Wirtschaftsförderung in Anatolien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wirtschaftsförderung in Anatolien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Türkei
Politischer Träger: Küçük ve Orta Ölçekli Sanayi Geliştirme ve Destekleme İdaresi Başkanlığı (KOSGEB) (Small and Medium Industry Development Organisation)
Gesamtlaufzeit: 003 bis 2015

Ausgangssituation

In wenigen Jahrzehnten hat sich die türkische Wirtschaft von einer Agrarökonomie zu einer differenzierten Volkswirtschaft entwickelt. Doch nach wie vor ist die Wirtschaftsstruktur des Landes von großen regionalen Ungleichgewichten geprägt. Den arbeitsteiligen modernen Sektoren des Westens steht in den östlichen Landesteilen eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte, traditionelle Lebensweise gegenüber. Die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2001 hat diesen regionalen Trend noch verstärkt und den Abwanderungsdruck aus den östlichen Landesteilen erhöht.

Tausende kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) kämpfen derzeit um ihr wirtschaftliches Überleben. Besonders im Osten des Landes sind Branchen- und Unternehmerverbände nur bedingt in der Lage, unternehmensorientierte Dienstleistungen für die KMU zu erbringen. Die Unternehmen sind meist nur auf die Nachfrage regionaler Märkte ausgerichtet oder arbeiten als Subunternehmer für größere Firmen in der Westtürkei. Ihr Zugang zu den Kreditmärkten ist beschränkt, Exportmöglichkeiten werden nicht ausgeschöpft und die zunehmende Zahl von Importen sowie die westtürkische Konkurrenz erschweren eine wirtschaftliche Entwicklung der Region.

Ziel

Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftskraft der kleinen und mittelständischen Unternehmen in den mittleren und östlichen Landesteilen der Türkei sind erhöht.

Vorgehensweise

Projektgebiete sind die strukturschwache Provinz Kahramanmaras und die Industriezone Ankara/Ostim.

Das Vorhaben unterstützt Unternehmen der Textil- und Nahrungsmittelindustrie sowie des metallverarbeitenden Handwerks vor allem bei der Einhaltung internationaler Qualitätsstandards, der Erschließung von Exportchancen und im kaufmännischen Management – aber auch beim Produktdesign und produktionstechnischen Arbeitsabläufen. In Zusammenarbeit mit Wirtschaftskammern und Unternehmer- und Branchenverbänden werden unternehmensnahe Dienstleistungsangebote entwickelt und eingeführt. Fach- und Führungskräfte in regionalen Niederlassungen des politischen Trägers werden on-the-job aus- und fortgebildet.

Einen Schwerpunkt der Maßnahmen bildet die Stärkung von Fachverbänden und Exportvereinigungen. Besonders dem Standortmarketing, der Imagewerbung und dem fachlichen Informationsaustausch mit ähnlich strukturierten europäischen Fördereinrichtungen wird ein hoher Stellenwert beigemessen.

Das Projekt kooperiert eng mit dem türkischen Dachverband der Industrie- und Handelskammern. Alle Fördermaßnahmen werden mit den KMU-Aktivitäten der EU koordiniert.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

In Ankara/Ostim ist es mit Unterstützung der Verbände gelungen, metallverarbeitende Betriebe und ihre Zulieferindustrie für ein gemeinsames Standortmarketing zu gewinnen. Fertigungsmaßnahmen sind nun nach internationalen Qualitätsstandards ausgerichtet, die Arbeitsteilung zwischen Endfertigung und Zulieferbetrieben erfolgt nach kooperativen Kostenvorteilen und Messeveranstaltungen werden gemeinsam organisiert. Mit den Branchenverbänden wurden branchenspezifische Dienstleistungs- und Beratungsangebote konzipiert und umgesetzt.

Bei der Trocknung von Peperoni in der Provinz Kahramanmaras kam es immer wieder zu Qualitätsmängeln, die durch die Vermittlung technologischen Know-hows beseitigt werden konnten. Auch in der Verarbeitung von Edelstahl und der Herstellung von Goldschmuck konnten erhebliche Verbesserungen erzielt werden.

Für den Textil- und Bekleidungssektor Kahramanmaras mit seinen 330 Betrieben und 16.000 Beschäftigten wurde der Zugang zu internationalen Märkten mit Unterstützung des Bekleidungsverbandes Istanbul maßgeblich erweitert, Produktions- und Qualitätsstandards der Betriebe konnten entscheidend verbessert werden.

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