Anpassung an den Klimawandel und Schutz von Biodiversität durch Schutz und nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Anpassung an den Klimawandel und Schutz von Biodiversität durch Schutz und nachhaltige Nutzung von Feuchtgebieten
Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)
Land: Türkei
Politischer Träger: Ministerium für Forst und Wasser der Türkei
Gesamtlaufzeit: 2009 bis 2011

Ausgangssituation

In der Türkei gibt es eine Reihe von Feuchtgebieten, deren Bedeutung für den Erhalt der Artenvielfalt (Biodiversität) weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Mindestens 135 dieser Gebiete werden nach den Kriterien der Ramsar-Konvention als international bedeutsam eingestuft, 13 wurden in die globale Liste der Ramsar-Feuchtgebiete aufgenommen. Die Ramsar-Konvention, ein völkerrechtlicher Vertrag, ist eines der ältesten internationalen Vertragswerke zum Umweltschutz, das 1975 in Kraft getreten ist.

Viele dieser Gebiete haben in den letzten Jahren durch eine nichtnachhaltige Nutzung jedoch an Wert verloren oder sind sogar ganz verschwunden. Drainage zur Landgewinnung und Grundwasserentnahme zur Bewässerung in der Landwirtschaft haben viele Feuchtgebiete stark negativ beeinflusst, mit beträchtlichen Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Der Klimawandel mit einer Serie von extrem niederschlagsarmen Jahren verstärkt zusätzlich den Stress für die Feuchtgebiete und beeinträchtigt ihre Funktionsweise. Nicht nur die Lebensgrundlage einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten wird damit bedroht, sondern es kommt auch zu erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen für die lokale Bevölkerung, die anfänglich oftmals nur schwer abschätzbar sind.

Ziel

Ein Modell für das Management von Feuchtgebieten in der Türkei liegt vor, das den Einfluss des Klimawandels berücksichtigt.

Vorgehensweise

Das Vorhaben finanziert sich aus Mitteln der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Auftraggeber ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Das Projekt leistet einen Beitrag zum Erhalt der ökologischen Funktionen von Feuchtgebieten sowie zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der dort lebenden Bevölkerung.

Anhand von Pilotmaßnahmen entwickelt das Projekt Managementmodelle sowohl für die Bekämpfung des Klimawandels als auch für die Anpassung an den Klimawandel. Einerseits soll gezeigt werden, wie Feuchtgebiete so gemanagt werden können, dass ihre Funktion als Kohlenstoffspeicher weitgehend erhalten bleiben. Dies betritt vor allem Torfmoore, da im Torf erhebliche CO2-Mengen gespeichert sind, die bei einem Abbau freigesetzt werden. Anhand eines weiteren Pilotvorhabens soll außerdem gezeigt werden, wie trotz Drainage und Dürre die Funktionen von Feuchtgebieten wenigstens teilweise erhalten werden können. Die flachen Steppenseen Zentralanatoliens sind besonders anfällig – selbst für relativ kleine Klima- und Wasserstandsschwankungen.

Für den Erhalt und das Management von Feuchtgebieten sind in der Türkei viele staatliche und nichtstaatliche Stellen verantwortlich. Daher ist es eine wichtige Projektaufgabe, Kompetenzen und Leistungsfähigkeit der Abteilung für Feuchtgebiete im Ministerium für Forst und Wasser so zu stärken, dass sie ihre Koordinationsaufgaben besser wahrnehmen kann.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Die Zusammenarbeit zwischen der Abteilung für Feuchtgebiete und der Staatlichen Wasserbaubehörde (DSI) ist wesentlich verbessert.. Das Projekt konnte erreichen, dass sich die DSI an der Rehabilitation eines Feuchtgebietes beteiligt: Der Steppensee Akgöl in der Provinz Konya, der Anfang der 1980er-Jahre entwässert wurde, wird so weit wie möglich wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die Wasserbaubehörde DSI baut unter fachlicher Anleitung des Projektes dort kleine Dämme und führt andere Erdarbeiten durch, sodass die Niederschläge zurückgehalten werden und sich das Sumpfgebiet langsam zurückbilden kann. Diese Maßnahme ist vor allem deshalb sehr bedeutsam, weil sich die DSI damit für die Restaurierung von Lebensräumen einsetzt, und diese auch als Beginn einer Reihe von weiteren Maßnahmen versteht. So wird bereits diskutiert, weitere zuvor entwässerte Feuchtgebiete zu rehabilitieren.

Das Projekt konnte erstmals auf Ministeriumsebene die Bedeutung von Torfmooren als Klimasenken verankern. Bei türkischen Fachleuten ist inzwischen das Bewusstsein dafür geschärft, dass Torf, ähnlich wie Wälder, als Kohlenstoffspeicher fungiert und eine wichtige Rolle für den Klimaschutz hat. Im Pilotgebiet Yenicaga in Nordanatolien wurden zahlreiche Fortbildungsmaßnahmen und Demonstrationen durchgeführt, in denen auch die Notwendigkeit eines nachhaltigen Managements der Torfmoore einschließlich der Rehabilitierung der Abbauflächen dargestellt wird. Zur Unterstützung der Schutzbemühungen führt das Projekt auch intensive Öffentlichkeitsarbeit durch, in die beispielsweise auch Schulen einbezogen sind.

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