Klima, Umwelt, Management natürlicher Ressourcen

Agenda 2030: der mexikanische Weg

Die Agenda 2030 setzt hohe Ziele, die Mexiko erreichen will. Mit einer umfassenden Strategie.

© GIZ / Miguel Ángel de la Cueva

Agenda 2030: der mexikanische Weg

Nachhaltigkeit als Leitmotiv für Mexiko: nicht weniger will das Land mit seiner Version der Agenda 2030 erreichen. Am Beispiel deutsch-mexikanischer Zusammenarbeit lässt sich ablesen, wie aus einer langfristigen Vision erste Schritte werden. Eine nationale Nachhaltigkeitsstrategie zur Umsetzung der Agenda 2030 ist das Grundgerüst. Und ein Küstenschutz-Projekt im Golf von Kalifornien zeigt, wie ein einzelner Baustein aussehen kann. 

Kein Hunger, keine Armut, Schutz der Natur: die Agenda 2030 ist ein Weltzukunftsvertrag. Die Agenda umfasst wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklungsaspekte. 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) definieren die einzelnen Themen der Agenda. Das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) unterstützt ausgewählte Kooperationsländer dabei, die 17 Ziele umzusetzen. Mexiko ist eines davon.

Erste Pfeiler einer mexikanischen Nachhaltigkeitsarchitektur

Seit Dezember 2019 hat Mexiko eine nationale Strategie zur Umsetzung der Agenda 2030. Die Strategie stellt eine langfristige Vision dar, die das Handeln von staatlichen, zivilgesellschaftlichen und privatwirtschaftlichen Akteuren leitet. Erste Kommunen richten ihre Entwicklungspläne bereits an der Agenda 2030 aus. Das Besondere an der Strategie: 1.300 unterschiedliche Akteure von kommunaler bis zur ministerialen Ebene haben an ihr mitgearbeitet. Ein Austausch zwischen mexikanischen Regierungsvertretern und deutschen Institutionen floss zum Beispiel in die Erstellung mit ein. 

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bearbeitet im Auftrag des BMZ gemeinsam mit dem mexikanischen Präsidialamt den übergreifenden Rahmen zur Umsetzung der SDGs. Mexiko profitiert dabei von den Umsetzungserfahrungen der GIZ, komplexe Politikberatungsprozesse zu begleiten. Für das Land gibt es noch einige Herausforderungen: 43 Prozent der Mexikaner*innen leben unterhalb der Armutsgrenze. 60 Prozent aller Beschäftigten sind nicht sozialversichert. Andererseits gehört Mexiko zu den zwölf Ländern mit der größten Artenvielfalt. 

Leben unter Wasser schützen

Auch im Küsten- und Artenschutz arbeitet Mexiko daran, nachhaltige Entwicklung strategisch anzugehen. Hier sorgte eine Kooperation mit dem Bundesumweltministerium dafür, das Leben unter Wasser und in den Küstengebieten zu schützen. Der Golf von Kalifornien ist eines der artenreichsten Küstengebiete weltweit. Knapp ein Drittel aller Meeressäuger leben hier und über 20 Prozent aller Meeres-Lebewesen gibt es nur hier. Dem gegenüber steht eine große Bedrohung durch zunehmende Überfischung, da 70 Prozent der mexikanischen Fische und Meeresfrüchte hier gefangen werden. 

Um einen praktikablen und umsetzbaren Ausgleich zwischen Schutz und Nutzung des Golfgebietes zu finden, war es wichtig, alle Anwohner*innen und relevanten Entscheider*innen an einen Tisch zu holen. Ziel: eine langfristige Strategie für den bedrohten Naturraum zu entwickeln. Dazu definierten die Beteiligten Kriterien zum Küstenschutz – in Anlehnung an die SDGs 14 und 15: Leben unter Wasser und an Land angemessen zu schützen. Mit Erfolg, denn bislang sind Anträge für fünf Meeresschutzgebiete im Golf in Arbeit. Für 1.200 Kilometer Küste und 1.330 Quadratkilometer Überflutungsgebiete wurde der Schutzstatus verbessert: diese Strände sind gesperrt für Aquakulturen oder sonstige Bebauungen. Die Fläche ist zwei Drittel größer ist als die Stadt Berlin. Diese Kriterien sind international vergleichbar und werden fortlaufend gemessen. Zusätzlich wurden Modelle für erfolgreichen Artenschutz erarbeitet. Zum Beispiel sensible Strandabschnitte für die Eiablage von Meeresschildkröten zu schützen oder aus Fischmehl organischen Dünger zu produzieren. Diese Modelle lassen sich gut auf andere Regionen übertragen.

Benito Bermúdez, einer der Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Naturschutzgebiete (CONANP), fasst das Ergebnis so zusammen: „Das Programm hat sehr viele Beteiligte zusammengebracht: die Zivilgesellschaft, die Wissenschaft, Fischer und Lebensmittelproduzenten. Wir haben es geschafft, ein gemeinsames Verständnis für Umweltschutz zu schaffen auf dessen Basis integrierter Küstenschutz möglich ist.“

Von Erfolgsmodellen lernen 

Die GIZ unterstützt die mexikanische Regierung in weiteren Sektoren bei der Umsetzung der Agenda 2030: Naturschutz, Erneuerbare Energien, Wirtschaftsentwicklung und gute Regierungsführung sind wichtige Felder für die nachhaltige Entwicklung Mexikos. Erste Erfolge wie die gemeinsam erarbeitete Nachhaltigkeitsstrategie und der kalifornische Küstenschutzplan zeigen den Weg auf, den Mexiko bereits gegangen ist. Dennoch steht Mexiko weiterhin vor großen Herausforderungen. Das Bewusstsein aller Beteiligten für nachhaltige Entwicklung zu aktivieren bleibt weiter eine Kernaufgabe der deutsch-mexikanischen Zusammenarbeit. 


(Stand: Februar 2020)

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