Fortschritte in Afghanistan

„Unser Beitrag ist wichtig und wirkt“

Drei Fragen an Carsten Schmitz-Hoffmann, Landesdirektor Afghanistan

carsten_schmitz-hoffmann@giz_de

Herr Schmitz-Hoffmann, die Sicherheitslage in Afghanistan gilt nach wie vor als fragil. Inwiefern erlauben die Gegebenheiten im Land überhaupt eine Entwicklungszusammenarbeit, die auch nachhaltig ist?

In der Tat benötigt es Stabilität und Sicherheit, um nachhaltige Entwicklung und gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit zielt deshalb auf eine Stabilisierung der Situation in Afghanistan ab – dies ist die Grundlage für Aktivitäten, die die Lebenssituation der Menschen nachhaltig verbessern. Entsprechend arbeiten wir sowohl im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als auch des Auswärtigen Amtes. So konnten wir gemeinsam mit der afghanischen Bevölkerung bereits wichtige Verbesserungen erreichen und nachhaltig festigen. Beispielsweise hat die GIZ in Afghanistan bis heute 120 Schulen und Universitäten errichtet und die Weiterbildung von über 500.000 Afghaninnen und Afghanen gefördert.

Aufgrund bewaffneter Auseinandersetzungen gelten für die Mitarbeiter der GIZ hohe Sicherheitsvorkehrungen. Teile des Landes sind für internationale Mitarbeiter nicht zugänglich. Wie können Sie unter diesen Bedingungen überhaupt noch wirkungsvolle Projekte durchführen?

Natürlich stellt uns die Sicherheitslage vor Herausforderungen. Die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat oberste Priorität – diese Verantwortung und Fürsorge nehmen wir mit unserem Sicherheitskonzept auf, gerade damit wir weiterhin erfolgreich arbeiten können. Dennoch sitzen wir keinesfalls statisch „im Hochsicherheitstrakt“. Wir arbeiten an sieben Standorten im Land und setzen viele unserer Vorhaben landesweit um, immer in enger Kooperation mit internationalen und nationalen Mitarbeitern. Liegen Projekte in Regionen, die für Internationale nur schwer zu erreichen sind, werden sie von hochqualifizierten afghanischen Mitarbeitern betreut. Auch innovative Management-Modelle und digitale Lösungen helfen uns bei der Umsetzung und dem Monitoring von komplexen Projekten.

Mit Ihren Maßnahmen unterstützen Sie gerade Frauen dabei, sich beruflich zu qualifizieren. Wie verträgt sich das mit den traditionellen gesellschaftlichen Strukturen? Wie reagiert die Bevölkerung darauf?

Ein klares Prinzip unserer Arbeit ist es, die Rechte und Fähigkeiten von Frauen zu stärken. Deshalb achten wir in unseren Projekten sehr genau darauf, dass Frauen nicht nur aktiv eingebunden werden, oftmals sind sie die relevante Zielgruppe unserer Projekte. Kommen mehr Frauen in Beschäftigung,  eröffnet das Perspektiven für ganze Familien, da sie so über ein höheres Einkommen verfügen. Kulturell ist es zum Beispiel völlig normal, dass Frauen als Lehrerinnen arbeiten, denn in Afghanistan werden Mädchen nur von weiblichen Lehrkräften unterrichtet. Unsere Lehrerfortbildungen mit über zwei Dritteln weiblicher Teilnehmerinnen haben deshalb einen doppelt positiven Effekt: Mehr Lehrerinnen führen auch dazu, dass mehr Mädchen eine Schule besuchen können. 

Unser Beitrag ist wichtig und wirkt. Oft vergessen wir, dass es neben dem bewaffneten Konflikt und der Fragilität in diesem Land auch Herausforderungen gibt, denen wir mit Entwicklungsarbeit begegnen können. Genau hier setzen wir an und verbessern damit die Perspektiven für viele Zehntausende Menschen im ganzen Land. 

Oktober 2018
 



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