Agrar- und ländliche Finanzierung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Agrar- und ländliche Finanzierung (AGRUFIN)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Uganda
Politischer Träger: Ministry of Finance, Planning and Development (MoFPED), Zentralbank (Bank of Uganda)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2017

Uganda. Frauen in Karamoja mit vorbereiteten Ersparnissen für ein Treffen ihrer informellen Sparergruppe. © GIZ

Ausgangssituation

Mehr als 85 Prozent der ugandischen Bevölkerung lebt im ländlichen Raum. Unter der armen Bevölkerung sind es sogar 95 Prozent. Die Landwirtschaft trägt jedoch nur 22 Prozent zur gesamten Wertschöpfung des Landes bei. Die Nahrungsmittelproduktion deckt kaum den Bedarf der stark wachsenden Bevölkerung.

Bedarfsgerechte Finanzdienstleistungen können entscheidend dazu beitragen, das Potenzial des ländlichen Raums und der Landwirtschaft freizusetzen. Bisher haben jedoch nur 16 Prozent der Bevölkerung im ländlichen Raum Zugang zu formalen Finanzdienstleistungen („ländliche Finanzierung“). Weil die finanzielle Grundbildung meist gering ist, ist die Bevölkerung ländlicher Gebiete zudem nicht in der Lage, Finanzdienstleistungen bedarfsgerecht nachzufragen und zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Ziel

Die ländliche Bevölkerung in Uganda, insbesondere die Akteure entlang der Agrar-Wertschöpfungsketten, profitiert von einem erhöhtem Zugang zu verbesserten Finanzdienstleistungen.

Uganda. Eine Frau bringt ihre Ersparnisse zu Alutkot SACCO, Norduganda. © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben arbeitet mit Ministerien, Aufsichtsbehörden, Verbänden und einzelnen Finanzinstitutionen zusammen. Politischer Träger ist das Finanzministerium (MoFPED). Der Hauptpartner für die Implementierung des Vorhabens ist die Bank of Uganda (BoU). Durch Aktivitäten in drei Handlungsfeldern soll erreicht werden, dass der rechtliche Rahmen für Finanzintermediäre im ländlichen Raum verbessert ist, Finanzinstitutionen verbesserte Produkte im Bereich ländliche- und Agrarfinanzierung anbieten und die ländliche Bevölkerung über eine bessere finanzielle Grundbildung verfügt. Dabei baut das Vorhaben auf den Ergebnissen der Vorjahre und den langfristig geschaffenen Partnerbeziehungen auf.

Rahmenbedingungen und Aufsicht über das ländliche Finanzwesen. Das Vorhaben unterstützt Zentralbank und Finanzministerium bei neuen Gesetzesvorhaben, zum Beispiel der Anpassung der Mikrofinanzgesetzgebung. Im Rahmen des Financial-Inclusion-Projekts der Zentralbank, welches mit Unterstützung des Vorgängervorhabens ins Leben gerufen wurde, wird ein umfassendes regulatives Rahmenwerk für innovative Vertriebsmechanismen für Finanzdienstleistungen (Branchless Banking) geschaffen. Dies betrifft Mobile Money (mobilfunkbasierter Zahlungsverkehr) sowie Agent Banking (filialunabhängige Bankgeschäfte über Dritte).

Kapazitäts- und Produktentwicklung für ländliche- und Agrarfinanzierung. Zur Stärkung des Angebots an maßgerechten Finanzdienstleistungen setzt das Vorhaben auf der Ebene der Finanzintermediäre an. Partnerinstitutionen werden zur Entwicklung maßgerechter Finanzprodukte (zum Beispiel Produktionskredite für Kleinbauern) sowie zur Schaffung nachhaltiger Strukturen für ländliche- und Agrarfinanzierung beraten. Ein wichtiger Ansatz ist hierbei die Wertschöpfungskettenfinanzierung, das heißt die Entwicklung von Finanzierungmechanismen, die an bestimmte Agrarprodukte angepasst sind. Dieser Teil wird massgeblich von der Consultingfirma NIRAS umgesetzt. So sollen landwirtschaftliche Produzenten und Händler künftig eine Smartphone-App nutzen, welche durch die systematische Erfassung von Produktion und Zahlungen nicht nur Effizienz und Transparenz in den jeweiligen Wertschöpfungsketten steigert, sondern auch die Kreditwürdigkeit der Bauern fördert. Darüber hinaus werden Finanzinstitutionen bei der breiten Erschließung ländlicher Gebiete unterstützt, unter anderem durch den Anschluss informeller Spar- und Kreditgruppen an Banken (Linkage Banking).

Finanzielle Grundbildung für die ländliche Bevölkerung. Im Rahmen der von einer Vielzahl maßgeblicher Akteure verabschiedeten nationalen Strategie für finanzielle Grundbildung berät das Vorhaben die BoU als steuernde Instanz. Die Konzepte zur finanziellen Grundbildung werden über Schulen, Medien, Verbände und informelle Ortsgruppierungen auf dem Land nachhaltig und weit verbreitet.

Wirkungen

Die von der Zentralbank herausgegebenen Richtlinien für den mobilfunkbasierten Zahlungsverkehr haben unter anderem die Preistransparenz in diesem Bereich erhöht.

Die Mikrofinanzbank PRIDE hat ein Produktionsdarlehen für Kleinbauern entwickelt, die in der Sonnenblumenkerne-Wertschöpfungskette tätig sind. Das Darlehen ermöglicht es den Kleinbauern, ihre Erträge zu steigern.

Uganda. GIZ-Mitarbeiter während einer Bedrafsanalyse mit Farmern in Norduganda. © GIZ

In einer Entwicklungspartnerschaft mit der Wirtschaft hat die ugandische Geschäftsbank Centenary Bank innerhalb eines Jahres in Karamoja, der ärmsten Region Ugandas, durch den Anschluss informeller Spar- und Kreditgruppen über 1 Million Euro von mehr als 14.000 in Gruppen organisierten Frauen und Männern mobilisiert.

Im Bereich der finanziellen Grundbildung für die ländliche Bevölkerung haben bereits mehr als 150.000 Menschen von Pilotmaßnahmen profitiert. Finanzielle Grundbildung wurde in den neuen Lehrplan für Sekundarschulen aufgenommen, nach dem ab 2017 mehr als 1,2 Millionen Schüler unterrichtet werden. Mehr als 4,5 Millionen Menschen profitieren von den gemeinsam mit der Zentralbank entwickelten Konsumentenschutz-Richtlinien.