Marktorientierte Landwirtschaft in Ghana fördern

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Förderung der marktorientierten Landwirtschaft in Ghana (MOAP)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), kofinanziert von der Europäischen Union (EU)
Land: Ghana
Politischer Träger: Ministry of Food and Agriculture (MoFA)
Gesamtlaufzeit: 2004 bis 2020

Ghana. Ein Kleinbauer bei der Mangoernte. (Foto: Li Migura) © GIZ

Ausgangssituation

Ghana ist Westafrikas zweitgrößte Wirtschaftsnation. Politische Stabilität und günstige Wirtschaftsbedingungen haben zu einem stetigen Wirtschaftswachstums geführt, das sich jedoch auf einige wenige Produkte stützt. Nach wie vor sind fast 40 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig und etwa ein Drittel des Bruttoinlandsproduktes wird durch landwirtschaftliche Produktion erwirtschaftet. Dennoch sind die Produktivität und Produktqualität der ghanaischen Agrarerzeugnisse noch immer niedrig und national wie international nicht immer wettbewerbsfähig.

Momentan werden 80 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte in Ghana von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erzeugt. Gerade ihnen fehlt es oft an Betriebsmitteln, Finanzierung und Vermarktungskontakten. Daher sind ihre Erträge gering, Pflanzenkrankheiten und Schädlinge können sich ungehindert ausbreiten und die Ernte empfindlich schmälern. Schlechte Lagerung und Transport mindern weiterhin die Qualität von geernteten Früchten. Wiederholter Schädlingsbefall führte 2015 zu einem Importstopp ghanaischer Gemüsesorten in die EU. Auch der Lebensmittelverarbeitung mangelt es an Kapital und technischem Know-How, dazu kommen unzuverlässige Zulieferungen mit hochwertiger Rohware.

Die Potentiale des Landes bei der Produktion von international gefragten Erzeugnissen wie Mango, Cashew, Ananas oder Gewürzen werden nicht ausgeschöpft. Auch die gestiegenen Qualitätsansprüche der ghanaischen Mittelschicht an Lebensmittel werden nicht erfüllt, weswegen diese oft auf Importware zurückgreift.

Ziel

Die Qualität der landwirtschaftlichen Produktion in Ghana ist verbessert.

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Vorgehensweise

Das Programm zur Förderung der marktorientierten Landwirtschaft (MOAP) arbeitet mit ausgewählten Wertschöpfungsketten und fördert darin alle relevanten Akteure - von Saatgutproduzenten, Baumschulen, über Landwirt*innen, Landhandel, Agrardienstleistern bis hin zu Aufkäufer*innen, Verarbeitungsbetrieben und Exporteur*innen. Das führt zu besserer Qualität der Produkte, höheren Einkommen und mehr Beschäftigung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Schulungen für Anbaupraktiken und Qualitätsstandards sowie die Weiterentwicklung von spezialisierten privaten Dienstleistern steigern die Quantität und Qualität der Erzeugnisse. Besonders Zertifizierung nach internationalen Qualitätsstandards wie GlobalG.A.P. und Bio eröffnen neue Marktchancen für Produzent*innen. Zudem fördert das Vorhaben inklusive Geschäftsmodelle, die Kleinbäuerinnen und Kleinbauern bei der Vermarktung ihrer Erzeugnisse unterstützen und ihnen ein regelmäßiges Einkommen ermöglichen.

Das Vorhaben unterstützt Verarbeitungsbetriebe in Ghana, die unter anderem Trockenfrüchte, Säfte, Gewürze und Kosmetik herstellen. Im Mittelpunkt stehen die Optimierung der Produktionsabläufe, Lebensmittelsicherheit sowie die Entwicklung von neuen Produkten und deren Vermarktung.

Zusätzlich arbeitet MOAP eng mit dem ghanaischen Landwirtschaftsministerium und seinen Behörden zusammen. Die Zusammenarbeit soll günstige Rahmenbedingungen schaffen, staatliche Beratungsleistungen für Landwirt*innen und Unternehmen verbessen, sowie kompetente Inspektionen von Betrieben ermöglichen.
Ein besonderer Fokus liegt darauf, Frauen und junge Erwachsene, sowie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in die Wertschöpfungsketten zu integrieren. Dazu fördert das Vorhaben gezielt Feldfrüchte, die traditionell von Frauen angebaut und vermarktet werden. Zudem fördert es Unternehmen, die Beschäftigung für Frauen und Jugendliche schaffen.

Seit dem Jahr 2017 ist das Vorhaben Teil des European Union Ghana Agriculture Programme (EU GAP) und unterstützt im Rahmen dieser EU-Kofinanzierung,  seither auch eine große Anzahl privater und öffentlicher Partner im Nord-Westen Ghanas das zu den am wenigsten entwickelten Region zählt. 

Wirkungen

Die Schulungen zu guten Anbaupraktiken haben aktuell über 40.000 Landwirt*innen erreicht. Mit angepassten Techniken auf den Feldern und in den Obstgärten sowie verbessertem Pflanzmaterial konnten die Erträge für Ananas seit 2016 um 14 Prozent gesteigert werden. Für Reis, Sorghum und Soja konnten die Erträge 2017 im Nordwesten Ghanas sogar verdoppelt werden. 

Etwa 2.000 Produzent*innen wurden in internationalen Nachhaltigkeitsstandards wie Bio und GlobalG.A.P. zertifiziert. Dadurch erhielten sie Zugang zu neuen Märkten, konnten nach Europa exportieren oder Verarbeitungsunternehmen mit Biostandard beliefern. Aufgrund der Zertifizierung konnten sie langfristige Abnehmerverträge und bis zu doppelt so hohe Preise aushandeln. Ihre Betriebe verzeichneten zwar erhöhte Kosten von etwa 40 Prozent doch demgegenüber auch bis zu 250 Prozent höhere Einnahmen pro Hektar. 

Das Vorhaben unterstützt über 90 kleine und mittelständische Unternehmen dabei, wettbewerbsfähiger zu werden, neue Aufträge zu gewinnen und zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen: Die geförderten Unternehmen schufen seit 2017 bereits über 1.500 neue Arbeitsplätze, wovon über 50 Prozent an Frauen und über 80 Prozent an junge Erwachsene unter 35 Jahren gingen.

Intensive Beratung und Schulungen der ghanaischen Quarantänebehörde konnten die Inspektion von Frischeprodukten für den Export soweit verbessern, dass ein zweijähriger EU-Bann der Europäischen Union auf Gemüse Anfang 2018 aufgehoben wurde.

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