Förderung des Privatsektors

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung des Privatsektors
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Politischer Träger: Ministerium für Planung und Internationale Zusammenarbeit
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2017

Ausgangssituation

Jung, arm, arbeitslos – so lässt sich die Situation der jemenitischen Bevölkerung auf den Punkt bringen. Schon vor Kriegsbeginn im März 2015 gab es für junge Männer und Frauen kaum Perspektiven. 2014 war jeder zweite Jemenit ohne Beschäftigung, die Jugendarbeitslosigkeit lag bei über 60 Prozent. In der aktuellen Kriegssituation ist die Lage desolat. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen, Importe und Exporte sind extrem erschwert. Der Zugang zu Energie, Treibstoff, Gas und Wasser, aber auch zu Finanzdienstleistungen, ist stark eingeschränkt. Unternehmen haben bereits durchschnittlich die Hälfte ihrer Angestellten entlassen müssen. Den Unternehmerinnen und Unternehmern fehlen Strategien und Unterstützung, um die Krise zu meistern. Förderliche Rahmenbedingungen für Unternehmensentwicklung müssen erst wieder geschaffen werden. Der notleidenden Bevölkerung fehlt zusätzlich der Zugang zu elementarsten Gütern, selbst Grundnahrungsmittel sind nur schwer erhältlich.

Ziel

Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Wertschöpfungsketten mit hohem Potenzial, Arbeitsplätze zu schaffen, sind verbessert.

Vorgehensweise

Das Vorhaben hat mit dem Beginn des Krieges im März 2015 und den Luftangriffen der arabischen Allianz seine Strategie den neuen Rahmenbedingungen angepasst. Es wirkt weiterhin darauf hin, Arbeitsplätze zu schaffen, ergänzt jedoch durch Ansätze, um der Bevölkerung in der aktuellen Kriegs- sowie der Nachkriegssituation schnell Erleichterungen zu verschaffen. Das Vorhaben arbeitet dabei mit Institutionen zur Förderung von kleinsten, kleinen und mittelständischen Unternehmen (KKMU) zusammen sowie mit Kammern, Verbänden, Banken, dem jemenitischen Mikrofinanznetzwerk und dem Wirtschaftsministerium. Während des Krieges wird schwerpunktmäßig mit nichtstaatlichen Partnern gearbeitet.

Das Vorhaben arbeitet in 4 Handlungsfeldern:

  1. Förderung von ausgewählten Sektoren im Wertschöpfungskettenansatz
    Um möglichst schnell Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig die Lebenssituation der Bevölkerung zu verbessern, wird stark auf die lokale Produktion und Vermarktung dringend benötigter Basisgütern gesetzt. Dies sind Güter, die im Jemen entweder rar oder gute Alternativen zu herkömmlichen teuren Produkten sind. Neu sind dabei die Wertschöpfungsketten Getreide, Biodiesel als alternativer Treibstoff und Biomasse-Haushaltskocher. Die Arbeit in den Wertschöpfungsketten Solar und Korbwaren, in denen das Vorhaben seit 2013 aktiv ist, wird fortgesetzt.
  2. Unternehmensdienstleistungen
    Vielen Unternehmen fehlen hochwertige Dienstleistungsangebote sowie gezielte Unterstützung, um ihr Geschäft insbesondere in der Krise überlebensfähig zu erhalten oder ihre Geschäftsideen umzusetzen. Das Vorhaben unterstützt den Dachverband der Kammern, den Yemen Business Club und die Agentur zur Förderung von KKMU darin, entsprechende Angebote zu entwickeln und umzusetzen. 2015 stärkt ein Pilotprojekt die Resilienz von Unternehmen im und nach dem Krieg.
  3. Verbesserung des Unternehmensumfelds und Strategieentwicklung
    Um Hemmnisse wirtschaftlicher Entwicklung, wie illegitime Steuern, zu beseitigen, wird der Dialog zwischen privaten und öffentlichen Akteuren gefördert. In der Kriegs- und Nachkriegszeit wird außerdem Business for Peace intensiv thematisiert, um den Stabilisierungsprozess zu fördern.
  4. Finanzsystementwicklung
    Mit den Partnern wird daran gearbeitet, Konzepte zur Stärkung der Resilienz von Mikrofinanzbanken in der Krise umzusetzen. Weiterhin werden Finanzprodukte für arme Haushalte entwickelt und angeboten. Der Zugang zu Kapital für KKMU soll verbessert werden, insbesondere in den ausgewählten Sektoren.

Ergänzt wird die Arbeit durch Qualifizierungsmaßnahmen, um in enger Kooperation mit dem jemenitischen Privatsektor junge Menschen schnell in Beschäftigung zu bringen, sowie durch Maßnahmen zur Stärkung der Ressourcen und Leistungsfähigkeit der Partner.

Aufgrund der aktuellen Krisensituation im Jemen setzt das Vorhaben zusätzlich nothilfeähnliche Maßnahmen um. Die existenziellen Bedürfnisse der Bevölkerung sollen so befriedigt und die Ausfälle staatlicher Dienstleistungen kurzfristig abgefedert werden. Hierzu zählen Müllentsorgung zur Reduzierung der Seuchengefahr, Erste-Hilfe-Kurse sowie die Ausbildung von Energietechnikern (Solar) und Glasern. Das Vorhaben unterstützt auch andere Vorhaben, beispielsweise im Gesundheitsbereich bei der Entwicklung und Umsetzung tragfähiger Solarkonzepte für Krankenstationen.

Wirkungen

Durch Maßnahmen für Unternehmen, Gründer und Arbeitslose in den Regionen Sana‘a, Taiz, Aden und Hadramaut wurden 2014 über 600 Menschen in Beschäftigung gebracht. Davon haben über 130 Männer und Frauen ein eigenes Unternehmen gegründet und beschäftigen nach einem Jahr bis zu 15 weitere Mitarbeiter. Mehr als 500 weitere Menschen konnten bedarfsgerecht qualifiziert und danach von Unternehmen übernommen werden. Die Maßnahmen wurden in enger Kooperation mit den Kammern, dem Yemen Business Club, der Agentur für KKMU (SMEPS) und dem jemenitischen Privatsektor durchgeführt.

2014 konnten Produzenten in ausgewählten Sektoren ihren Absatz steigern. Das Vorhaben unterstützte bei der Erschließung neuer Märkte, etwa durch Auftritte auf Fachmessen. So entstanden neue Arbeitsplätze, insbesondere für arme Frauen in ländlichen Regionen, die beispielsweise Korbwaren von Hand fertigen.

Im Solarsektor wurde 2014 mithilfe des Vorhabens der Wissens- und Technologietransfer zwischen dem Jemen und Tunesien angestoßen. Über 100 Planer, Architekten, Techniker und Berufsbildner wurden in Tunesien fortgebildet. Im Jemen ist so ein Netzwerk entstanden, um die neuen Technologien vor Ort einzuführen und Geräte technisch warten zu können. Neu entwickelte Finanzierungsmechanismen machen die Geräte auch für ärmere Bevölkerungsgruppen erschwinglich. Ein Steuerungskomittee aus privatwirtschaftlichen und staatlichen Vertretern treibt die Entwicklung des Solarsektors voran.

Mit Beratung der GIZ wurde eine sektorübergreifende Strategie zur Förderung von KKMU verabschiedet. Die maßgeblichen Akteure können nun abgestimmt handeln. Durch Dialoge zwischen Staat und Privatsektor gelang es, Abgaben zu beseitigen oder zu reduzieren, die es Frauen bis dahin erschwerten, eigene Unternehmen zu gründen, oder die Einkommen von Kleinfischern in Hadramaut stark beschnitten und die Wettbewerbsfähigkeit des Fischereisektors beeinträchtigt hatten.

Durch die Beratung der GIZ gilt die soziale- und ökologische Marktwirtschaft im Jemen als Vision für eine zukünftige Wirtschaftsordnung; sie wurde als Leitbild in die nationale Agenda aufgenommen.