Förderung der Bildung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Förderung der Bildung (PACE)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Guatemala
Politischer Träger: Ministerio de Educación (MINEDUC)
Gesamtlaufzeit: 2005 bis 2013

Indigene Lehrerin in Guatemala beim Unterricht in Spanisch als Zweitsprache. © GIZ

Ausgangssituation

Die guatemaltekische Regierung hat in kurzer Zeit große Erfolge erzielt und den Zugang zur Primarschulbildung erheblich verbessert. 2007 betrug die Einschulungsrate 95 Prozent. Zudem wurden wichtige Schritte unternommen, um auch das Angebot und den Zugang zur Sekundarschulbildung, insbesondere im ländlichen Raum, zu erweitern.

Die Qualität der Bildung in Guatemala ist jedoch weiterhin unzureichend. Dies belegen die Bildungsindikatoren: 27 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind Analphabeten, die Wiederholungsrate nach dem ersten Schuljahr liegt bei 24 Prozent und nur 61 Prozent der Schüler schließen die Grundschule ab. Dies wirkt sich auch auf die Sekundarschulbildung aus: Die Einschulungsrate auf der Sekundarstufe liegt bei 38 Prozent. Signifikante Unterschiede bestehen zwischen dem ländlichen und dem städtischen Raum sowie zwischen indigener und nichtindigener Bevölkerung. Der Unterricht in der Muttersprache spielt eine Schlüsselrolle bei der Verbesserung der Bildungsqualität, jedoch werden weiterhin viele indigene Schüler nur in Spanisch unterrichtet und nicht in ihrer Muttersprache, was ihre schulische Entwicklung behindert.

Guatemala benötigt gezielte Unterstützung, die auch an den strukturellen Ursachen der beschriebenen Defizite ansetzt, um das öffentliche Bildungsangebot und die Bildungsqualität nachhaltig zu verbessern. Insbesondere die Barrieren aufgrund ethnischer, geschlechtsspezifischer und regionaler (ländlicher/urbaner) Zugehörigkeit müssen beseitigt werden. Im Kampf gegen die Armut und zur Förderung des Friedensprozesses spielt verbesserte Grundbildung eine Schlüsselrolle.

Ziel

Die Bildung in Guatemala, insbesondere im ländlichen Raum, entspricht den Erfordernissen einer multiethnischen Gesellschaft im Modernisierungsprozess.

Vorgehensweise

Das Programm zur Förderung der Qualität der Bildung (Programa de Apoyo a la Calidad Educativa – PACE) arbeitet gemeinsam mit dem guatemaltekischen Bildungsministerium auf nationaler und departamentaler Ebene an der Reform des Bildungssystems.

Mit der KfW Entwicklungsbank sowie rund zwölf weiteren Geberorganisationen wird im Rahmen des Netzwerks der internationalen Agenturen im Bildungssektor ein konstruktiver Dialog geführt und Koordination angestrebt.

Thematische Schwerpunkte des Programms:

  • Bildungsmanagement: Stärkung der institutionellen und fachlichen Leistungsfähigkeit der departamentalen Bildungsdirektionen im Zusammenhang mit der Dezentralisierung des Bildungssektors
  • Interkulturelle zweisprachige Erziehung (IZE): Förderung der IZE auf Vorschul- und Primarschulstufe im Rahmen des nationalen Lehrerfortbildungsplans; Eltern und lokale Gemeinden werden einbezogen
  • Ländliche Sekundarschulbildung: Identifizierung formaler und non-formaler Bildungsangebote im ländlichen Raum, die den Erfordernissen des lokalen Arbeitsmarktes und den Bedürfnisse der Bevölkerung besser entsprechen
  • Bildung für Nahrungs- und Ernährungssicherheit: Vermittlung und Stärkung der Lebenskompetenzen der Schüler; die Eltern werden einbezogen

Das Vorhaben fördert die institutionelle Leistungsfähigkeit und die individuellen Kompetenzen des Personals des Bildungsministeriums und kombiniert pädagogische Fachberatung mit Management- und Organisationsberatung auf lokaler, departamentaler und nationaler Ebene. Der Einbezug lokaler, im Bildungsbereich tätiger Nichtregierungsorganisationen ist zudem ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Durch die Zusammenarbeit mit Pilotschulen der Primarschul- und Sekundarschulstufe hat das Programm dazu beigetragen, die Einführung des nationalen Basiscurriculums voranzutreiben. Es hat dazu Unterrichtsmaterialien und -methoden entwickelt und insbesondere der interkulturellen zweisprachigen Erziehung, dem Unterricht in den Mayaprachen sowie auf Spanisch als Zweitsprache, neue Impulse verliehen. In 393 Schulen wurden außerdem Schulentwicklungsprojekte durchgeführt und dabei die Einbeziehung von Eltern und lokalen Gemeinden gefördert. Damit wurde erreicht, dass der Unterricht den lokalen Bedürfnissen und dem soziokulturellen Kontext besser entspricht und das lokale Schulmanagement verbessert wurde.

Auf Grundlage dieser Erfahrungen, und mit einem partizipativen Ansatz, hat das Programm seit 2010 ein enges Kooperationsprogramm auf nationaler und departamentaler Ebene mit dem Bildungsministerium vereinbart, um die Nachhaltigkeit seiner Wirkungen sicherzustellen.

Schulkinder in Guatemala benutzen die mobile Minibibliothek. © GIZ

Zwischen 2010 und 2012 hat sich auf zentraler Ebene die Beratung des Vorhaben auf den nationalen Bildungsrat und zwei seiner Mitgliedsorganisationen ausgeweitet: den Nationalrat für Mayabildung und die nationale Lehrergewerkschaft. Der Dialog zwischen der zivilgesellschaftliche und der staatlichen Institutione war erfolgreich für die Einführung von Diskussions- und Analyserunden über zentrale Themen der Bildungsqualität im Land: über die Reform der Grundausbildung und der beruflichen Weiterbildung der Lehrer sowie über den Wechsel von einem System administrativer Aufsicht von Dozenten zu einem System, das pädagogische Förderung im Klassenraum betont.

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