Fördermaßnahmen zugunsten der deutschen Minderheit in der Ukraine

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Fördermaßnahmen zugunsten der deutschen Minderheit in der Ukraine
Auftraggeber: Bundesministerium des Innern (BMI); Bundesverwaltungsamt (BVA)
Land: Ukraine
Politischer Träger: Rat der Deutschen der Ukraine
Gesamtlaufzeit: Seit 1993

Ukraine. Teilnehmende am Ausbildungsprojekt für deutschstämmige Jugendleiter „Schule der Avantgarde“ während des Besuches im großen deutsch-ukrainischen Unternehmen „ SE Bordnetze Ukraine“, das ein erfolgreicher ethnisch Deutscher aus Chernowitz leitet.

Ausgangssituation

Vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg war das Gebiet entlang der Schwarzmeerküste, nach der Wolgaregion im Russischen Reich beziehungsweise in der Sowjetunion, das zweitwichtigste Siedlungsgebiet der nationalen Minderheit der Deutschen. Damals lebten rund 400.000 Deutsche auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Mehrzahl der Deutschen nach Sibirien und Zentralasien deportiert.

Heute leben etwa 33.000 Angehörige der deutschen Minderheit in der Ukraine. Viele von ihnen sind nach dem Zerfall der Sowjetunion aus der Russischen Föderation und den zentralasiatischen Ländern eingewandert. Um Wiedergutmachung der Folgen des Zweiten Weltkriegs bemüht, setzt sich die Bundesregierung dafür ein, die Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven der deutschen Minderheit in der Ukraine und in den anderen postsowjetischen Staaten zu verbessern.


Ziel


Die deutsche Minderheit vertritt eigenständig ihre Interessen im Herkunftsland, entwickelt ihre ethnokulturelle Identität und gestaltet aktiv ihre Brückenfunktion zwischen Deutschland und dem Herkunftsland.
Ukraine. Landeskundliches Quiz und Lotto beim deutschen Kulturfestival „Lemberg-Fest“, November 2014 in Lemberg. © GIZ

Vorgehensweise

Durch die Maßnahmen werden Projekte für Kultur, Jugend, Sprache und Soziales sowie zur Entwicklung von Führungskräften und zur Stärkung der Selbstorganisation gefördert. Das vom Rat der Deutschen der Ukraine (RDU) und von der GIZ aufgebaute landesweite Netzwerk 170 zivilgesellschaftlicher Organisationen führt die Maßnahmen durch.

Die GIZ unterstützt den RDU und seine Durchführungsorganisation, die Gesellschaft für Entwicklung (GfE), dabei, die zivilgesellschaftlichen Organisationen der deutschen Minderheit wirkungsvoll zu vertreten und zu finanzieren. Neben organisatorischer sowie Rechts- und Prozessberatung übernimmt die GIZ die wirkungsorientierte Finanz- und Erfolgskontrolle der laufenden Projekte.

Wirkungen


Die überregionalen und regionalen zivilgesellschaftlichen Strukturen der deutschen Minderheit in der Ukraine wurden durch Fortbildungen und Beratung der GIZ aufgebaut und qualifiziert. Inzwischen planen, realisieren und verwalten sie die Fördermaßnahmen eigenverantwortlich.

Durch ein umfangreiches Sprach-, Fortbildungs- und Freizeitangebot für Jugendliche werden die kulturellen Merkmale und die Identität der Minderheit vermittelt, bewahrt und weiterentwickelt. Ein enges Netzwerk an Jugendklubs wurde aufgebaut. Die Jugendklubs sind in ihr jeweiliges Umfeld gut integriert und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum sozialen Leben der Minderheit sowie zu anderen Bereichen, in denen sie tätig sind.

Die deutsche Minderheit in der Ukraine beteiligt sich gemeinsam mit anderen Minderheiten an Kulturprojekten innerhalb und außerhalb der Ukraine. Dadurch erhöht sich die ihre Sichtbarkeit im In- und Ausland. Die deutsche Minderheit wirkt zugleich als Mittler zwischen der Ukraine und Deutschland. Eine besondere Rolle spielen dabei ukrainedeutsche Führungskräfte aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Sie werden durch individuelle Förderprogramme bei ihren wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Aktivitäten unterstützt. So können sie mit ihren künstlerischen und sozialen Arbeiten sich und die deutsche Minderheit in der ukrainischen Mehrheitsgesellschaft präsentieren.
Ukraine. Auftritt des deutschen Jugendkulturzentrums „Deutsche Quelle“ auf dem Weihnachtsmarkt, im Rahmen der städtischen Veranstaltungen „Weihnachtszauber aus Deutschland“, Dezember 2014 in Kiew. © GIZ