Programm Berufliche Bildung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Berufliche Bildung Albanien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Albanien
Politischer Träger: Albanisches Ministerium für Soziale Angelegenheiten und Jugend
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2017

Albanien © GIZ

Ausgangsituation

Eine große Herausforderung für die albanische Wirtschaft besteht darin, die Arbeitskräfte im Lande besser auszubilden. Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass sich die albanische Wirtschaft entwickelt und modernisiert. Aufgrund der geringen Arbeitsmarktorientierung wird das Berufsbildungssystem den Erfordernissen des Marktes nicht gerecht. Die zur beruflichen Ausbildung zählenden Berufsgymnasien sind auf das Abitur ausgerichtet und vernachlässigen die praktische Ausbildung. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft ist nur schwach ausgeprägt. Es fehlen spezifische Angebote für ländliche Regionen und für Jugendliche und junge Erwachsene in Zuzugsgebieten. Diese sind deshalb oft nicht ausreichend darauf vorbereitet, Arbeit und Einkommen zu finden.

Ziel

Männliche und weibliche Jugendliche und Erwachsene sind in der Lage, sich am nationalen, regionalen und europäischen Arbeitsmarkt zu positionieren.

Albanien © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben verfolgt einen integrativen Ansatz, um die Qualität von beruflicher Aus- und Weiterbildung und Berufsberatung zu verbessern.

Nationale Berufsbildungsreform. Die GIZ berät das Ministerium für Soziales und Jugend (MoSWY) bei der notwendigen Systemreform.

Arbeitsmarktinformationssystem. Das Programm begleitete die albanischen Partner bei der Entwicklung eines kohärenten Arbeitsmarktinformationssystems. Dabei wurden ausgewählte Instrumente, die Arbeitsmarktdaten erheben, verbreiten und nutzen, entwickelt und zum Einsatz gebracht. Hierdurch wird zu einer besseren Abstimmung zwischen Ausbildungsangebot und Arbeitsmarktnachfrage beigetragen.

Modell eines modernen Berufsbildungsanbieters. Mit Unterstützung der GIZ wird die größte berufliche Schule des Landes zu einem multifunktionalen Berufsbildungszentrum (MFZ) ausgebaut.

Berufliche Bildung in Nordostalbanien. Bis Ende 2013 förderte das Programm sechs ausgewählte berufliche Schulen in vier städtischen und ländlichen Regionen im Nordosten und schuf landesweit anwendbare Ansätze für die Schulentwicklung in benachteiligten Regionen.

Wirkungen

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit wurden folgende Wirkungen erzielt:

  • 2014 erfasste eine Grundlagenstudie des MoSWY, der GIZ und der Europäischen Stiftung für Berufsbildung alle öffentlichen Berufsschulen und Trainingszentren. Sie dient als strategische Grundlage für die begonnene Restrukturierung des Netzwerks albanischer Berufsbildungsanbieter. 2014 beriet die GIZ das MoSWY bei der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes. Die Einführung des Aufbaus des nationalen Qualifikationsrahmens – ein Instrument zur Einordnung aller Qualifikationen, die im albanischen Bildungssystem erworben werden können, und zur besseren Vergleichbarkeit mit Qualifikationen im europäischen Kontext – wird durch die Entwicklung ausgewählter Curricula gefördert.
  • Per Regierungsdekret erhielt das MFZ Kamza im September 2013 Pilotstatus. Es ist mittlerweile als neuer Typus eines arbeitsmarktnahen Berufsbildungsanbieters anerkannt. Die Ende 2014 verabschiedete Nationale Beschäftigungs- und Berufsbildungsstrategie 2014–2020 sieht die Umwandlung weiterer beruflicher Schulen in MFZ als ein strategisches Ziel im Sektor vor.
  • Die im Rahmen des Programms erprobten Schulbeiräte (VET Boards) sind mittlerweile für die beruflichen Schulen verbindlich und in das Berufsbildungsgesetz aufgenommen. Das auf ländliche Regionen mit schwachem Arbeitsmarkt ausgerichtete Modell der kombinierten Grundausbildung wird in den Schulen in Nordostalbanien praktiziert.
  • 2012 verabschiedete das Arbeitsministerium das partizipativ erarbeitete Konzept für ein Arbeitsmarktinformationssystem. In Zusammenarbeit mit dem EU/IPA-Projekt 2010 wurde das Instrument der Verbleibsuntersuchungen in unterschiedlichen Berufsbildungseinrichtungen entwickelt und getestet. Eine entsprechende Software wurde zur Verfügung gestellt. Rund 170 Vertreterinnen und Vertreter aller regionalen und lokalen Arbeitsämter wurden in Fragen von Arbeitsmarktprogrammen und Datennutzung geschult.
  • Bislang wurden mehr als 50 Lehrkräfte pädagogisch-didaktisch und in technischen Fächern fortgebildet. Die Qualität des Unterrichts hat sich dadurch nachweislich verbessert. Die Curricula der Fachrichtungen Textil, Büro und Verwaltung, Elektro, Schneiderei, Tischlerei und Automatisierungstechnik wurden überarbeitet oder neu entwickelt. Die Revision der Curricula für Pflegeberufe und IT steht vor dem Abschluss. Erste Kurse für Zielgruppen außerhalb der Erstausbildung sind im MFC Kamza angelaufen. In dem mit Unterstützung der GIZ ausgestatteten modernen Elektroniklabor werden Kurse für Unternehmen angeboten.
  • Auf Politik-, Institutionen- und Schulebene wurden Kooperationen mit entsprechenden deutschen Partnern initiiert. Ein Ergebnis hiervon ist das Erasmus+-Projekt zur Einführung eines dualen Ausbildungsansatzes in Hotel- und Gaststättenberufen. Es wird gemeinsam von der albanischen Berufsbildungsagentur und dem Hamburger Institut für Berufsbildung (HIBB) durchgeführt.