Wirtschaft als Motor für Entwicklung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung im Norden und in Kabul, Afghanistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Afghan Ministry of Commerce and Industries (MoCI)
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2014

Afghanistan. Die GIZ unterstützte die afghanische Industrie- und Handelskammer bei der Durchführung landesweiter Wahlen. © GIZ.

Ausgangssituation

Obwohl sich die wirtschaftliche Situation Afghanistans in den letzten Jahren verbessert hat, zählt das Land nach wie vor zu den ärmsten der Welt. Die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung wird auf etwa 50 Prozent geschätzt. Die Sicherheitslage ist unsicher und wirkt sich negativ auf das Wirtschafts- und Investitionsklima aus. Trotz Reformen der rechtlichen und regulativen Rahmenbedingungen bestehen gravierende Defizite für die Entwicklung des Privatsektors, dessen Wettbewerbsfähigkeit noch unzureichend ist.

Die afghanische Regierung hat den Ausbau förderlicher Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Privatsektors oben auf die Agenda der Nationalen Entwicklungsstrategie gesetzt. Die Verwaltungseinheiten in Kabul und im Rest des Landes können die Maßnahmen zur Wirtschaftsförderungen jedoch häufig nicht umsetzen, da den Mitarbeitern das fachliche Know-how fehlt und die Verwaltungen nicht ausreichend organsiert sind, um diese Aufgabe zu bewältigen. Diese Situation führt zu stagnierender lokaler Wertschöpfung, rückläufigen Wachstumsraten, Arbeitslosigkeit, geringem Einkommen und schließlich zu Armut.

Ziel

Die Wettbewerbsfähigkeit in ausgewählten Sektoren der afghanischen Privatwirtschaft ist verbessert und führt zu höheren Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten für Frauen und Männer.

Vorgehensweise

Das Projekt hat sich auf fünf Provinzen im Norden Afghanistans, Balkh, Baghlan, Kunduz, Takhar und Badakhshan, fokussiert.

Das Projekt unterstützte kleinste, kleine und mittlere Unternehmen der Wertschöpfungsketten Halbedelsteinverarbeitung, Milchproduktion und -verarbeitung, Kaschmirverarbeitung, Wollspinnerei und Teppichverarbeitung, Saftverarbeitung, Trockenfrüchte, Lederverarbeitung und Tomatenpaste.

Mithilfe des Projekts hat die Exportförderagentur Afghanistans ihre Organisation neu aufgestellt. Auch mit der afghanischen Industrie- und Handelskammer (ACCI) arbeitete das Projekt eng zusammen. Die Kammer wurde bei ihren landesweiten Wahlen unterstützt, wodurch sich ihre Einflussmöglichkeiten für die Interessen der privaten Wirtschaft bei der Regierung verbessert haben.

Zugleich wurde mit der Bildung von 21 Provinzkammern das Serviceangebot für Unternehmen auf Provinzebene verbessert. Eine Gender-Abteilung wurde geschaffen, die sich speziell auf Anfragen weiblicher Unternehmerschaft konzentriert.

Mit dem Dachverband der Gilden hat das Projekt dessen Serviceangebote erweitert und die Ausweitung auf neue Provinzen unterstützt. Das Projekt stärkte den Dachverband darin, die Interessen der kleinsten, kleinen und mittlere Unternehmen im öffentlich-privaten Dialog zu vertreten. Auf Regierungsebene hat das Projekt Sektorarbeitsgruppen beraten, die die entstandenen Wertschöpfungsketten weiter verbessern wollen. Sie erstellten Aktionspläne für die verschiedenen Branchen und setzen diese gegenwärtig um.

Das Projekt hat das Ministerium für Handel und Industrie (MoCI) dabei beraten, einfachere Exportprozeduren einzuführen und regionale Handelsabkommen abzuschließen sowie neue Gesetzesinitiativen zu Gunsten des Privatsektors zu erarbeiten. Gleichzeitig unterstützte es den Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO und den Abschluss des afghanisch-pakistanischen Handels- und Transitabkommens. Seit September 2013 ist Afghanistan dem Zollabkommen des Internationalen Straßengütertransports (TIR) offiziell beigetreten. Damit eröffnen sich neue Handelswege vom Persischen Golf bis nach China.

2014 ging das Projekt im neuen Programm „Privatwirtschaftliche Entwicklung und Beschäftigungsförderung“ auf.

Wirkungen

Durch die Verbesserung der lokalen Produktions- und Vermarktungsprozesse für Produkte wie Teppiche, Kaschmirwolle, Obst und Edelsteine entstanden in den Nordprovinzen knapp 4.000 neue Arbeitsplätze. 15.000 Menschen konnten dadurch ein höheres Einkommen erzielen.

Afghanistan. Frauenprojekt in Kabul, Ausbildung an Spinnrädern. © GIZ

Das Ministerium für Handel und Industrie (MoCI) hat Exportprozeduren vereinfacht und neue Handelsabkommen abgeschlossen. Neue Gesetzesinitiativen bereiten den Boden dafür, dass die Privatwirtschaft wettbewerbsfähiger wird. In einem Forum treffen Vertreter aus öffentlichen Verwaltungen und Regierungen auf nationaler und Provinzebene mit Vertretern der Privatwirtschaft zusammen und erarbeiten gemeinsam Reformmaßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Branchen.

Da Industrie- und Handelskammer und die Exportförderagentur heute besser aufgestellt sind, können sie die Interessen der Privatwirtschaft besser vertreten. Die Kammer verzeichnet einen deutlichen Mitgliedszuwachs, besonders im Norden.