Bessere Schulbildung für Afghanistan

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Förderung der Grund- und Sekundarbildung in Afghanistan (BEPA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Ministry of Education
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2016

Afghanistan. Lehrkräfte werden in lernerzentrierten Unterrichtsmethoden weitergebildet. © GIZ

Ausgangssituation

Überfüllte Klassenzimmer in baufälligen Gebäuden und schlecht ausgebildete Lehrkräfte – das ist vielerorts Alltag im Norden Afghanistans. Zwischen 2003 und 2013 ist die Zahl der Kinder, die eine Schule besuchen, von knapp 4 Millionen auf über 9 Millionen gestiegen, davon sind fast 40 Prozent Mädchen. Nach statistischen Angaben der Regierung für 2010 besuchen 74 Prozent der Mädchen und 98 Prozent der Jungen im Grundschulalter eine Schule. Das afghanische Bildungssystem ist diesem Ansturm nicht gewachsen. Es fehlen Gebäude, Lern- und Lehrmittel, vor allem aber qualifizierte Lehrkräfte. Zurzeit unterrichten 200.000 Lehrkräfte 9 Millionen Kinder. Bis 2020 benötigt das Land zusätzlich etwa 100.000 qualifizierte – insbesondere weibliche – Lehrkräfte, die zeitgemäßen, qualitativ hochwertigen Unterricht anbieten sollen.

Ziel

Das afghanische Bildungsministerium hat die Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Lehrerausbildung geschaffen.

Vorgehensweise

Das Projekt unterstützt die Abteilung für Lehrerbildung des afghanischen Bildungsministeriums dabei, Wissen und Handlungskompetenzen für schülerzentrierte Unterrichtsmethoden, mit dem Schwerpunkt Mathematik und Naturwissenschaften, aufzubauen. Außerdem wird die Entwicklung von Lehrplänen für Gender, Friedenserziehung und eine spezialisierte Lehrerausbildung für die Primarstufe unterstützt. Um den Lehramtsstudenten schon früh einen Einblick in die Praxis zu ermöglichen, hat das Projekt gemeinsam mit einigen Schulen ein neunwöchiges Praktikum eingeführt, das die Studierenden im letzten Jahr ihrer Ausbildung absolvieren. Derzeit entwickelt das Projekt mit seinen Partnern eine Strategie zur standardisierten, landesweiten Umsetzung dieser Praktika.

Lehrkräfte an fünf Pädagogischen Hochschulen in Nordafghanistan bilden sich kontinuierlich in Didaktik und Methodik sowie für die mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächer fort und geben das Know-how an die Lehramtsstudierenden weiter. Gleichzeitig hat die Abteilung für Lehrerbildung des Ministeriums darüber hinaus einen zertifizierten Kurs zur Gleichstellung der Geschlechter (Gender) entwickelt. Gemeinsam mit der UNESCO hat das Projekt zudem mit seinen nationalen Partnern einen Kurs zu Friedenserziehung erarbeitet, der ab 2015 an allen Lehrerausbildungsstätten eingeführt wird.

Die Partner wollen über das Fach Berufskunde/Arbeitslehre Sekundarschülern einen Einblick in die Arbeitswelt geben und sie dabei unterstützen, eine informierte Berufswahl zu treffen. Dieses Programm wird von der Beratungsfirma GFA entwickelt.

In der Provinz Takhar liegt der Fokus des Projekts, dank der finanziellen Unterstützung der Schweizer Regierung, auf Mädchenbildung. Das Projekt bildet Lehrer und die Vertreter von Schulgemeindebeiräten der Mädchenschulen fort und sorgt für örtliche Zuschüsse, mit denen die Sicherheit der Schule erhöht werden kann. Dadurch sind mehr Eltern bereit, ihre Töchter in die Schule zu schicken.

Wirkungen

Zwischen 2010 und 2013 haben insgesamt mehr als 45.000 Studierende ein Lehramtsstudium an einem Lehrerausbildungsinstitut abgeschlossen. Davon waren über die Hälfte Frauen. Zudem absolvierten fast 55.000 Lehrkräfte ohne Qualifizierung, davon gut ein Drittel Frauen, ihre Ausbildung und haben dadurch wichtige fachliche und didaktische Grundlagen erworben. Außerdem nahmen fast 55.000 nicht qualifizierte Lehrkräfte, darunter mehr als ein Drittel Frauen, an berufsbegleitenden Fortbildungsmaßnahmen teil, um grundlegende Lehrkompetenzen zu erwerben. 2013 nahmen 22.000 Frauen ein Lehramtsstudium an einem Lehrerausbildungsinstitut auf. Damit stieg die Zahl der Einschreibungen weiblicher Studierender im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent, nachdem sie bereits 2012 um 55 Prozent zugenommen hatte.

In den vom Projekt geförderten fünf Lehrerausbildungsinstituten bestanden 2013 mehr als 4.000 Studierende ihre Abschlussprüfung, über 90 Prozent von ihnen nach der Regelstudienzeit von vier Semestern. Von den Absolventen waren fast zwei Drittel Frauen.

Afghanistan. In Workshops lernen afghanische Lehrkräfte, wie sie naturwissenschaftliche Phänomene durch Experimente veranschaulichen können. © GIZ

Alle Lehramtsstudenten haben erfolgreich ein Praktikum absolviert – dies entspricht einer Steigerung um 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Studierenden zeigten sich sehr zufrieden mit dem berufspraktischen Teil ihrer Ausbildung.

2014 erprobten fünf Lehrerausbildungsinstitute den neuen Kurs zur Friedenserziehung. Ab 2015 wird der Kurs landesweit eingeführt.

2013 und 2014 nahmen über 700 Beamte aus Provinzbehörden, nationale Ausbilder sowie Beamte der Abteilung für Lehrerbildung an Fortbildungen teil. Ein Drittel der Teilnehmenden waren Frauen.