31.05.2012

Projekt für Kleinwasserkraftanlagen in Afghanistan gewinnt den „Global Green Award“

Bonn/Eschborn. Ein Projekt für den Bau von Kleinwasserkraftanlagen, das abgelegenen Regionen im Nordosten Afghanistans verlässliche erneuerbare Energien bringen soll, ist mit dem begehrten Ashden Award ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit den Beratern von INTEGRATION nahm die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ein Preisgeld von etwa 20.000 GBP entgegen. Die viel beachtete Feier fand in London im Anschluss an ein Treffen mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen von Wales und weiteren Preisträgern im Clarence House statt.

Die Juroren sagten: „Dies ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie die Nutzung natürlicher Energiequellen einer leidgeprüften Region neue Einkommensmöglichkeiten, Chancen und Hoffnung bringen kann. Und die Arbeit für ein gemeinsames Ziel bringt verschiedene Gemeinschaften im Nordosten Afghanistans zusammen, was Misstrauen und Konflikte abbaut.“

Bei der Preisverleihung sagte David Hancock von der GIZ: „Wir freuen uns sehr über diese renommierte Auszeichnung. Das von der deutschen Bundesregierung finanziell unterstützte Projekt hat bewiesen, dass eine zuverlässige Stromversorgung für Gemeinschaften, Organisationen und kleine Betriebe, gerade in den abgelegenen Gebirgsprovinzen Afghanistans, von entscheidender Bedeutung ist.“

Und Oliver J. Haas von INTEGRATION ergänzte: „Die Zusammenarbeit mit Gemeinschaften vor Ort stellt sicher, dass unsere Aktivitäten nachhaltig sind und künftigen Generationen nutzen. Zudem stärkt der Zugang zu erneuerbaren Energien wirtschaftliche Entwicklung, lokale Regierungsführung und Stabilität.“

Überreicht wurde die Auszeichnung von Dr. Kandeh Yumkella, Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) und Vorsitzender von UN-Energy. In seiner Grundsatzrede rief er die Regierungen der Welt auf, die Chance, die sich mit der Rio+20-Konferenz im Juni bietet, zu nutzen und Wegbereiter sauberer Energien wie die GIZ und INTEGRATION verstärkt zu fördern.

Dazu Dr. Yumkella: „Die Beschlüsse, die im Juni in Rio gefasst werden, werden sich auf Generationen hinaus auswirken. Weltweit müssen Regierungen jetzt handeln und sich auf die richtigen Strategien und Investitionsanreize verständigen, die diese und andere Spitzeninitiativen für nachhaltige Energie fördern, bevor es zu spät ist.“

Dank finanzieller Unterstützung von der deutschen Regierung (rund 6 Mio. USD im Jahr 2011) und in Zusammenarbeit mit der afghanischen Regierung haben die GIZ und INTEGRATION in Badachschan sechs Kleinwasserkraftanlagen errichtet. Mit einer installierten Gesamtleistung von 1,3 MW versorgen sie erstmals 63.000 Menschen, 110 öffentliche Einrichtungen und 645 Kleinbetriebe 24 Stunden am Tag mit Strom.

Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ist ein weltweit tätiges Bundesunternehmen. Sie unterstützt die Bundesregierung in der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung und in der internationalen Bildungsarbeit. Die GIZ trägt dazu bei, dass Menschen und Gesellschaften eigene Perspektiven entwickeln und ihre Lebensbedingungen verbessern.

Aufruf zur Einreichung von Beiträgen zu den Ashden Awards 2013
Ab sofort können Projektvorschläge für die Ashden Awards 2013 eingereicht werden. Ausführliche Angaben zu Gesamtpreis, Kriterien und Bewerbungsunterlagen finden sich auf der Ashden-Website unter: www.ashden.org/apply

Die wichtigsten Fakten

  • In Badachschan haben nur 3 Prozent der Haushalte Zugang zu Elektrizität.
  • 84 Prozent der Bevölkerung Afghanistans sind nicht ans Stromnetz angeschlossen.
  • Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 501 USD pro Kopf und Jahr

Kommentare
Abdullah, ein Schneider in Nalan, erzählt: „Nähen habe ich in einem Flüchtlingslager in Pakistan gelernt, in das ich mit meiner Familie vor den Kämpfen geflohen war. Vor sieben Jahren kehrte ich zurück und eröffnete ein Geschäft. Strom habe ich seit einem Jahr – dadurch hat sich viel verändert.“

Dawlat Mohammad, Gouverneur des Distrikts Jurm, wundert sich: „Wenn es Sicherheitsmängel gibt, nehmen die Leute das hin. Wenn es kein Wasser gibt, nehmen die Leute das hin. Aber wenn nur eine Nacht lang der Strom ausfällt, kommen sie alle und hämmern an meine Tür!“

Redaktionelle Hinweise

  1. Die Ashden Awards wurden 2001 ins Leben gerufen, um die verstärkte Nutzung nachhaltiger Energien zu fördern und so den Klimawandel einzudämmen und Armut zu lindern. Seitdem wurden mehr als 140 Spitzeninitiativen für nachhaltige Energie in Großbritannien wie auch in Entwicklungsländern ausgezeichnet, die die Lebensbedingungen von 33 Millionen Menschen in der ganzen Welt verbessert und jährlich 4 Millionen Tonnen CO2 eingespart haben. Schirmherr der Ashden Awards ist Seine Königliche Hoheit der Prinz von Wales (www.ashden.org).
  2. Die vier diesjährigen Preisträger aus verschiedenen Ländern und der Empfänger des Gold Award konnten sich über ein Preisgeld von insgesamt 120.000 £ freuen, das eine Ausweitung ihrer Arbeit erleichtert.
  3. Die GIZ und INTEGRATION wurden für ihre Arbeit im Bereich ländliche Elektrifizierung mit dem Award for Rural Electrification ausgezeichnet.
  4. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2012 zum „Internationalen Jahr der nachhaltigen Energien für alle“ (International Year of Sustainable Energy for All) ausgerufen. In diesem Zusammenhang hat UN-Generalsekretär Ban Ki-moon die neue weltweite Initiative – Sustainable Energy for All – auf den Weg gebracht, die bis 2030 drei Hauptziele erreichen soll: Sicherung eines universellen Zugangs zu modernen Energiedienstleistungen, Verdoppelung der Rate bei der Steigerung der Energieeffizienz sowie Verdoppelung des Anteils erneuerbarer Energien am globalen Energiemix. www.sustainableenergyforall.org
  5. Dr. Kandeh K. Yumkella ist Generaldirektor der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (UNIDO) und Vorsitzender von UN-Energy, eines Koordinationsmechanismus der Vereinten Nationen im Energiebereich. Er spielt eine zentrale Rolle auf internationaler Ebene bei der Sensibilisierung für die drei Hauptziele der UN-Initiative „Nachhaltige Energie für alle“: Sicherung eines universellen Zugangs zu Energie, Steigerung der Energieeffizienz und verstärkter Einsatz erneuerbarer Energien.
  6. Weltweit haben rund 1,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer modernen Energieversorgung, und 3 Milliarden sind auf „traditionelle Biomasse“ und Kohle als wichtigste Brennstoffquellen angewiesen.