"Alles Nötige für die Wahlbeobachter"

Die ganze Region stabilisieren

Ein Interview mit Louis Michel

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Louis Michel war von 2004 bis 2009 Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe in der EU-Kommission. Heute ist er Mitglied des Europäischen Parlaments. Das Gespräch wurde am 13.2.2011, dem Wahltag im Tschad, geführt. Dort war er Chef-Wahlbeobachter der EU.

Dass der Tschad uns eingeladen hat, zeigt, dass das Land der Demokratie gegenüber aufgeschlossen ist.

Philipp Hedemann: Warum schickt die EU Wahlbeobachter in den Tschad?

Louis Michel: Unsere Mission kann helfen, den Tschad beim Demokratisierungsprozess zu unterstützen, und so einen stabilisierenden Einfluss auf die ganze Region ausüben. Es ist die moralische und politische Verpflichtung der EU, diesen Prozess zu unterstützen. Allein die Tatsache, dass der Tschad uns eingeladen hat, zeigt, dass das Land der Demokratie gegenüber aufgeschlossen ist.

Viele Organisationen entsenden Wahlbeobachter. Was ist das Besondere an den EU-Missionen?

Unsere besondere Methodologie und die langjährige Erfahrung mit Wahlbeobachtungsmissionen tragen mit dazu bei, dass eine Wahl als legitim angesehen werden kann, wenn sie von uns als frei, demokratisch und fair befunden wurde.

Der Wettbewerb um Ressourcen und Bodenschätze verschärft sich. Wird die Förderung von Demokratie da zum Auslaufmodell?

Wenn die Förderung der Demokratie zum Auslaufmodell würde, würden wir als EU nicht so viel Geld ausgeben, um auf der ganzen Welt demokratische Prozesse zu unterstützen. Und das tun wir überall – unabhängig davon, ob das Land über Bodenschätze verfügt oder nicht.

Afrika bewegt sich in die richtige Richtung.

Wird Afrika demokratischer?

Auf jeden Fall! Afrika bewegt sich in die richtige Richtung. Es ist zwar ein langer Weg, aber es gibt Fortschritte. Ich glaube fest daran, dass die Globalisierung und die neuen Kommunikationsmöglichkeiten diesen Trend verstärken werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Die Fragen stellte Philipp Hedemann. Er lebt als freier Journalist in Äthiopien. Das Interview erschien zuerst im GIZ-Magazin akzente, Ausgabe 02/2011.