Reform der beruflichen Bildung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Reform der beruflichen Bildung in Serbien / Programm nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung in Serbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Serbien
Politischer Träger: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und technologische Entwicklung der Republik Serbien
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2019

Serbien. Ausbildung zur Schweißerin. © GIZ

Ausgangssituation

Politische Umwälzungen und die Weltwirtschaftskrise haben in Serbien zu hoher Arbeitslosigkeit geführt. Besonders betroffen sind junge Menschen. Im zweiten Quartal 2015 lag die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren bei mehr als 40 Prozent, inaktiv waren mehr als 70 Prozent. Trotz dieser Situation können Arbeitgeber, vor allem für gewerblich-technische Berufe, kaum qualifizierten Fachkräfte finden.

Die dreijährigen gewerblich-technischen Ausbildungsgänge sind theorielastig und entsprechen nicht dem Bedarf der Wirtschaft. Praktische Fertigkeiten werden nicht ausreichend systematisch und effizient vermittelt. Obwohl die Unternehmen mangelnde praktische Kenntnisse der Schulabsolventen kritisieren, bieten sie kaum Ausbildungsmöglichkeiten an. Darüber hinaus wirkt sich das schlechte soziale Image der beruflichen Bildung, vor allem bei den dreijährigen Ausbildungsgängen für gewerblich-technische Berufe, auf die Nachfrage negativ aus.

Nötig ist eine bedarfsorientierte Bildungsreform, in die alle ausbildungsrelevanten Akteure einbezogen sind, allen voran die Unternehmen, deren Leistungsfähigkeit ausgebaut werden muss.

Obwohl berufliche Bildung prinzipiell allen Absolventen der Primarschule offensteht, ist der Zugang vor allem für junge Menschen aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen schwierig. Für ihre Inklusion werden zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen benötigt.

Ziel

Das Angebot inklusiver, bedarfsorientierter kooperativer Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen als Bestandteil des formalen serbischen Berufsbildungssystems ist verbessert.

 
Serbien. Ausbildung zum Industriemechaniker. © GIZ

Vorgehensweise

Im Zentrum des Projektes steht die Einführung eines kooperativen Ausbildungsmodells mit Elementen der dualen Ausbildung. Das Modell wird während der Umsetzung modernisierter dreijähriger gewerblich-technischer Ausbildungsgänge mit Beschäftigungspotenzial getestet. Berufliche Handlungsfähigkeit und Beschäftigungsaussichten der Schulabgänger sollen erhöht und damit für Arbeitgeber ein direkter Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften erreicht werden.

Die Inhalte der ausgewählten gewerblich-technischen Ausbildungsgänge wurden aktualisiert, um die Qualität zu verbessern und den Anteil der praktischen Ausbildung in Betrieben zu erhöhen. Zur Umsetzung von aktualisierten Lehr- und Lerninhalten werden Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrer, Schulleiter und betriebliche Ausbilder angeboten.

Das Vorhaben unterstützt alle maßgeblichen Beteiligten bei der Umsetzung und Steuerung des kooperativen Ausbildungsmodells. Besonderer Schwerpunkt ist der Ausbau von Kompetenzen bei den Partnerinstitutionen zur Verbesserung des rechtlichen Rahmens. So sollen die Grundlagen für eine erfolgreiche, nachhaltige Umsetzung von beruflicher Bildung geschaffen werden, die auf Elementen des dualen Systems beruht.

Berufsorientierungsprogramme, Marketingmaßnahmen und Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft sollen das neue Modell der kooperativen gewerblich-technischen Ausbildung bekannt machen und das Interesse der Jugendlichen und ihrer Eltern wecken. Bei Unternehmen wird für die Beteiligung am kooperativen Ausbildungssystem geworben.

Wirkungen

  • Ein kooperatives Ausbildungsmodell mit Elementen der dualen Ausbildung wurde an die serbische Situation angepasst.
  • Fünf Ausbildungsgänge für Berufe mit großem Beschäftigungspotenzial – Schlosser-Schweißer, Elektriker, Industriemechaniker, Modeschneider, Kfz-Mechaniker – werden derzeit nach dem kooperativen Modell umgesetzt. Rund 1.700 Schülerinnen und Schüler werden für diese Berufe in 43 Berufsschulen ausgebildet.
  • Die Curricula dieser Ausbildungsgänge wurden modernisiert. Die Schüler können sich umfassende Kompetenzen aneignen und mehr praktische Lernphasen, vor allem in Unternehmen, durchlaufen.
  • Rund 80 Prozent der für die Gestaltung und die Umsetzung des kooperativen Modells zuständigen Mitarbeiter wurden weitergebildet, damit sie die modernisierten Lehr- und Lerninhalte vermitteln können.
  • Entwicklungspartnerschaften mit der Wirtschaft wurden aufgebaut. Das Vorhaben arbeitet mit über 50 Unternehmen eng zusammen, um ein kooperatives Ausbildungssystem, im Einklang mit dem Bedarf des Marktes, zu entwickeln.
  • Umfassende Marketingmaßnahmen zur Verbesserung des sozialen Images der beruflichen Bildung sind durchgeführt worden. Sie richten sich vor allem an künftige Berufsschüler, ihre Eltern und Betriebe. Schulen, Jugendbüros und die Wirtschafskammern übernehmen dabei die Vermittlerrolle.
Serbien. Ausbildung zum Elektriker. © GIZ