Partnerschaften für die Recyclingwirtschaft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung armutsorientierter und umweltverträglicher Kreislaufwirtschaftskonzepte
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Überregional
Gesamtlaufzeit: 2003 bis 2011

Ausgangssituation

Rund 5,2 Millionen Menschen sterben laut Agenda 21 weltweit jedes Jahr an Krankheiten, die mit Entsorgungsproblemen zusammenhängen. Ungeregelt, „wild“ abgelagerter Müll verschmutzt Städte, Boden, Luft und Gewässer und ist ein ernsthaftes Risiko für die öffentliche Gesundheit. Das überproportionale Anwachsen der Städte stellt viele Kommunen vor eine kaum zu lösende Aufgabe.

Dass viele Städte nicht völlig im Müll versinken, ist unter anderem den Aktivitäten der informell arbeitenden Abfallsammler zu verdanken. Je nach Land gibt man ihnen verschiedene Namen: pepenadores, catadores, waste pickers und andere. Sie sammeln, sortieren, recyceln, und verdienen damit ihren meist geringen Lebensunterhalt – häufig unter umwelt- und gesundheitsschädigenden Bedingungen. In der Regel sind mehr als die Hälfte der so Arbeitenden Frauen. Verschiedene Quellen schätzen, dass zwischen 15 und 50 Millionen Menschen weltweit im informellen Abfallsektor arbeiten. Eine genauere Zahl ist wegen der Informalität und der schwankenden Materialienpreise, deren Höhe die Anzahl der Abfallsammler beeinflusst, schwer zu ermitteln.

Die Arbeit der öffentlichen Hand oder privater Entsorger und die des informellen Sektors sind selten aufeinander abgestimmt. Tendenzen wie die Privatisierung der Entsorgungsdienstleistungen bergen die Gefahr, dass der informelle Sektor seine Nischenfunktion verliert. Es fehlen Konzepte, die den informellen Sektor in eine kreislauforientierte Abfallwirtschaft nachhaltig einbeziehen.

Ziel

Der informelle Sektor wird in Abfallprojekten der internationalen Zusammenarbeit verstärkt berücksichtigt. Konzepte und Instrumente zur Integration des informellen Sektors in die Abfallwirtschaft wurden entwickelt und in Pilotvorhaben erprobt. Die Ergebnisse wurden in Arbeitsgruppen und Fachkonferenzen sowie über Publikationen verbreitet.

Vorgehensweise

Grundprinzip des Vorhabens war es, die öffentliche Hand, den formellen und den informellen Privatsektor zusammenzubringen. Das Projekt unterstützte die Erarbeitung nationaler und lokaler Abfallwirtschaftspläne, in denen die Rolle der informellen Arbeiter berücksichtigt wird. Die zuständige Behörde oder Stadtverwaltung kann den informellen Sektor so in die Sammlung oder die Sortierung einbeziehen.

Das Projekt unterstützte, dass sich informelle Arbeiter in Kooperativen oder Kleinunternehmen organisieren, sich offiziell registrieren und sich zu Technik- und Managementfragen fortbilden. Die Behörden haben so eindeutige Ansprechpartner und die Kooperativen können sich gemeinsam eine bessere Stellung auf dem Recyclingmarkt sichern. Auch die Identifizierung neuer Aktivitäten – in der Sortierung und Kompostierung oder bei der Herstellung neuer Produkte aus Abfällen – kann Arbeitern, die bisher nur Abfälle sammeln und weiterverkaufen, neue, bessere Einkommensmöglichkeiten bieten.

Bei Ausbildung, Know-how-Transfer, Networking und Vermarktungsstrategien förderte die GIZ die Kooperation mit der nationalen und internationalen Privatwirtschaft. So konnten die informellen Recycler auch neue Geschäftsbeziehungen aufbauen.

Das Projekt entwickelte Materialien und Studien, die die Entscheidungsfindung bei der Integration des informellen Sektors transparenter machte. So untersuchte eine Studie den ökonomischen Einfluss, den die Einbeziehung von Wertstoffsammlern auf eine Gemeinde hat – ein wichtiger Faktor für Entscheidungsträger in Kommunen.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Das Beratungsprojekt erarbeitete Studien, Leitfäden und methodische Ansätze, um die Leistung informeller Arbeiter zu analysieren und sie in das offizielle Abfallwirtschaftssystem einzubeziehen. In Pilotmaßnahmen wurden um Konzepte zur Einbindung informeller Abfallsammler erprobt und weiterentwickelt. Die Aktivitäten fanden in Brasilien, Mosambik, Chile, Costa Rica, Indien und auf den Philippinen statt.

Mosambik: Organisation und Einbindung informeller AbfallsammlerDie GIZ unterstützte die Registrierung und Ausbildung von informellen Abfallsammlern im Großraum Maputo, damit sie ihre Tätigkeiten effizienter und mit höherer Qualität durchführen können. Die Stadtverwaltung nahm die Sammler als Dienstleister für die Abfallsammlung in den ärmeren Stadtteilen unter Vertrag. Die Hälfte der ärmeren Stadtteile wird heute von den Kleinunternehmen abgedeckt, dadurch haben zusätzlich 500.000 Menschen Zugang zur Abfallentsorgung. In den neuen Kleinunternehmen wurden 250 Arbeitsplätze geschaffen. Die GIZ errichtete außerdem ein Zentrum für die Sortierung und Vorbehandlung von Wertstoffen. Das Recyclingzentrum verkauft hochwertige, recycelte Kunststoffe an die lokale Recyclingindustrie und ist unabhängig von externer finanzieller Unterstützung. Die Mitarbeiter haben ein deutlich höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen als in ihrer vorherigen Tätigkeit.

Indien: Unterstützung informeller Recycler von elektronischen AbfällenIn Indien recyceln zahlreiche informelle Arbeiter elektrische und elektronische Abfälle. Dabei setzen sie sich durch unsachgemäße Recyclingtechniken extremen Gesundheitsrisiken aus und verursachen erhebliche Umweltschäden. In Zusammenarbeit mit dem Umweltprogramm „Advisory Services in Environmental Management“ (ASEM) hat das Beratungsprojekt eine Studie zum informellen Recycling in Delhi und Bangalore durchgeführt. Die informellen Recycler erhielten Fortbildungen über Gefahren ihrer Arbeit und sachgerechte Recyclingtechniken. Abschließend schlossen sich mehrere kleine Recycler elektronischer Abfälle zusammen und konnten sich offiziell registrieren lassen. Bei der Behandlung gefährlicher Substanzen arbeitet das neue Unternehmen mit einem erfahrenen, formellen Recycler zusammen. Das neu gegründete und registrierte Unternehmen hat sich auf dem Markt etabliert und bietet seinen Angestellten eine verbesserte Arbeitssituation.