Energieeffizienzberatung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Energieeffizienzberatung in Serbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Serbien
Politischer Träger: Ministerium für Bergbau und Energie; Ministerium für Bauwesen, Transport und Infrastruktur
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2016

Serbien. Thermografie-Aufnahmen zeigen Wärmeverluste an. © GIZ

Ausgangssituation

Serbien geht bisher wenig effizient mit Energie um. Pro Kopf wird vier Mal mehr Energie verbraucht als in Deutschland. Bei Heizwärme übersteigt der Bedarf den europäischen Durchschnitt um das Zweieinhalbfache. Grund für die hohen Energieverluste ist der schlechte technische Zustand vieler Gebäude. Serbien kommen diese Verluste teuer zu stehen: 40 Prozent der Energie müssen bisher importiert werden. Geringerer Energieverbrauch würde nicht nur die Handelsbilanz verbessern. Die Steigerung der Energieeffizienz trägt auch zum Klimaschutz bei.

Um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, fehlt bisher ausreichendes Wissen über Potenziale und Techniken zur Reduzierung des Verbrauchs. Private Haushalte sind über einen effizienten Umgang mit Energie zu wenig informiert. Staatliche und private Fördermaßnahmen werden nur punktuell und wenig koordiniert eingesetzt.

Die serbische Regierung will die Energieeffizienz von Gebäuden deutlich erhöhen. Laut dem 2. Nationalen Aktionsplan für Energieeffizienz (NEEAP) soll der Energieverbrauch von Gebäuden bis 2018 um neun Prozent gegenüber 2008 sinken. Serbien ist EU-Beitrittskandidat und hat sich verpflichtet, seine Gesetzgebung zur Energieeffizienz schrittweise an EU-Richtlinien und -Standards auszurichten.

Ziel

Die serbische Regierung setzt den nationalen Energieeffizienz-Aktionsplan für den Gebäudesektor erfolgreich um.

Serbien. Ausstellung zu Energieeffizienz in 30 Gemeinden.  © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben unterstützt Serbien bei der Einführung EU-konformer Energieausweise. Sie sind für den EU-Beitritt unabdingbar und ermöglichen es, den Energieverbrauch von Gebäuden zu vergleichen. In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bauwesen, Transport und Infrastruktur werden dazu eine Richtlinie sowie Empfehlungen zu laufenden Gesetzesvorhaben erarbeitet. Außerdem wird eine interministerielle Steuerungsgruppe der beiden beteiligten Ministerien beraten.

Zur zentralen Erfassung der Energieausweise wird ein Datenmanagementsystem aufgebaut. Ingenieure werden in der Anwendung geschult. Das Vorhaben fördert außerdem die Entwicklung eines Weiterbildungsangebots für Energieberater, die Hauseigentürmer zu Energiekosten und -einsparpotenzialen beraten sollen.

Das Vorhaben entwickelt eine Übersicht über Finanzierungsmöglichkeiten für Energiesparmaßnahmen an Wohngebäuden. Eine Broschüre informiert Haus- und Wohnungseigentümer über die Schritte bei einer energetischen Gebäudesanierung. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem serbischen Städtetag verteilt.

Das Vorhaben berät Gemeinden, wie sie Daten zur Energieeffizienz von Wohngebäuden erheben und analysieren können. In einem Pilotprojekt wurde in einer Gemeinde eine lokale Energieeffizienzstrategie entwickelt, gemeinsam mit der Architekturfakultät der Universität Belgrad und dem Statistischen Bundesamt Serbiens.

Das Vorhaben unterstützt weitere fünf Kommunen dabei, regionale Energieeffizienz-Aktionspläne für Wohngebäude zu entwickeln. Ein Handbuch über das Vorgehen und die Ergebnisse ermöglicht es weiteren Gemeinden, eigenständig einen Aktionsplan für ihre Gemeinde zu erarbeiten.

Wirkung

190 Vertreter aus 114 Gemeinden besuchten Informationsveranstaltungen des Bauministeriums über das nationale Datenmanagementsystem für Energieausweise, die Gesetzgebung und die Richtlinien zur Energieeffizienz im Gebäudesektor. Zur Erfassung des Wohngebäudebestandes wurde eine einfache Methode vorgestellt. 23 Gemeinden setzten sie ein und erhielten dadurch eine erste Einschätzung der Energieeinsparpotenziale. Eine Gemeinde erarbeitete einen strategischen Ansatz zur Verbesserung der Energieeffizienz für Wohngebäude und einen Aktionsplan für 2017. Weitere fünf Gemeinden folgen diesem Ansatz.

Das Datenmanagementsystem zur zentralen Erfassung der Energieausweise wurde mit Unterstützung des Vorhabens aufgebaut und befindet sich in einer Testphase. Lizensierte Ingenieurbüros mit einer Zugangsberechtigung zum System haben 190 der insgesamt 1.000 in Serbien vorliegenden Energieausweise eingegeben. Eine erste Auswertung hat das Energieministerium mithilfe dieser Daten bereits vorgenommen.

In der von der GIZ geförderten Weiterbildung wurden 428 von mittlerweile 1.550 Energieberatern zu den EU-Regularien für Energieeffizienz von Gebäuden geschult.

Die GIZ fördert an der Universität Belgrad die Weiterbildung von Dozenten des einjährigen Postgraduierten-Studiengangs „Energieeffizienz von Gebäuden“. 2016 haben 48 Teilnehmer den Studiengang erfolgreich abschlossen.

Serbien. Anzeige auf einem EU-konformen Energieausweis © GIZ
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