Heimweg von der Schule vergewaltigt. Der Mann drohte ihr, sie umzubringen, wenn sie irgendetwas verrät.“ Doch Nicoles Vater wandte sich an die Polizei und erstattete Anzeige. Noch vor wenigen Jahren hätte er diese Möglichkeit nicht eine Sekunde in Erwägung gezogen. Vergewaltigungen galten als Kavaliersdelikt, die Polizei kümmerte sich nicht darum. Oft hat die Familie das Opfer sogar mit seinem Vergewaltiger verheiratet. Für Fidèle war das keine Option: „Ich habe es nicht bereut, der Polizei mein Vertrauen geschenkt zu haben. Sie haben sofort ermittelt, den Täter gefunden, verhaftet und zur Staatsanwaltschaft überstellt. Er hat seine gerechte Strafe erhalten.“

Das Vertrauen der Bürger in die Polizei wächst mit ihrer Professionalität. Erste Grundlagen sind gelegt, doch auf dem Weg zu einem modernen Polizeiapparat gilt es, noch viele Schritte zurück zu legen.

 

Stand: Dezember 2016