Bessere Schulbildung durch neue Standards für Lehrkräfte und Lehrpläne

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der Grund- und Sekundarbildung in Afghanistan (BEPA)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Afghanisches Bildungsministerium (Direktorat für Lehrerbildung)
Gesamtlaufzeit: 2005 bis 2019

Foto 1 Grundschule

Ausgangssituation

Überfüllte Klassenzimmer in baufälligen Gebäuden und schlecht ausgebildete Lehrkräfte sind vielerorts Alltag in Afghanistan. Der daraus resultierende Mangel an Bildung behindert weiterhin die Entwicklung Afghanistans. 70 Prozent der Frauen und etwa die Hälfte der Männer können weder lesen noch schreiben. Drei Jahrzehnte kriegerischer Auseinandersetzungen und das bildungsfeindliche Taliban-Regime haben tiefe Spuren hinterlassen. Seit 2001 hat die Bildung in Afghanistan große Fortschritte gemacht. Inzwischen gehen nach offiziellen Statistiken über neun Millionen Kinder in die Schule: Das sind 74 Prozent der Mädchen und 98 Prozent der Jungen im schulpflichtigen Alter. Es besteht weiterhin ein enormer Bedarf an qualifizierten Lehrkräften, den das afghanische Bildungssystem nicht befriedigen kann. Die Lernleistungen bei den Schülerinnen und Schülern sind gering, vor allem in den Anfangsklassen der Grundschule. Der Unterricht ist unzureichend aufbereitet, zu theoretisch und besteht größtenteils aus Auswendiglernen. Lehrkräfte sind unzureichend in der Vermittlung von Lerninhalten ausgebildet. Oft sind sie nicht in der Lage, zeitgemäßen, ziel- und altersgruppengerechten sowie qualitativ ansprechenden Unterricht anzubieten.

Ziel

Durch bessere Lehrerausbildung und -fortbildung steigt mittelfristig die Qualität von Bildung und die Lernleistungen der Schülerinnen und Schüler verbessern sich. Das afghanische Bildungsministerium schafft Voraussetzungen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität in den vier Provinzen Samangan, Badakhshan, Balkh und Herat.

Vorgehensweise

Das Projekt stärkt die Kapazitäten im Bildungsministerium zur Einführung des spezialisierten Diplomstudiengangs für das Grundschullehramt und berät das speziell für Lehrerausbildung und -fortbildung zuständige Direktorat für Lehrerbildung. Konkret erfolgt dies durch die gemeinsam abgestimmte Erarbeitung von Fächerbeschreibungen und ausführliche Unterrichtseinheiten bis hin zu Handbüchern und Arbeitsheften.

Für eine umfassende Modernisierung der Lehrtätigkeit für alle Jahrgansstufen gibt es Schulungen für Dozentinnen und Dozenten in der Lehrerausbildung in der Anwendung spezifischer Fachdidaktik und lernerzentrierter Unterrichtsmethoden.

Das Projekt stärkt das gesamte System zur Sicherung der Unterrichtsqualität: Lehrerbildungsinstitutionen, Bildungsverwaltungen und Grund- und Sekundarschulen erhalten Unterstützung, so dass alle Beteiligten die Reformmaßnahmen nachhaltig in den Institutionen und konkret im Unterricht verankern. So werden zum Beispiel Qualitätsmerkmale von Unterricht definiert und einheitliche Unterrichtsbeobachtungskriterien festgelegt. Oder es werden Schulungen zur Durchführung und Auswertung von Unterrichtsbeobachtungen angeboten.

Als Antwort auf die anhaltende Ungleichbehandlung der Geschlechter im Land werden außerdem die Themen Gender und Menschenrechte in die Lehrerausbildung integriert.

Das Projekt wird kofinanziert durch das Schweizer Direktorat für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)

Wirkungen

Ein gemeinsam mit dem Direktorat für Lehrerbildung entwickeltes Curriculum für die spezialisierte Ausbildung von Grundschullehrkräften ist offiziell verabschiedet.

Das Bildungsministerium hat mit Unterstützung des Vorhabens ein verbindliches mehrwöchiges Schulpraktikum im Schlusssemester der Lehrerausbildung eingeführt. Über Patenschaften zwischen Lehrerausbildungsinstituten (Twinning Konzept) gibt es dieses Praktikum jetzt auch in Provinzen außerhalb der vier  Schwerpunktregionen. Damit verbesserte sich der Praxisbezug der Lehrerausbildung deutlich.

Foto 2 Naturwissenschaften

Materialien und ein Trainingskonzept für das Fach Friedenserziehung sind nun landesweit in der Lehrerausbildung verbindlich. Hier konnten bereits 120 Dozierende umfassend fortgebildet werden. Die Hälfte davon unterrichtet das Fach bereits am jeweiligen Lehrerausbildungsinstitut. Eine Genderstrategie für das Direktorat für Lehrerbildung ist verabschiedet und Genderteams sind eingerichtet.

Von 2014 bis 2017 nahmen insgesamt 253 Dozierende an Trainings und 161 an Coachings teil. Evaluierungen und Unterrichtsbeobachtungen zeigten, dass 80 Prozent der Teilnehmenden ihren Unterricht nun nach schülerzentrierten und partizipativen Methoden gestalten.

Außerdem gab es Trainings für Lehrkräfte zu Berufsorientierung, zehn Besuche in Betrieben und Berufsschulen für die Klassenstufen 7 bis 9 in Kooperation mit der lokalen Wirtschaft sowie drei eigens organisierte Job-Messen. Vom verbesserten Berufsorientierungsunterricht durch die trainierten Lehrkräfte profitierten insgesamt mehr als 7.000 Schülerinnen und Schüler an zwölf Schulen.