Perspektiven für Flüchtlinge und Migranten

Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute. „In Bewegung“ sind noch weit mehr Menschen – viele wandern aus, um anderswo eine bessere Zukunft zu finden. Die GIZ trägt mit ihrer Arbeit weltweit dazu bei, die mit Flucht und Migration verbundenen Herausforderungen zu bewältigen und langfristige Perspektiven für Menschen zu schaffen.

„Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie für sich und ihre Kinder keine Zukunftsperspektive sehen. Das ist eine extrem schwere Entscheidung“, so Arno Tomowski, der in der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH die Aktivitäten zu den Themen Flucht und Migration koordiniert. Die Gründe, sich auf den Weg zu machen – sei es unter Zwang oder freiwillig – sind immer vielschichtig und überlagern einander häufig.

„Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit als GIZ ist es, vor Ort Zukunftsperspektiven und damit Perspektiven zum Bleiben zu schaffen“, erläutert Tomowski. Um zum Beispiel in Äthiopien Ernährungssicherheit zu fördern, wurden im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nachhaltige landwirtschaftliche Bearbeitungsmethoden eingeführt. Allein hier profitieren fast eine Million Menschen von den höheren Erträgen. In Afghanistan wiederum sollen zum Beispiel mehr Schulen und Einrichtungen der beruflichen Bildung dafür sorgen, den Menschen Job-Perspektiven und damit ein Auskommen im eigenen Land zu ermöglichen.

Häufig machen jedoch gewalttätige Auseinandersetzung, Krieg und Verfolgung ein Bleiben unmöglich. Rund 65 Millionen Menschen waren 2015 weltweit auf der Flucht. Mehr als sechs Millionen Flüchtlinge hat die GIZ im Auftrag der Bundesregierung allein in den vergangenen zehn Jahren weltweit versorgt. Dabei hat sie immer auch Strukturen geschaffen, die wesentlich mehr Menschen und ganzen Regionen zu Gute kommen. Zum Beispiel im Nordirak, wo sie im Auftrag des BMZ zusammen mit der Welthungerhilfe und UNICEF unter anderem in einem Flüchtlingslager und in sechs Camps für Binnenvertriebene Schulen, Gesundheitsstationen und Gemeindezentren aufgebaut hat.

Bis Ende 2015 profitierten mehr als 200.000 Menschen von der verbesserten Infrastruktur in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales – in den Unterkünften und den umliegenden Kommunen.

Konflikten vorbeugen – Chancen nutzen

Die aufnehmende Region zu stärken, ist auch ein Ziel der Arbeit der GIZ in Jordanien. Nach Schätzungen der dortigen Regierung ist jeder fünfte Bewohner des extrem wasserarmen Landes mittlerweile ein Flüchtling aus dem benachbarten Syrien. In dem Königreich hat die GIZ im Auftrag des BMZ sowohl syrische als auch jordanische Klempner und Klempnerinnen ausgebildet. Sie sorgen dafür, dass die knappe Ressource nicht im Boden versickert. Die ausgebildeten Handwerker bekommen eine bessere Jobperspektive und alle arbeiten gemeinsam daran, mit dem kostbaren Wasser besser umzugehen. Die Ausbildung in weiteren Berufen wird gerade vorbereitet.

Seit 2015 unterstützt die GIZ auch Gemeinden und Flüchtlinge entlang der sogenannten Balkanroute. Sie berät im Auftrag des BMZ Kommunen, deren Infrastruktur durch die große Zahl an Menschen an ihre Grenzen stößt und versorgt mit mobilen Teams von Krankenschwestern, Rechtsberatern und Psychologen die Wartenden.  

„Bei allen Herausforderungen: Migration bietet auch große Chancen“, so Arno Tomowski. Zum Beispiel können sogenannte Rückkehrer, vor allem frühere Arbeitsmigranten, wertvolles Wissen mit in ihre Herkunftslänger bringen und Entwicklung befördern. Die GIZ unterstützt seit mehr als 20 Jahren einstige Migranten und Flüchtlinge dabei, sich nach langer Abwesenheit wieder in ihrer Heimat einzufinden.

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