Themenservice Tourismus

Wenchi Crater Lake in Äthiopien. Photo: GIZ / Michael Meyer

Tourismus und nachhaltige Entwicklung

Mit neun Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung weltweit zählt der Tourismus zu den größten Sektoren überhaupt und ist eine der Hauptdevisenquellen für jedes dritte Entwicklungsland geworden. Tourismus kann Armut senken und Einkommen schaffen. Dazu bedarf es jedoch mehr als ökonomischer Faktoren. Es geht auch darum, natürliche Ressourcen schonend zu nutzen, das kulturelle Erbe in den Ländern respektvoll zu behandeln und stabile politische Rahmenbedingungen und eine sichere Umgebung für Reisende zu schaffen.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet im Auftrag der Bundesregierung aktuell in 70 Tourismusprojekten. GIZ-Experten unterstützen die Entwicklung von Reisezielen, den Aufbau von Infrastruktur, die Ausbildung von Fachkräften, Umweltmanagement, Wirtschaftlichkeitsanalysen, die Förderung von Unternehmen, Politikberatung, Öffentlichkeitsarbeit – um nur einige Aspekte zu nennen. In diesem Themenservice stellen wir Beispiele vor, wie Länder die Potenziale des Tourismus nutzen und wie sie mit ökologischen, kulturellen oder politischen Herausforderungen umgehen.

Information

Der Themenservice für Journalisten informiert zu einem aktuellen Thema oder Ereignis mit Bezug zur internationalen Zusammenarbeit. Er umfasst Bilder, Hintergründe und Interviews, stellt Projekte vor und liefert weiterführende Links. Zu jedem Thema vermitteln wir gerne Interviewpartner.

Die Texte und Fotos aus diesem Themenservice stehen Redaktionen zum honorarfreien Abdruck zur Verfügung.

Die Tourismus-Welt der GIZ

Armut mindern, Wirtschaft stärken – sozial und ökologisch

Hirten im Zerafshan-Tal in Tadschikistan, Bananenfarmer am Wenchi Kratersee in Äthiopien und Reisbauern bei den historischen Tempeln von Sambor Prei Kuk bieten Touristen Zimmer, Gastfreundschaft und Führungen an. Bedrohte Gorillas im Nationalpark Kahuzi-Biéga in der Demokratischen Republik Kongo sind nun durch Wächter besser geschützt und locken Gäste aus aller Welt. Insulaner auf der Vulkaninsel Ometepe im Nicaragua-See modernisieren Fincas und Gästezimmer, um auch für anspruchsvolle Besucher fit zu sein. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH unterstützt im Auftrag der Bundesregierung in drei Dutzend Ländern die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus. Dadurch entstehen neue Arbeitsplätze und Einkommen – vor allem in entlegenen und strukturschwachen Gebieten mit ärmerer Bevölkerung. Etliches davon wurde auch auf der ITB unter dem Berliner Funkturm vom 7. bis 11. März 2012 präsentiert.

Nicaragua will Ökotourismus-Ziel werden

Schulkinder in blau-weißen Uniformen laufen auf einer staubigen Landstraße nahe der Pazifikküste Nicaraguas in brennender Sonne zurück in ihre Dörfer. Auf dem Mittagstisch warten Wasser, Bohnen, Reis, Tortilla. Es gibt noch kaum Tourismus und nicht genug Jobs. In den nahen Termalquellen „Termales Salinas de Nagualapa“ beugen sich zwischen Palmen und einem von einer heißen Quelle gespeisten Pool Ureinwohner und „Gringos“ über eine Karte. Die zeigt Pläne wie neue Wasserbecken, Pavillons, Schmetterlingshaus und kleines Restaurant. „Der Anfang ist gemacht, der Ausbau zum Ökotourismusziel soll mehr Gäste und über 30 Arbeitsplätze bringen.“ Dies sagt Lehrerin Luzmilda Silva, deren Vorfahren indigene Chorotegas sind. Karin von Loebenstein aus Niedersachsen, Leiterin des Umweltprogramms der GIZ in Nicaragua, nickt und betont: „Es war eine Idee der Einheimischen – auch der strikte Schutz der Natur beim Ausbau. Wir helfen bei der Umsetzung.“

Und auf der Insel Ometepe haben dank deutscher Entwicklungszusammenarbeit ein Dutzend Familien ihre Fincas attraktiver gemacht und neue Arbeitsplätze geschaffen. Zur neuen „Grüne Farm“-Route gehört auch die Hacienda „Tel Aviv“. Hier zeigen zwei kleine, schmucke Museen die Geschichte der Ceibo-Ureinwohner sowie der Währung des Landes vom Kakao bis zum Córdoba. In „Chaco Verde“ werden die Gäste nicht selten vom Gekreisch der Brüllaffen geweckt und können beim Käsemachen helfen. Für solche Projekte, die alle umwelt-, sozial- und kulturverträglich gestaltet werden, sind vergleichsweise wenig finanzielle Mittel nötig. Einheimische bringen Ideen und Arbeit mit ein. Das bestätigt Maria Esther Selva vom Tourismusinstitut (Instituto Nicaragüense de Turismo) in Managua. Sie sagt: „Vor allem Wissensvermittlung und Know-how sind bei der Tourismus-Kooperation Nicaragua-Deutschland nötig. Und darin ist Deutschland international ganz vorn.“

Nachhaltiger Tourismus schafft Einkommen und Entwicklung

Der Anteil des Tourismus am Bruttoinlandsprodukt ist weltweit in den letzten Jahrzehnten kräftig gestiegen, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern. Jeder zwölfte Job hängt heute direkt von dieser Branche ab. Wichtiger Partner und Förderer beim nachhaltigen Tourismus ist vor allem die Welttourismusorganisation (UNWTO). Ihr Generalsekretär Taleb Rifai betont: „Wir unterstützen sehr stark alle diese Aktivitäten, so auch Kulturerbe- und Ökotourismus. Das schafft dort Einkommen und Entwicklung, wo es am dringendsten benötigt wird.“ In diesem Zusammenhang hebt Rifai die weltweite GIZ-Arbeit im nachhaltigen Tourismus und ihre besondere Unterstützung für sogenannte Grassroots-Initiativen hervor. Der Generalsekretär betont: „Wir sind stolz darauf, dass die GIZ zu unseren Partnern zählt.“ Das Bundesunternehmen mit insgesamt etwa 17.000 Mitarbeitern in 130 Ländern arbeitet mit sehr vielen Staaten zusammen, in denen der Tourismus noch im Dornröschenschlaf ist.

Tadschikistan: Eines der aufregendsten, unentdeckten Reiseziele

Dazu zählt auch Tadschikistan in Zentralasien. Das Hochgebirgsland war eine der ärmsten Republiken der Sowjetunion und nach Unabhängigkeitserklärung 1991 und folgendem Bürgerkrieg wirtschaftlich am Boden. Sebastian Falck berät als GIZ-Mitarbeiter das auch für Tourismus zuständige staatliche Komitee mit Vizeminister Lochin Faizulloev. Beide reisten wie im Vorjahr wieder gemeinsam zur weltgrößten Tourismusmesse nach Berlin. Faizulloev sagt: „Die bisherigen Erfahrungen mit der Präsentation Tadschikistans auf der ITB sind sehr gut. Natürlich gab es am Anfang vor einigen Jahren kleinere Startschwierigkeiten.“ Neuling Tadschikistan musste nach den Worten des Vizeministers erst lernen, was Kunden erwarten und „wie eine professionelle und moderne Destinationspräsentation aussieht“. Heute wolle sein Land weiter deutlich machen, dass es ein lohnenswertessowie „sicheres und stabiles Reiseziel“ sei.

GIZ-Mitarbeiter Falck betont: „Wir haben hier eine der aufregendsten und praktisch unentdeckten Destinationen der Welt und wir haben eine Klientel dafür. Beides zusammenzubringen ist dann die große Kunst.“ Es gibt Anerkennung, so vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung für ein gemeindebasiertes Projekt im Zerafshan-Tal mit einem Netzwerk von Reiseführern und Homestays bei Bauern, Hirten und Familien-Spinnereien. Studienkreis-Gutachter Dr. Hermann Warth würdigte auf der ITB 2011 bei der Verleihung des TO DO!-Preises an die Zerafshan Tourism Development Association (ZTDA) die Sozialverträglichkeit sowie Qualitätskontrolle des Projekts auch durch Dorfgemeinschaften.

Afrika: Nationalparks sind die Hauptattraktionen

Zur Tourismusarbeit der GIZ besonders in Afrika zählen auch Beratung und Verbesserung des Schutzes bedrohter Tiere und Nationalparks vor Wilderern und illegalen Rodungen. Diese Parks sind in etlichen Staaten des Kontinents die touristischen Hauptattraktionen. Allein in Kahuzi-Biéga in der Demokratischen Republik Kongo erhielten in den letzten Jahren 123 Mitarbeiter ihre Ausbildung in Bestands-Kontrolle und Kartierung.

Der Nationalpark ist seit 1980 Weltnaturerbe, etwa 40 Prozent sind heute unter Kontrolle der Naturschutzbehörde des Landes. Ulrich Müller, GIZ-Verantwortlicher vor Ort, erläutert: „Die Anrainergemeinden wurden intensiv in die Parkverwaltung eingebunden, was eine sehr positive Zusammenarbeit ermöglicht. Wir hoffen, dass in zwei Jahren der gesamte Park unter der Kontrolle der Verwaltung steht.“ Eine sehr gute Nachricht: Die stark gefährdeten Gorillas in den Höhenlagen sind nun besser geschützt. Ihre Zahl stieg nach Angaben der Wildlife Conservation Society von 117 Tieren im Jahr 2008 auf 181 im März 2011.

Autor: Michael Meyer

Tadschikistan: Zerafshan-Tal

Zu Gast bei Freunden

Gastfreundschaft wird in dem 1.900-Einwohner-Dorf Veshab großgeschrieben. Wer eine Reise in das Bergdorf am Eingang des Zerafshan-Tals im Norden Tadschikistans unternimmt, wird wie von Freunden empfangen. Der Tourismus hilft, die Lebensbedingungen der Einwohner zu verbessern.  

„Es ist eine Ehre für uns, Menschen aus anderen Ländern zu Besuch zu haben, ihnen unsere Kultur zu zeigen und gleichzeitig etwas über ihre Lebens- und Denkweisen zu erfahren“, erklärt Odil Normakhmedov, ein 47-jähriger Englischlehrer aus Veshab, der nebenberuflich als Touristenführer arbeitet. Er zeigt den Gästen zum Beispiel die besondere Architektur seines Dorfes, in dem die Menschen ihre Häuser aus Stein und Holz terrassenartig übereinander gebaut haben, um dem steilen Gelände so viel Lebensraum wie möglich abzuringen. Etwa 4.000 ausländische Gäste kommen pro Jahr in diese Region – ein Paradies für Naturliebhaber mit seinen majestätischen Bergen, tiefblauen Bergseen und Flüssen.  

Für die einheimische Bevölkerung ist das Leben in dieser faszinierenden Landschaft nahe der legendären Seidenstraße nicht immer einfach. 90 Prozent des Landes ist von Gebirge bedeckt. Die steilen, hochgelegenen Flächen lassen sich schwer bewirtschaften. Die Regierung will angesichts der begrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten den Tourismus stärken. Diesen Plan der Regierung setzt die „Zerafshan Tourism Development Association“ (ZTDA) um, indem sie den Ausbau der touristischen Infrastruktur und professionelles Marketing fördert. Die Organisation gründete sich im Jahr 2008 und wird seither unter anderem von Experten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH beraten, die im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in dem zentralasiatischen Land tätig ist. Ihr Ziel ist eine Form von Tourismus, bei dem die Gemeinden die wesentliche Kontrolle über die Tourismusaktivitäten haben. Dabei achten sie auch auf die Erhaltung von Natur, Landschaft, der Biodiversität und des Kulturerbes.  

Die internationalen Gäste wohnen während ihres Besuchs im Zerafshan-Tal bei Gastfamilien, die ihre Häuser mit Unterstützung der ZTDA für den Tourismus ausgebaut haben. Die Familie Sultonov in Veshab ist eine von 21 Familien im Zerafshan-Tal, die einen Abschnitt ihres Hauses zu einem gemütlichen Nachtlager für Gäste umgestaltet hat. Wenn kleine Reisegruppen müde vom Wandern in den Bergen in ihr Haus kommen, werden sie mit regionalen Gerichten verwöhnt, deren Zutaten meist direkt aus dem eigenen Garten kommen. Außer den Gästehäusern gibt es im Zerafshan-Tal rund 100 kleine Dienstleister, die ihr Einkommen durch den Tourismus aufbessern und zum Beispiel Trekkingtouren oder Fahrten zu Kulturstätten, Reittouren, Transportdienste, Folkloreveranstaltungen oder lokal hergestellte Produkte anbieten. Der Tourismusverband unterstützt sie mit Aus- und Fortbildungen. „Jeder Tourist leistet einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen“, sagt Pairav Masaidov von der ZTDA.

Jordanien: Wasserverbrauch

Vollpension mit Nachhaltigkeit

Jordanien zählt zu den wasserärmsten Ländern der Welt. In den letzten 30 Jahren ist der Grundwasserspiegel dramatisch gesunken – auch durch den wachsenden Tourismus. Technologie aus Deutschland hilft dem Dead Sea Spa Hotel am Toten Meer beim Wassersparen.  

Faszinierende Naturlandschaften, antike Stätten, lebendige Metropolen, bunte Unterwasserwelten oder Ruhe und Entspannung am Toten Meer – Jordanien hat Reisenden viel zu bieten. Ein großes Problem ist jedoch der hohe Wasserverbrauch in dem Land, das zu 80 Prozent aus Wüste besteht. Pro Person und Jahr stehen 180 Kubikmeter Wasser zur Verfügung – bei einem Wert von unter 500 Kubikmeter spricht man von Wasserarmut. Zwei Drittel des Wasserverbrauchs fällt in der Landwirtschaft an. Auch im stetig wachsenden Tourismus, der zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes ausmacht, ist ein sparsamer Umgang mit dem kostbaren Gut unumgänglich.  

Ramzi Nazzal ist Besitzer des Dead Sea Spa Hotels am Toten Meer. In der Hochsaison musste der Hotelier private Wasserlieferanten beauftragen, die hoteleigenen Wasserspeicher zu füllen. Die Kosten für Geldbeutel und Umwelt waren erheblich, doch ihm blieb keine Wahl. Die öffentliche Wasserversorgung konnte nicht die in einem Vier-Sterne-Hotel benötigten Mengen liefern. Als das älteste und eines der beliebtesten Hotels am Toten Meer im Jahr 2008 einen Neubau benötigte, ging der Hotelier neue Wege. Er setzte auf eine Grauwasserrecyclinganlage – die erste ihrer Art im arabischen Raum. Das Wasser aus Waschbecken und Duschen wird wieder aufbereitet und vor allem innerhalb des Gebäudes wieder verwendet, zum Beispiel für das Wäschewaschen und für 170 Toiletten. Seit 2009 spart das Hotel ein Drittel wertvolles Trinkwasser ein – das entspricht 400 Tanklastwagen pro Jahr, die nun weniger am Hotel vorfahren müssen.  

Die Technologie dafür stammt aus Deutschland von der Pontos GmbH, einem Tochterunternehmen der Hansgrohe AG. Pontos hat mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH in einer Entwicklungspartnerschaft zusammengearbeitet. Die GIZ – seit vielen Jahren im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Wassersektor Jordaniens tätig – stellte für den Partner die Verbindung zur jordanischen Wasserbehörde her, die das Projekt unterstützt hat. Das im Hotel anfallende Abwasser wird durch die Anlage mechanisch-biologisch geklärt, ohne chemische Zusätze, und durch UV-Bestrahlung entkeimt. Das gereinigte Wasser entspricht den EU-Richtlinien für Badegewässer. Die Wirksamkeit der Anlage wird vom Labor der Wasserbehörde regelmäßig geprüft. Neu installierte Wasserzähler in den Hotelgebäuden ermöglichen, genaue Wasserbilanzen aufzustellen. Die Wasserbehörde nutzt die Informationen als Entscheidungsgrundlage für den Entwurf eines Wasserpasses, der nach dem Vorbild des deutschen Energiepasses als Referenz für Baustandards und Genehmigungen von Neubauten herangezogen werden soll.  

Eine Anlage für die Abwasserwiederaufbereitung muss bereits beim Bau mit eingeplant werden, da das aufbereitete Wasser und Trinkwasser in getrennten Leitungen fließen. Die GIZ, Pontos und die jordanische Wasserbehörde leisten deshalb auch viel Informationsarbeit, zum Beispiel in der Region Aqaba, wo viele neue Hotelanlagen entstehen. Sie werben dafür, von Beginn an in Aufbereitungsanlagen für Grauwasser zu investieren und so die knappen Wasserressourcen des Landes zu entlasten. Dabei geht es nicht allein um die Senkung von Betriebskosten, meint Hotelbesitzer Ramzi Nazzal: „Das Angebot unseres Hotels ist attraktiver geworden: Bei uns wird ab sofort Nachhaltigkeit mitgebucht!“  

Mali: Dogon-Land

Welterbe zwischen Schutz und Vermarktung

Willkommen im Land der Dogon, der Perle von Westafrika – so begrüßt ein lokales Tourismus-Büro die Besucher seiner Website. Im Osten Malis entwickelt sich ein nachhaltiger Tourismus zum Schutz der Kultur und der Naturlandschaft, die seit 1989 zum Welterbe zählt.

Die UNESCO hat ein Gebiet von 4000 Quadratkilometer gleich mit zwei Titeln geehrt: Die Felsenlandschaft von Bandiagara gilt als Weltnatur- und Weltkulturerbe. Die Volksgruppe der Dogon, zu der heute 350.000 Menschen zählen, besiedelte die steilen Felshänge vor 500 Jahren, um Schutz vor Sklavenjägern und islamischen Reitervölkern zu suchen. Erst später, als die Dogon nicht mehr durch andere Völker bedroht wurden, bauten sie ihre berühmten Lehmhäuser auch auf dem Plateau und in der Ebene. Der Hauptort des Siedlungsgebietes der Dogon, Bandiagara, bietet Touristen gute Hotels. Alternativ nächtigen Reisende in kleinen Herbergen in den umliegenden Dörfern.  

Die Dogon gelten als stolze, gastfreundliche Menschen. Sie beeindrucken Reisende nicht nur mit ihrer traditionellen Architektur, sondern auch mit ihrer Kultur – zum Beispiel mit den Maskentänzen und der Mystik, die von ihnen ausgeht. „Wir wollen eine Brücke schlagen zwischen Tourismus und Kultur“, sagt Angelika Frei-Oldenburg von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Sie berät im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die „Mission Culturelle de Bandiagara“. Die Behörde ist für den Schutz des Welterbes im Dogonland zuständig, sie gehört zum malischen Kulturministerium.  

Für die Dogon ist der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle. So malerisch die Landschaft auch ist – die Lebensbedingungen sind schwierig. Viele Menschen wandern in die Städte oder Nachbarländer ab, um Arbeit zu suchen. Nur einer von fünf Dogon kann Lesen und Schreiben. Traditionen und altes Wissen um die Stammesreligionen als dem kulturellen Ursprung der Dogon sowie die traditionelle Heilkunst gehen verloren. Dem wirkt die Mission Culturelle de Bandiagara entgegen. Die Menschen sollen eine Perspektive bekommen – auch durch den Tourismus. Doch die Kultur der Dogon soll nicht zur Folklore verkommen, sondern dazu beitragen, dass besonders die jungen Dogon ihre Herkunft wertschätzen. Die GIZ unterstützt sie zum Beispiel bei der Einrichtung lokaler Museen, in denen alte Kunstobjekte der Familien gesammelt und so vor dem Ausverkauf durch Kunsthändler bewahrt werden. Außerdem hilft die GIZ dabei, alte Handwerks- und Kunsthandwerkstechniken wie zum Beispiel die Lehmbauweise, Stofffärben mit Naturfarbstoffen, Weberei oder Lederverarbeitung neu zu beleben.  

Wenn Besucher die traditionelle Architektur besichtigen und die Kultur kennenlernen wollen, so ist dies ein Anreiz, Gebäude instand zu setzen und Zeugnisse der alten Kultur aufzubewahren. So entstanden in drei Dörfern mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung kleine Museen. Die Menschen brachten Alltagsgegenstände, Textilien, Masken und Skulpturen. Außer Touristen besuchen auch Schulklassen aus der Umgebung die Museen. Sie haben die Funktion von „Kulturbanken“, in denen das Wissen über die eigene Kultur gepflegt und an die nächste Generation weitergegeben wird.  

Die Dogon bekommen durch solche Projekte eine neue Perspektive auf ihre Kultur. Was als altmodisch oder alltäglich galt, wird interessant und wertvoll. Das touristische Potenzial ist groß, zwischen 2006 und 2009 haben jährlich 75.000 Reisende die Region besucht. Wegen der schwierigen Sicherheitslage ist der Tourismus im Jahr 2011 jedoch rapide zurückgegangen – für dessen Zukunft wird entscheidend sein, wie sicher sich Reisende fühlen können.

Montenegro: Entwicklung touristischer Standorte im Hinterland

Mehr als Küste und Strand

Das Hinterland Montenegros eignet sich wegen seiner abwechslungsreichen Landschaft hervorragend zum Wandern und Radfahren. Dafür wird bereits einiges geboten: Es existieren Unterkünfte, markierte Wege, Kartenmaterial sowie Kontakte zu Reiseanbietern.  

Montenegros Landschaft ist vielfältig – eindrucksvolle Bergmassive, spektakuläre Schluchten und unberührte Wälder hat das kleine südosteuropäische Land zu bieten. Die Tourismusentwicklung konzentriert sich jedoch auf die Küste, während die touristischen Potenziale des attraktiven Hinterlandes noch wenig genutzt werden. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH die Entwicklung von touristischen Standorten in der Zentralregion sowie im Norden Montenegros. In diesen weniger entwickelten Regionen Montenegros sollen dadurch neue Einkommensmöglichkeiten für die Bevölkerung entstehen.  

Im Vordergrund des Projekts steht die Entwicklung der Regionen Cetinje, Plav und des Gebiets um den Skutari-See. Die GIZ baut lokale Tourismusorganisationen mit auf und unterstützt Vereine in der Entwicklung von neuen touristischen Angeboten wie zum Beispiel Kletterrouten oder Mountainbiking. Gemeinsam mit der Regierung Montenegros arbeiten GIZ-Experten an einem Konzept zur Etablierung des Wander- und Radtourismus in Montenegro. Eine gute Basis dafür bietet das 6.000-Kilometer umfassende Wegenetz, das heute das Hinterland mit den bekannten Küstenregionen verbindet.  

Auch der Agrotourismus wächst in Montenegro. So wurde am Skutari-See eine Weinstraße gegründet. Dort verkaufen montenegrinische Winzer ihren lokal produzierten Wein. Gleichzeitig werden Unterkünfte für Touristen geschaffen und Restaurants gegründet. Die Weinstraße erfreut sich immer größerer Beliebtheit. 30 Weinkeller sind mittlerweile ausgebaut und registriert. Darüber hinaus betreibt der Weinverband das Management und das Marketing komplett selbstständig.  

In den letzten Jahren stiegen am Skutari-See die Einnahmen, sodass 13 neue Ranger eingestellt werden konnten. 26 neue Betriebe wurden gegründet, die Waren und Dienstleistungen für  Touristen  anbieten. In Plav etablierte sich die lokale Tourismusorganisation, die unter anderem Wanderkarten anbietet, die mithilfe der GIZ erstellt wurden. Seit vier Jahren führen zwei nationale Agenturen als Geschäftspartner für vier internationale Reiseveranstalter Plav und Prokletije in ihren Programmen. 25 nationale Reiseveranstalter vermarkten mittlerweile Cetinje und den Skutari-See als Ausflugsziele.  

Damit die Investitionen in  Infrastruktur, Unterkünfte und Weinkeller dauerhaft zu einem besseren Einkommen für die Bevölkerungen führen, muss die Zahl der Gäste weiter steigen. Das mit GIZ-Unterstützung entwickelte Konzept findet in der Fachwelt große Anerkennung: Der Deutsche Reiseverband würdigte die Wander- und Radwege mit der Verleihung der EcoTrophea 2011 für die nachhaltige Gestaltung des Wegenetzes, das ursprüngliche Hirten- und Wanderpfade sowie alte Handelsrouten nutzt, um die Touristen durch die weitgehend unberührte Natur zu führen. Auf ökologischen und kulturellen Lehrpfaden werden die Besucher für den Schutz der Umwelt und Kultur sensibilisiert.

Untere Donau: Regionale Tourismusentwicklung

Fluss der Zusammenarbeit

2.857 Kilometer erstreckt sich die Donau vom Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer. Zehn Anrainerstaaten teilen sich seine Ufer. Während der Donau-Tourismus im Westen seit Jahrzehnten boomt, entwickelt sich der Sektor im Osten erst allmählich zum Motor für die Entwicklung der Region.  

Eine Fahrt entlang der Donau ist wie eine Zeitreise durch die Geschichte Europas. Reisende treffen auf historische Sehenswürdigkeiten aus römischer, byzantinischer, osmanischer und habsburgischer Zeit. Die Donau verbindet die Länder – doch die politischen Entwicklungen haben in den Köpfen eine Grenze zwischen der oberen und unteren Donau geschaffen.  

Im Westen – zwischen Schwarzwald und Budapest – ist der Donauradweg ein Tourismusklassiker geworden. Die südlich und östlich gelegenen Donauländer wurden erst später für den Tourismus entdeckt. Dabei hat die Region viel an ursprünglicher Natur und kulturellem Erbe zu bieten. Zum Beispiel den Naturpark Kopački Rit im Nordosten von Kroatien. Das Sumpf- und Überschwemmungsgebiet ist ein Lebensraum für 2.000 Tierarten, darunter Silberreiher, Moorenten und Seeadler. Touristen können diese Naturlandschaft per Fahrrad auf dem Donauradweg erkunden. Die Zahl der Gäste steigt stetig, vor allem aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und den Niederlanden. Unterwegs finden sie eine inzwischen gut ausgebaute Infrastruktur. „Wir haben das Potenzial des Tourismus an der Donau für uns entdeckt – mithilfe des Donaukompetenzzentrums“, sagt die Betreiberin eines Bike & Bed-Gästehauses in der Nähe des Naturparks.  

Im Donaukompetenzzentrum (Danube Competence Center, DCC) haben sich seit 2009 zahlreiche Privatunternehmen sowie staatliche und nicht-staatliche Institutionen aus Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, der Ukraine und Moldau zusammengeschlossen. „Die Idee ist, eine regionale Kooperations- und Marketingplattform zu schaffen. Die beteiligten Unternehmen und Institutionen können sich beraten lassen oder gemeinsam grenzübergreifende touristische Produkte entwickeln“, sagt Daniela Schily von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH, die das DCC im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt.  

Die Aktivitäten des DCC mit Sitz in Belgrad basieren auf der EU-Donaustrategie, deren Ziel es ist, die nachhaltige wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Mittel- und Osteuropas zu beschleunigen. Das DCC hat schnell eine Dynamik in Gang gesetzt. So sind erste Projekte der länderübergreifenden Zusammenarbeit zustande gekommen: „Wir haben 2011 erstmals eine Dreiländer-Tour durch Bulgarien, Rumänien und die Ukraine angeboten“, freut sich Natascha Goriup, Geschäftsführerin der Salix Eco Tours, einem Mitglied des DCC. „Vor Ort haben wir mit lokalen Partnern zusammengearbeitet, damit diese den Reisegruppen die Besonderheiten des jeweiligen Landes nahe bringen. Doch die Touristen haben auch erfahren, was die Länder verbindet.“  

Das DCC fördert gemeinsame Messeauftritte, unterstützt bei Investitionsentscheidungen – zum Beispiel als ein serbischer Unternehmer ein Schiff für Flusskreuzfahrten angeschafft hat –  und regt die Länder an, ihre nationalen Tourismusstrategien miteinander abzustimmen. Inzwischen sind alle vom Nutzen der Zusammenarbeit überzeugt: „Es gibt keine Grenzen mehr“, sagt Ivo Marinov, stellvertretender Minister für Wirtschaft, Energie und Tourismus in Bulgarien. „Der Handel und die Mobilität der Menschen sind einfacher geworden. Das ist ein wichtiger Schritt für die Wirtschaft und den Tourismus entlang der Donau.“

GIZ-Veranstaltungsprogramm auf der Tourismusmesse ITB

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