Bewältigung der demografischen Herausforderungen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Bewältigung der demografischen Herausforderungen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Bangladesch
Politischer Träger: Ministry of Local Government, Rural Development and Cooperatives (MLGRDC); Ministry of Health and Family Welfare (MOHFW)
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2017

Schwesternschule in Sylhet, Bangladesch. © GIZ

Ausgangssituation

2016 lebten etwa ein Drittel der 160 Millionen Einwohner Bangladeschs in einer der rasant wachsenden Städte. Da Millionen Menschen den ländlichen Raum auf der Suche nach Arbeit verlassen, stieg die Zahl der Stadtbewohner 2016 auf über 56 Millionen. Durch diese Entwicklung steigt in den Städten die Nachfrage nach öffentlichen Gesundheitsleistungen.

Für diese Leistungen sind zwei Ministerien zuständig: das Ministerium für Lokalregierungen, Ländliche Entwicklung und Kooperativen (MLGRDC), das in erster Linie für die medizinische Grundversorgung in den Städten sorgt, und das Gesundheits- und Familienministerium (MOHFW), zuständig für Krankenhausversorgung und medizinische Ausbildungseinrichtungen im ländlichen Raum.

In vielen Städten des Landes sind administrative und technische Aufgaben der dem MLGRDC unterstellten Gesundheitsbehörden und der dem MOHFW angegliederten Behörden nicht klar voneinander abgegrenzt. Das hat in den Städten Sylhet, Rajshahi und Narayanganj zu fragmentierten, teilweise redundanten und damit ineffizienten Strukturen geführt. Benötigt werden daher Mechanismen, mit denen sich die Aufgaben der beteiligten Stellen effektiv koordinieren lassen.

In den letzten Jahren hat sich der Gesundheitssektor insgesamt spürbar entwickelt. Bei sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten (SRGR) gibt es jedoch nach wie vor erhebliche Defizite. Die Fertilitätsrate (durchschnittliche Zahl der Geburten je Frau) ist zwar in den letzten zwanzig Jahren gesunken, doch moderne Verhütungsmittel werden immer noch wenig genutzt und die Abtreibungsquoten sind hoch. Da nur ein Drittel aller Entbindungen von qualifiziertem Fachpersonal betreut wird, sind Komplikationen bei der Geburt keine Seltenheit. Diese Probleme sind vor allem in den Städten im Osten des Landes akut, wo das Angebot an Dienstleistungen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit begrenzt ist.

Ziel

Die städtische Versorgung durch reproduktive Gesundheitsdienstleistungen in Sylhet, Rajshahi und Narayanganj ist verbessert. Davon profitiert vor allem die arme Stadtbevölkerung.

Die Versorgunglücken bei der städtischen Bevölkerung sind geschlossen. Vor allem der armen Stadtbevölkerung steht ein verbessertes Angebot an Gesundheitsleistungen zur Verfügung.

Bangladesch © GIZ

Vorgehensweise

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die beteiligten Ministerien sowie die Gesundheitsbehörden der Städte Sylhet, Rajshahi und Narayanganj. Im Mittelpunkt des von der GIZ durchgeführten Vorhabens „Bewältigung der demografischen Herausforderungen“ steht die Verbesserung des Dienstleistungsangebots zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit in den Städten. Außerdem werden Institutionalisierung und Organisationsentwicklung im Gesundheitswesen gefördert, vor allem in den Bereichen:

  • Steuerung des Gesundheitssystems, vor allem mit Blick auf das Qualitätsmanagement und die Abstimmung der Ministerien untereinander
  • Gesundheitsinformationssysteme
  • Verbesserung der medizinischen Versorgung: von der geburtshilflichen Notfallversorgung über die Hebammenausbildung bis hin zur Gesundheitsförderung, unter besonderer Berücksichtigung von Verbraucherrechten und Bedarfen von Jugendlichen
  • Fachkräfte für das Gesundheitswesen

Seit Beginn des Projekts 2012 hat das Beratungsunternehmen EPOS das Vorhaben im Auftrag der GIZ unterstützt; 2017 wird EPOS Maßnahmen in allen Bereichen umsetzen.

Wirkungen

Seit 2012 arbeitet das Vorhaben mit der Stadtverwaltung von Sylhet zusammen, seit 2014 auch mit den Städten Narayanganj und Rajshahi. Bis jetzt wurden an den drei Projektstandorten folgende Ergebnisse erzielt:

  • In mehreren Situationsanalysen, darunter eine Bestandsaufnahme der öffentlichen und privaten Gesundheitsdienstleister, wurden die Verteilung der angebotenen Gesundheitsleistungen und deren Kosten dokumentiert.
  • Weitere Untersuchungen wurden durchgeführt: eine Studie zu gesundheitsbezogenen Verhaltensmustern, eine Studie zu Kenntnissen, Einstellungen und Verhaltensweisen von Jugendlicher in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie eine umfassende Analyse der Müttersterblichkeit.
  • Alle Akteure haben sich zur Nutzung eines einheitlichen Berichtsformats zur Weitergabe von Routinedaten an die Gesundheitsbehörden von Sylhet, Rajshahi und Narayanganj verpflichtet.
  • Das Projekt hat Standards eigens für die medizinische Grundversorgung in den Städten Bangladeschs entwickelt. Sie wurden anhand einschlägiger landesweiter Standards, nationaler Rechtsvorschriften und Strategien sowie der Angaben von Leistungsanbietern und -nutzern bewertet.
  • In Sylhet wurde die Anwendung von Standards und Instrumenten auf 20 städtische Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung ausgeweitet; in Rajshahi wurden 22 und in Narayanganj 23 Gesundheitseinrichtungen einbezogen, wodurch insgesamt 2,5 Millionen Menschen erreicht werden konnten. Die drei Stadtverwaltungen haben verschiedene Arbeitsgruppen (UHMIS-Gruppe, QM-Gruppe und EPI-Gruppe) personell ausgestattet, um die medizinische Grundversorgungsleistungen in den Städten zu verbessern und zu koordinieren sowie entsprechende Daten online zu überwachen.
  • Zurzeit reichen die Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung Routinedaten online ein, sodass die Stadtverwaltung sich regelmäßig einen Überblick über die Leistungsfähigkeit der Einrichtungen machen kann.
  • Jede Stadtverwaltung hat zu Koordinierungszwecken ein Sekretariat eingerichtet, das gebietsspezifische und zentrale Koordinationssitzungen durchführt, um den Status der medizinischen Grundversorgung in der jeweiligen Stadt zu überprüfen.
  • An den Projektstandorten haben zwei Krankenhäuser der Tertiärversorgung und eins der Sekundärversorgung das Qualitätsmanagementsystem 5S Kaizen TQM erfolgreich eingeführt. Die Maßnahme entspricht den Vorgaben des nationalen Strategieplans zur Verbesserung der Qualität von medizinischen Versorgungsleistungen.
  • 2012 hat Bangladesch erstmals Ausbildungsgänge für Hebammen eingeführt. Die ersten gemäß internationalen Standards ausgebildeten Absolventinnen haben ihre Ausbildung 2015 abgeschlossen; der zweite Jahrgang folgte 2016. Das Projekt hat den Ausbildungsgang mit einer neu entwickelten kompetenzbasierten Methode zur Bewertung klinischer Ausbildungsorte unterstützt. Ferner hat das Vorhaben ein Mentoringkonzept für die Ausbilder von im Krankenhaus tätigen Hebammen formuliert und umgesetzt. Es hat intensive Maßnahmen zur Förderung von Kompetenzen und Ressourcen an Einrichtungen für die Ausbildung von Krankenschwestern in Sylhet und Rajshahi gefördert.
  • Inzwischen haben mehr als 25.000 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 10 und 19 Jahren aus städtischen Armenvierteln an Maßnahmen zur Gesundheitsbildung teilgenommen.