Menschenhandel und soziale Sicherung im Westbalkan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Menschenhandel und soziale Sicherung im Westbalkan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Mazedonien, Kosovo, Serbien, Bosnien und Herzegowina
Politischer Träger: Ministerien für Arbeit und Soziales sowie Ministerien für Inneres in den beteiligten Ländern
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2015

Ausgangssituation

In den vergangenen zwei Jahrzehnten führten sozioökonomische und politische Turbulenzen im Westbalkan einerseits zu einem plötzlichen Anstieg illegaler Migration in die EU, anderseits aber auch zu einer Zunahme innerstaatlichen Menschenhandels in den einzelnen Ländern. Obwohl sich die Region in einer Phase der politischen Stabilisierung befindet, bleibt der Menschenhandel weiterhin ein Kernproblem sozial marginalisierter Gesellschaftsgruppen. Vor allem junge Menschen ohne Perspektive sind gefährdet. Am Rande der Gesellschaft lebend, bleibt ihnen in Zeiten der sozialen Unsicherheit oft nur der Ausweg in den illegalen Arbeitsmarkt, der ein erster Schritt in den Menschenhandel sein kann. Präventions- und Schutzmaßnahmen wurden bisher noch nicht ausreichend entwickelt.

Ziel

Von Menschenhandel Betroffene und gefährdete Risikogruppen nutzen bedarfsgerechte sowie alters- und geschlechtsspezifisch ausgerichtete soziale Dienstleistungen.

Vorgehensweise

Die Partner sollen vor allem dabei unterstützt werden, Ansätze zur Bekämpfung und Prävention des Menschenhandels zu entwickeln, die nicht nur die Reintegration von Betroffenen umfassen, sondern auch die sozialen Bedürfnisse gefährdeter Risikogruppen berücksichtigen. Dabei werden sowohl staatliche als auch zivilgesellschaftliche Akteure unterstützt.

Eine erfolgreiche Bekämpfung des Menschenhandels im Westbalkan unterstützt das Regionalvorhaben durch vier aufeinander aufbauende Komponenten:

  1. Unterstützung der nationalen Ebene zur Stärkung sozialer Strukturen. Die Komponente trägt dazu bei, die staatlichen Partner (Innen- und Sozialministerien) zu befähigen, ihre neue Rolle in den Dezentralisierungsprozessen der sozialen Dienstleistungen effektiver wahrzunehmen: bei Qualitätssicherung, Supervision und in der strategisch-konzeptionellen Ausrichtung.
  2. Unterstützung bei der Dezentralisierung von sozialen Dienstleistungen auf regionaler, lokaler und kommunaler Ebene. Die Komponente stellt Angebote zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der lokalen Zentren für soziale Arbeit bereit. Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Stärkung lokaler Organisationen werden ermittelt und angestrebt.
  3. Unterstützung der sozialen Inklusion von identifizierten wie auch potenziell Betroffenen von Menschenhandel. Die Komponente befähigt Nichtregierungsorganisationen, sich auf die Prävention des Menschenhandels zu konzentrieren und Dienstleistungen zur Integration gefährdeter Gruppen anzubieten.
  4. Regionale Zusammenarbeit zur sozialen Sicherung von gefährdeten Gruppen und zur Verbesserung sozialer Dienstleistungen. Die Komponente fördert länderübergreifenden Dialog und fachlichen Austausch auf allen Ebenen. Die Partner sind eingeladen, im regionalen Dialog gegenseitig von Projektmaßnahmen, Methoden und Wirkungen zu lernen und grenzüberschreitende Initiativen zu entwickeln.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Menschenhandel ist ein gesamtgesellschaftliches Problem; Lösungsansätze können nur wirksam werden, wenn soziale Dienstleistungen für Betroffene und Risikogruppen nachhaltig gestärkt werden. Von diesem Bewusstsein lassen sich die Kooperationspartner verstärkt leiten. Sie stellen zunehmend die Betroffenen und weitere potenziell Betroffene, besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Straßenkinder und Roma, in den Mittelpunkt ihrer Aktionspläne, Strategien und Maßnahmen.

Auf lokaler Ebene haben Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter verbesserte Arbeitsgrundlagen, zum Beispiel Standards für die Beratungsarbeit, aktualisierte Standards für „Operating Procedures“, Handreichungen, Fortbildungen und anderes. So können sie ihre Dienstleistungen verbessern. Besonders Nichtregierungsorganisationen entwickeln ihr Beratungsangebot fort, kooperieren verstärkt mit staatlichen Stellen und finden Wege für ihre finanzielle Nachhaltigkeit.

In den vier Projektländern tauschen sich staatliche und nichtstaatliche Akteure über Lernerfahrungen und nachahmenswerte Beispiele aus. Ehemalige Konfliktparteien führen so anhand von Fachthemen einen konstruktiven Dialog.

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